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Neusiedler Tod
von Bernadette Németh
264 Seiten 2. Auflage 2026 © 2024 - Gmeiner-Verlag GmbH www.gmeiner-verlag.de ISBN 978-3-8392-0633-1
Nun erreichte mich die achte Veröffentlichung der in Wien geborenen Autorin, und schon ist es so, wie es eigentlich immer ist. Jedenfalls so ähnlich, denn es ist schon fast keine Überraschung mehr, wieder etwas völlig Neues in Händen zu halten. Bernadette Németh liebt ganz offensichtlich die Abwechslung.
Nach den Kurzgeschichten "Der zweite Blick" (2010), einem Kinderbuch "Elmedin und der Zaubertukan" (2013), ihrem Debutroman "Der Rest der Zeit" (2017) zwei Reiseführern für Wien bzw. den Neusiedler See (2019 und 2020), "Wunschnovelle" (2024) und dem Familienroman "Im Schatten der Kraniche" (2026) wechselt sie mit "Neusiedler Tod" wiederum in ein anderes Genre. Ein Kriminalroman, inzwischen in zweiter Auflage erschienen, aus ihrer Feder ist allerdings nun irgendwie doch eine Überraschung.
Laura ist eine Journalistin und möchte einen Reiseführer über den Neusiedler See schreiben. Das kommt uns doch gleich irgendwie bekannt vor, denn wer den genannten Reiseführer kennt, weiß, dass sich die Autorin dort besonders gut auskennt. Somit dürfte klar sein, dass die Figur der Laura, insbesondere was deren aufwendige Recherchen für ihr geplantes Buch betrifft, zumindest einen Hauch autobiografischer Spurenelemente enthalten könnte.
Lauras großer Traum scheint sich nun realisieren zu lassen, nachdem sie sehr unsanft aus ihrer bisherigen Position bei einem medizinischen Magazin entlassen wurde. Leider starten ihre Recherchen mit einem extrem unerfreulichen Leichenfund, womit auch die Geschichte beginnt.
Eine Vorwarnung gibt es nicht. Die zunächst verstörende Gegenwart wird im zweiten Kapitel durch eine Rückblende, vier Wochen vor den Ereignissen angesiedelt, unterbrochen. Wir lernen weitere Haupt- und Nebenfiguren kennen, unter anderem die Künstlerin Ariane Breyer, Lauras "Ex-Freundin". Diese ist nicht besonders angetan von ihren immerwährenden Kinkerlitzchen, bietet Laura aber dennoch spontan Hilfe in Form einer freien Couch in ihrem Seehaus an.
Positiv abgelenkt wird man beim Lesen immer wieder durch Bernadette Némeths ausdrucksstarke Bildersprache. So erscheint der Neusiedler See und die ihn umgebenden Landschaften in sehr lebendigen Bildern.
Nur wer diese Gegend liebt, kann sie so beschreiben!
Ebenfalls abgelenkt wird man durch nicht wenige sehr originelle Charakterisierungen und Metaphern, die zum Innehalten oder mehrmaligem Lesen anregen. Auffallend lackierte Fingernägel können dann schon einmal wie "Ostereier" aussehen, Mundgeruch kann wie ein "lebendiges Magengeschwür" riechen oder Wattepads schminken "Schönheit ab".
Fast wirken diese Passagen wie separate kleine Geschichten in der Geschichte, wobei der Rezensent hier eine ebenso uneingeschränkte wie wirklich lustige Lieblingsstelle gefunden hat. Was es aber mit einer Kindheitserinnerung, einer Trockenhaube und dem Mond auf sich hat, verrät er hier nicht. Viel Spaß beim Suchen!
Gruselig kann es aber auch werden. Bei einer Joggerszene zum Beispiel und am schon erwähnten Tatort dann sowieso. Nachhilfestunden gibt es ebenfalls reichlich. In Sachen Botox, Hypervigilanz oder Rüttelflug wird mangelhaftes Allgemeinwissen erweitert.
Jetzt fehlt eigentlich noch etwas zur Story, aber das lasse ich gerne weg. "Neusiedler Tod" ist spannend, solide, facettenreich und bietet gegen Ende ein Spannungskonzentrat, übertreibt es mit Hochspannung aber nicht. Schließlich ist die Riege der handelnden Personen überschaubar. Mehr sollte an dieser Stelle nicht verraten werden, sonst steht womöglich die Spoilerpolizei auf der Matte.
Ein kleiner Kritikpunkt sei noch erwähnt. Es ist das Tempo der Geschichte. Sie ist viel zu schnell erzählt, denn sie hätte weitaus mehr Potential, als sie vorgibt. Ein größerer Rahmen hätte ihr gut gestanden. Figuren wie Laura hätte man gerne noch weiter begleitet. Offene Fragen bleiben.
Ob die Recherchen für ihr Buch wohl weitergehen? Wird ihre Hilfe eventuell in weiteren Fällen gebraucht? Sehr gut vorstellbar, dass die gute Laura noch den einen oder anderen Mordfall lösen wird. Wäre interessant zu erfahren, was am Neusiedler See sonst noch so los ist...
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