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KRAICHGAU INFERNO III - 26.09.09 - Stadthalle Neckarbischofsheim


Bereits zum dritten Mal fegte das KRAICHGAU INFERNO über das beschauliche Neckarbischofsheim hinweg und lockte einmal mehr Horden von Dunkelheimer Schwarzpiraten aus dem Großraum Sinsheim und Heidelberg aus sämtlichen verfügbaren Löchern. Meinereiner wollte sich in der Haupsache die bayrische Trachtenkapelle IVENBERG zur Brust nehmen, welche allerdings und bedauerlicherweise abgesagt haben.

Den Aufreißer gaben LICKSALT aus Friedrichshall. Die trollige Mucke ging durch Mark und Bein, wobei der schottenberockte Chefbarde Jens jederzeit das Heft in der Hand hielt. Dabei könnte er ohne Bedenken größere Teillasten des gesungenen Wortes an Co-Sängerin Sandra delegieren, die gar nicht mal unflott intonierte. Insgesamt lieferte die sympatische Truppe eine ordentliche Schippe Pagan-Metal ab - doppelt unterstrichen durch theatralische Bombast-Keys - wobei das Gruppenbild mit Dame den eigenen Stil als "Thunder of Vikings" definiert.
LICKSALT
SKEPSIS änderten die Marschrichtung nicht unwesentlich. Bereits 2007 zockten die Death-Metaller auf dem KRAICHGAU INFERNO, und auch dieses Jahr bildeten sie den ersten Höhepunkt des Abends. Sänger Tobi konnte mit außerordentlich ausdrucksvollen Vocals punkten und wertete mit seinen kongenialen Mitstreitern jeden Track zum Burner auf. Ordentlich Schmackes kredenzte die zierliche Leadgitarristin Katrin, die ihrem Instrument einen ganz und gar nicht zierlichen Höllensound zu entlocken wusste! Neben aller Brachialität brachten SKEPSIS aber eimerweise Melodie auf die Gemarkung, sodass man sich einen längeren Auftritt gewünscht hätte.
SKEPSIS
Für einen schlagartigen Stimmungswechsel sorgten dann die blutbespritzten Helden von ABSTINENZ, die eine eiskalte Fackel abzubrennen gedachten. Was sich wie ein Widerspruch anhört, ist auch einer. Tatsächlich schienen dies noch mehr Leutchen zu merken und traten den vornehmen Rückzug an. Man hatte tasächlich das Gefühl, in Grabeskälte zu verbrennen. Das war offenbar zu viel fürs schwarze Landvolk, die sich wohl eine weniger schwer verdauliche Mucke gewünscht haben. Der Autor und eine Handvoll Unentwegte gönnten sich aber die grottig-kultige Show bis zum bitteren Ende und erlebten somit gar die eine oder andere melodische Seite der Medaille. Witzigerweise ging eine Gitarre über den Jordan, weshalb Keifgraf Herjan höflichst anfragte, ob nicht einer der anwesenden Musiker freundlichst eine auf "D" gestimmte ausleihen könnte.
Fragwürdig war, woher das bittere Klang- und Klagewände erzeugende Keyboard erklang. Wurde dies gar per Klampfe gezupft? Cool, das ist in etwa so, als ob man mit einem Cello Trombose spielen würde. Geile Sache trotzdem. Bei dergestaltigen Überlegungen wanderte mein Blick zum Schlagwerk, was zwar vorhanden aber nicht besetzt war. Dies ist mir zunächst gar nicht aufgefallen. Hatte es den Mann womöglich vom Hocker geblasen oder kam der Trommelwirbel gar eindeutig aus der Dose? Sah ganz so aus, aber na ja, der Computer werkelt eh schneller ...
ABSTINENZ
... aber ein menschlicher Prügelknabe ist halt doch ne andere Marke, was der Hannes von KARKADAN schon beim Soundcheck unmissverständlich zu untermauern wusste! Die Stuttgarter Riesen pflügten die Halle in Grund und Boden, trieben aber dem einen oder anderen Hardliner ebenfalls Fragezeichen in die Fresse. Die kampferprobten Breitband-Musikanten reichern bekanntlich die reine Lehre mit allerlei Progressivitäten an, welche das gemeine Volk erst einmal nachvollziehen musste. Für mich waren die progressiven Death-Metaller der eigentliche Headliner des Abends. Schade nur, dass die innovative Truppe den Gig etwas kürzen musste, da die Band wegen diverser Probleme der Vorgänger erst satte 1 1/2 Stunden später als geplant das Feld bestellen konnte.
KARKADAN
Gegen Mitternacht machte sich plötzlich ein laues Windchen in der Halle angenehm bemerkbar. Qualm und Nebel verschwanden, was sich prompt auf die Qualität des Bildmaterials auswirkte. AGORAPHOBIA sollten den bunten Abend beschließen. Die Wieslocher machten einmal mehr ihr bekanntes Fass auf, und gaben der inzwischen wieder besser besuchten Halle den Garaus. Der ziemlich eigenständige Mix aus Death, Thrash und Hardcore versetzte den Moshpit in Verzückung und dem Rest einen Arschtritt nach dem anderen. Die hyperaktiven Sängerknaben Maik und Phil teilten sich wie immer die Verbalattacken und zauberten mit ihrer gnadenlosen Truppe ein mehr als energiegeladenes Wort zum Sonntag.
AGORAPHOBIA
Für das nächste Jahr wünschen wir uns ein viertes Event, IVENBERG, einen strafferen Zeitablauf, ein etwas interessierteres Publikum, das nicht permanent und rauchenderweise vor der Halle herumlungert, sondern vielmehr den Leistungen der einzelnen Bands etwas zahlreicher Tribut zollt, und einen Mann am Mischpult, der etwas differenzierter und weniger matschig aussteuert. Was unbedingt so bleiben kann ist die Location samt knuddeliger Bar und Brotzeitausgabe und vor allem die moderaten Bierpreise ... denn schlappe zwei Euro für den Halbliter-Kolben sind mehr als anständig.


Thomas Lawall - September 2009
Fotos: Thomas Lawall


www.kraichgau-inferno.de

www.myspace.com/kraichgauinferno666




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