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CD-Review

SCAPA FLOW "Scapa Flow" (2004)

Celtic & American Folk


Also jetzt einmal der Reihe nach: FIDDLE & FEET sind ED WESTERDALE und seine Frau NATALIE WESTERDALE (ehem. NATALIE ABOULFATH). Die 1997 gegründete "Band" ist eigentlich keine solche, jedenfalls keine im üblichen Sinne. Es gibt lediglich eine Geige und eine Tänzerin. Aber die beiden lassen es ganz schön krachen! Das Repertoir ist gigantisch. ED WESTERDALE geigt sich mühelos von Schottland bis Irland, über den großen Teich in die USA und gleich wieder zurück. Begleitet wird der Ohrenschmaus von einem Fest für die Augen. NATALIE WESTERDALE tanzt in Lichtgeschwindigkeit und ebenfalls stilübergreifend. Weder irischer Steptanz noch amerikanischer Jazz Tap, Cape Brenton Stepdancing oder Appalachian Flatfooting sind ein Problem. 2001 wurden FIDDLE & FEET zum "Best International Folk Ensemble" beim Dubliner Summerfest gewählt. ED WESTERDALE zeigte sich als Co-Arrangeur der Musik für die irische Tanzshow "Celtic Life" verantwortlich.

CRAIG HERBERTSON ist auch so ein Tausendsassa. Der Sänger, Gitarrist, Autor und Schauspieler kann mit glasklarer Stimme die eigentümliche Melancholie Schottlands 1:1 rüberbringen. Neben Werken schottischer Dichter (Robert Burns, Sir Walter Scott) singt er auch eine Vielzahl eigener Kompositionen. Der von ihm geschriebene Song "Hearts of Glory" erreichte Platz 20 in den UK Indie Charts 2004.

QUEST (Christian Tewordt), einer der begnadetsten Piper vor dem Herrn, geizt natürlich auch nicht mit einer "gewissen Bandbreite", gewann erste Preise bei der "Lowland & Border Pipers' Society" Edinburgh (1999 und 2001), war "Musical Director" bei "Celtic Life" und ...

... gemeinsam sind die Dame und die drei Herren SCAPA FLOW! Diese aufregende Formation ist ebenfalls keine "normale" Band, denn sie besteht nur aus Solisten. Da also jeder Musiker, incl. Tänzerin, jeweils für sich alleine stehen kann, ist für denjenigen, der die Gruppe vielleicht noch nie gehört und gesehen hat, unschwer vorstellbar, was passieren muss, wenn diese phantastischen Vier GEMEINSAM auf der Bühne stehen!

Dementsprechend vielfältig ist das Debut der Band. Zwangsläufig, denn SCAPA FLOW haben viel zu bieten. Fast ZU viel, denn wie soll das alles auf eine einzige CD passen? Aus dieser "Not" machte man einfach eine Tugend. Siebzehn Tracks hat die Scheibe, aber nur vier sind von SCAPA FLOW. CRAIG HERBERTSON und FIDDLE & FEET sind jeweils mit vier, und QUEST mit fünf Tracks vertreten. Somit bekommt man einen sehr interessanten und umfassenden Überblick über das Schaffen der Band und die jeweiligen Solo-Aktivitäten!

Diese unglaubliche Vielfalt kann schwerlich beschrieben werden. Was soll ich empfehlen, was hervorheben? Etwa SCAPA FLOW mit "Jack o' Hazeldean", dem wunderbaren schottischen Liebeslied, CRAIG HERBERTSON mit seinem herzzerreißenden "The Lullaby of Scotland",  FIDDLE & FEET mit dem American Old-Time breakdown "Half Past Four" oder die ergreifende Dudelsack-Phantasie "Maigret in Morpeth" von QUEST??? Keine Ahnung! Oder doch? Was ist z.B. mit Track 17, bzw. dem "Irish reel" am Ende, und den fast metallischen Einlagen von Joergen Lang? Wow, das ist "live" aufgenommen, aber man stelle sich dies einmal bei einem größeren Event vor! Dem SummerBreeze 2007 zum Beispiel ... 
Scapa Flow live
Also ich weiß nicht, wie oft ich diese Platte schon gehört habe, und dennoch weiß ich (wieder mal) nicht, wo mir die Birne steht. Und ich stelle (wieder mal) blöde Fragen. Mein bescheidener Horizont erlaubt es mir immerhin, in dieser aufregenden Mischung zwischen den unterschiedlichen Stilen zu unterscheiden. Doch letzten Endes frage ich mich, wie das eigentlich funktioniert. Beispiel: Bestimmte Töne, in einer ganz speziellen Reihenfolge angeordnet, ergeben eine schottische Melodie. Klar. Ändert man die Reihenfolge, klingt es plötzlich amerikanisch. Hallo? Wie geht das nur? Wo ist das Geheimnis?

Na ja, genau DAS ist es ja, was uns Sesselpupser von Musikern unterscheidet. Wir fragen, erklären (hahaha), beschreiben (schon eher), loben, schimpfen, lamentieren, philosophieren... schreiben uns dabei die Finger wund, doch die Musiker TUN ES EINFACH, wovon wir nur quatschen, und sind uns damit permanent um (mindestens) eine Nasenlänge voraus.

Fazit: Siebzehn Höhepunkte - Ende!

 

Bewertung 12/12

Thomas Lawall - August 2006

 

 

Tracklist:  

SCAPA FLOW
01. I Will Go
02. Jock o' Hazeldean
03. Nathaniel Gow's Lament for the Death of his Brother / Gallagher's March /
     The Gallowglass / Hiudaí Gallagher's March (Jig) / Merrily Danced the Quaker's Wife
04. The Marchioness of Huntly / Dusky Meadows / Lady Glenorchy (Strathspeys & Reel)

CRAIG HERBERTSON
05. The Lullaby of Scotland
06. Bonnie Lassie O (The Shearin's Not for You)

FIDDLE & FEET
07. Cotten-Eyed Joe / Boatman
08. Crossing to Ireland
09. Half Past Four
10. Arkansas Traveller

CRAIG HERBERTSON
11. Ye Banks and Braes o' Bonnie Doon
12. The Banks o' the Lee

QUEST & Friends
13. Welcome Home Gráinne (March, Jig & Reel)
14. Maigret in Morpeth (Waltz)
15. Miss Drummond of Perth (Strathspey) / Highland / Niel Gow's Highland /
     Saltón de Meres ("Reel")
16. Iomramh eadar Il' a's Uibhist (Rowing from Islay to Uist / The Source of Spey (Strathspey) /
     The Drunken Tinker / The New Ships are Sailing
17. Con Cassidy's Slip Jig (The Cock and the Hen) / The Humours of Whisky /
     James Byrne's Slip Jig / Rip the Calico (Reel)
 

Line-Up:

Edward Westerdale: Fiddle, 5-String E-Fiddle, Backing Vocals
Craig Herbertson: Lead Vocals, Guitar
Quest: Great Highland Pipes, 3/4 Highland Pipes, Flute, Backing Vocals
Natalie Westerdale: Irish & Cape Brenton Stepdancing, Bodhrán

Guest Musicians:

Claus Kessler: Anglo-Concertina (on 4)
Rob Carroll: Guitar (on 5, 6, 11, 12)
John Carroll: Bass (on 5 & 12)
Frank Jarret: Percussion (on 5 & 12)
Bernie Shaw: 5-String Banjo (on 12)
Hauke Börngen: Guitar (on 1, 3, 4)
Klaus Eckhardt: Bouzouki (on 2)
Edward Westerdale: Fiddle, Piano (on 13)
and from STAFFA
Joergen Lang: Guitar, Effects (on 16 & 17)
Esther Kuck: Bodhrán (on 13, 16, 17)

 

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 Scapa Flow   Quest, the Piper

 

 

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