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CD-Review

RIFF RAFF  "Rock'n'Roll Mutation Vol.1" (2006)

Cover Piraterie


ALLE mal herhören: Ich hab' ja schon viel auf die Ohren bekommen, und man sollte meinen, dass es nach fast einem halben Jahrhundert für mich so langsam keinerlei Überraschungen mehr geben kann. Tja, das Schöne am Leben ist aber, dass dem a-b-s-o-l-u-t nicht so ist! Ja leck mich doch am Arsch, was RIFF RAFF mit "Rock'n'Roll Mutation Vol.1" abliefern, ist der absolute Überhammer! Ich krieg mich nicht mehr ein und weiß im Grunde gar nicht, was ich (geistreiches) dazu schreiben soll.

Mit den Covergeschichten ist das ja so eine Sache. Was soll eigentlich das Wiedergekäue? Hmpf! Olle Kamellen kreuz und quer durch fast alle Musikrichtungen von Schlager, über Pop bis Heavy Metal usw. bieten inzwischen eine kaum mehr überschaubare Flut von zweit- bis drittklassigen Combos. Meist mehr schlecht als recht. Das ist schlicht und einfach nur noch gähnlangweilig, und deshalb spielen derlei Kapellen in TOM UND MARYS WEBZINE auch kaum eine Rolle.
Ausnahme sind DAWEDDA aus Ladenburg (bei Heidelberg). Hier hat man sich entschlossen, das eine oder andere Liedchen nicht nur zu kopieren, sondern kräftig durch den Kakao zu ziehen. Die beiden Alben "Olwa" und "Verrückte aus Ladenburg" sind bis heute unerreicht. (Gnadenloses Beispiel: Aus "Daddy Cool" (BONEY M) wurde "Blut im Stuhl"!)

Noch 'ne völlig geniale Band fällt mir ein, die jedoch völlig anders agieren. MUSICAL BOX kopieren nicht nur, sondern zelebrieren die alten GENESIS nahezu 1:1! Dabei reicht es den begnadeten Musikanten nicht, die Musik exakt wiederzugeben, sondern dies auch noch mit dem gleichen Instrumentarium zu tun! Selbst Kostüme und das gesamte Bühnenbild sind vom Original kaum zu unterscheiden ...

Wieder einen ganz anderen Weg gehen RIFF RAFF aus Berlin. Diese Komiker vor dem Herrn haben sich mal ganz was Neues einfallen lassen.
ABBA-Songs zu covern ist ja nun wirklich nix Besonderes. AC/DC-Klone gibt es auch schon genug. Aaaaber, dass sich jemand traut, den leichtgewichtigen ABBA-Magerquark in die Rock'n'Roll-Kiste zu kippen bzw. das Ganze so aussehen zu lassen, als hätten die Australier das Water(k)loo erfunden, ist schon eine verdammte Meisterleistung! Damit dürften die Witzbolde so ziemlich alleine dastehen. (Und nicht nur das, denn so ganz nebenbei vereinen die Berliner Weissen zwei völlig verfeindete Lager. Ich erinnere mich genau, denn ABBA und Co. waren damals unsere Todfeinde! Wer mit so einer Platte daher kam, durfte sein Testament machen!)
DAS nenn ich jetzt mal eine gelungene Völkerverständigung! ABBA sind erwachsen geworden, rehabilitiert ... der Glaubenskrieg ist beendet. Das ist Perestroika, das ist Ökumene!                          

Jede Menge Money ist aufm Cover zu sehen und genau mit dem dazu passemden Titelchen beginnt die dreiste Scheiblette. "Money, Money, Money" zeigt umgehend, wo der Hammer hängt. Der staubige Schlager-Pop wurde generalüberholt und kommt jetzt mit geiler Frontschürze, verbreitertem Grill, Seitenschwellern, Heckspoiler,  zweiflutigen Rennkats, getönten Scheiben, Flügeltüren, Lichtumrahmung, roten Sportsitzen mit aufgenähten Flammenapplikationen, Vergaser-Rückholfedern sowie einer Auspuff-Innenbeleuchtung daher!      

Die erste grandiose Lachnummer ist Track drei "Super Trooper"! Muaaaahahahahaha, das Teil geht ab wie ein Druckspüler! Früher habe ich den Song nicht mal ignoriert, doch diese Interpretation hat etwas endgültiges und ist somit zum Dauerbrenner "mutiert". Und so geht das munter weiter. Schwachstellen oder Lückenfüller gibt es keine. Der Unterhaltungswert der Scheibe ist kaum zu überbieten. Man sollte allerdings die Songs von ABBA kennen bzw. diese Zeit selbst erlebt haben, denn sonst ist die Platte eher witzlos. Denn wie soll man so überaus gelungene Persiflagen wie "Take A Chance On Me", das getunte "Knowing Me, Knowing You" oder das auf nur wenige Millimeter Bodenfreiheit tiefergelegte "Waterloo" nachvollziehen können?!

Soll ich noch was zu "Chiquitita" schreiben? Ja? Soll ich wirklich? Pffffffjuuuuhaaaaa ... ja also ... oder nee, Leute! Ich weiß was viel Besseres. Kauft euch die Platte einfach und die nächste Ü30-Party ist gerettet! Das ist DIE Scheibe für die Rentner von morgen! Haaaaach, ich kann nicht mehr.
RIFF RAFF haben das Kriegsbeil ausgegraben, aber sie rauchen gleichzeitig die Friedenspfeife, und genau hier bringen sie ein nicht ganz alltägliches Kunststück fertig. Sie verteilen nämlich zehn fundamentale Ohrfeigen, die andererseits mühelos als Hommage verstanden werden können!

Weiter so Manners. Frechheit siegt und ihr wisst ja: "The Winner Takes It All"!

Fazit: Mamma Mia!

 

Bewertung 10/12

Thomas Lawall - Oktober 2006

 

 

Tracklist:

01. Money, Money, Money
02. I Have A Dream
03. Super Trooper
04. Mamma Mia
05. Take A Chance On Me
06. Knowing Me, Knowing You
07. The Winner Takes It All
08. Chiquitita
09. Dancing Queen
10. Waterloo

Line-Up:

Steve: Vocals
Ricky: Guitar
Schulle: Drums
Zoltan: Guitar
Stefan: Bass



www.riffraff1.de

 

 

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