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Literatur

Zwölf mal Polt

von Alfred Komarek


212 Seiten
© Haymon Verlag
www.haymonverlag.at
www.alfred-komarek.at
ISBN 978-3-85218-678-8



Fatal, wenn der Anfang gleich ein Ende ist. Polt hatte sich seinen ersten Arbeitstag anders vorgestellt. Er platzt völlig unvorbereitet in ein System, welches im wahrsten Sinne des Wortes läuft wie geschmiert. Mit seinem Vorgesetzten Gabler auf seiner ersten Dienstfahrt unterwegs, erlebt er, wie ein allseits bekannter, völlig betrunkener PKW-Fahrer unbehelligt davonkommt. Der Wurm Karl hat nämlich eine geräucherte Polnische dabei, die den Besitzer wechselt. Leider hat die Bestechung böse Folgen, denn kurz darauf erfahren Gabler und Polt über Funk von einem sehr schweren Unfall ...

Polt mag keine Obduktionen vor dem Mittagessen, doch ein überraschender Leichenfund kann eingefahrene Lebensgewohnheiten schnell durcheinanderbringen. Erwin Bär, der Totengräber in Burgdorf, ist entsetzt und wütend zugleich. Er marschiert guten Mutes durch die Kellergasse und erinnert sich an die feucht-fröhliche Zecherei am Vorabend. Schön ist es, als Lebender unter die Erde zu kommen. Vor allem, wenn man an diesem Ort von ordentlich gefüllten Weinfässern umgeben ist sowie von ebenso männlichen wie trinkfesten Gleichgesinnten. So macht das Leben einfach Spaß. Das Grab zur anstehenden Beerdigung war bereits fertiggestellt, was seine gute Laune zusätzlich beflügelt. Ein letzter Kontrollgang soll dennoch sein, um die Freude über das getane Werk zu untermauern. Umso größer ist der Schock, als er in der ausgehobenen Grube eine Leiche entdeckt. Der Totengräber radelt zum Polizeiwachzimmer in Burgheim. Polt ist sofort zur Stelle ... und der Bürgermeister ebenfalls.

In Bergheim tut sich allerhand, was den doch eher beschaulichen Alltag im Wiesbachtal ordentlich durcheinander bringt. Das fängt schon mit allerlei Diebstählen an, die sich in der letzten Zeit häufen. Dabei geht es nicht nur um eine Stange Wurst ("eine teure"), die in Frau Habesams Laden gestohlen wurde, sondern gar um eine Kiste Bier, die man Kirchenwirt Greisinger entwendet hat. Ferner fehlen das alte Kofferradio vom Fürnkranz und ein Blumentopf vom Kriegerdenkmal!

Fatal wird es auch, wenn ein Japaner im Maischebehälter vom Höllenbauer gefunden wird. Den Saft kann man nämlich wegkippen bzw. als Dünger im Weingarten benutzen. 2000 Liter tun da schon weh.

Doch auch wahrlich Seltsames tut sich in der Region. Erich Hofstetter ist urplötzlich verschwunden und zu klären wäre jetzt, ob er vor seinen Schulden oder vor seiner Frau weggelaufen ist!

Überfälle sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, denn wie soll man sich erklären, dass bei einem Tankstellenüberfall die Täter, nachdem sie den Tankwart gefesselt haben, vergessen haben, das Geld mitzunehmen. Ganz schnell wollen sie über die nahe tschechische Grenze flüchten, doch sie verfahren sich in der Hektik. Sie fragen an einer Tankstelle nach dem Weg, und der geneigte Leser darf sich fragen, an welcher Tankstelle sie das tun und wer dort auf sie wartet ...

Zwölf Episoden, mal lustig verschroben, mal tragisch traurig, aus dem Alltag von Gendarminspektor Polt führen uns vom seinem ersten Arbeitstag bis in die Gegenwart. Inzwischen verheiratet und Kindsvater bleibt er aber seinem schrulligen Eigensinn und vor allem seinem geliebten Weinviertel treu. Alfred Komarek gelingt das Kunststück, gut 20 Lebensjahre des eigenwilligen Ex-Ermittlers in diesen Geschichten zusammenzufassen und gleichzeitig an den fünften Band seiner Polt-Reihe anzuknüpfen bzw. die weiteren Ereignisse zu skizzieren! Großes Gewicht bekommen auch wieder Komareks eindringlich formulierte Landschaftsbeschreibungen: "An trüben Wintertagen hängt der Himmel so tief über dem Wiesbachtal, dass die Flügelspitzen der Engel die Hörner der Teufel berühren." Erstaunlich, welch gewaltige Bilderfluten man mit wenigen Worten erschaffen kann!

Vier Romane um den Weinviertler Dorfgendarmen waren einst geplant. Der fünfte "Polt." sollte dann wirklich der letzte sein, was wohl die Interpunktion im Titel unterstreichen sollte. Mit "Zwölf mal Polt" hat der Autor sein Versprechen zum zweiten Mal nicht eingelöst. Ich verleihe meiner ausdrücklichen Hoffnung Ausdruck, dass er dies abermals tun wird. Das kann es noch nicht gewesen sein!

 

Thomas Lawall - Mai 2011

 

 

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