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Literatur

Pleiten, Geld & Geiseln


von Elke Schwab


312 Seiten
© by Hybrid Verlag
1. Auflage 2020
www.hybridverlag.de
ISBN 978-3-96741-036-5



Die Zeichen stehen auf Sturm. Das musste ja so kommen. Jennifer "Jenny" Klein sitzt auf der Straße. Ihre neurotische Vermieterin hat ihren Mietvertrag fristlos gekündigt. Schuld ist aber nicht Jennys dreibeiniger Hund "Käpt'n Ahab", sondern ihr aktuelles Haarproblem ...! Obdachlosigkeit droht ihr dennoch nicht, denn sie besitzt noch ihren Leichenwagen und ihre ganz spezielle Rettungsinsel: Oma Käthe.

Sonstige verwandtschaftliche Bande besitzt sie nicht, was sie als "gesegnetes Familienglück" empfindet. Also, auf nach Saarlouis zur geliebten Oma. Die erste zu nehmende Hürde ist allerdings Käpt'n Ahab. Der "Flohpinscher" ist nicht willkommen. Seltsam ist auch die ebenso schicke wie teure Einrichtung des Hauses. Hier hat sich einiges geändert. Dass Oma Käthe und Jenny beide der Liga der Katastrophenmagneten angehören allerdings nicht ...

Nach sechs Jahren folgt nun endlich die Fortsetzung von "Pleiten, Pech & Leichen", und bereits auf den ersten Seiten merkt man schnell, wie lohnend diese Wartezeit war. Es ist mit diesen Fortsetzungen immer so eine Sache. Diese hier ist aber, in mehrfacher Hinsicht, gelungen.

Die beiden Hauptfiguren haben nicht die geringste Patina angesetzt, sondern wirken frisch, frech, frei und, man erinnert sich gerne, immer noch ganz und gar nicht fromm. Die Charakterisierung erfolgt in der Hauptsache durch Elke Schwabs originelle Dialoggestaltung. Käthe und Jenny sind, trotz des immensen Altersunterschieds, nicht auf den Mund gefallen, weshalb ein Brüller dem anderen folgt. In einer "Kriminalkomödie" darf man so etwas auch erwarten, und es ist befreiend, während einer Lektüre auch einmal herzhaft lachen zu dürfen. Wann hat man sich je so amüsiert seit Janet Evanovichs Romanfigur "Stefanie Plum"?

Einmal mehr werden aber auch hier die Grenzen der "Ich-Form" deutlich. Wenn sich dann unglückliche Formulierungen wie "ich grinse schief", "ich falle in Gekicher" häufen, oder "ich muss laut loslachen" gleich mehrfach wiederholen, wird es ungemütlich. Das Personalpronomen "ich" in einer Zeile drei Mal und auf einer Seite über zwanzigmal zu verwenden geht dann (auch) auf das Konto des Lektorats.

Das war es mit Kritik dann aber schon gewesen, denn die Geschichte läuft trotzdem rund. Jenny und ihre Oma haben eindeutig das Zeug zur Serienreife! In diesem Sinne bleibt also zu hoffen, dass es erstens nicht mehr so lange dauern wird, bis der nächste Band erscheint, und es zweitens nicht bei nur einer weiteren Fortsetzung bleiben wird.

Zu viele Türen stehen noch offen. Oma Käthe hat den Zenit ihrer Fähigkeiten noch längst nicht erreicht und ihre Enkelin steht, was die Gestaltung ihrer privaten Verhältnisse betrifft, weiterhin ganz am Anfang. Weitere Katastrophenszenarien warten darauf, entdeckt und erforscht zu werden, auch wenn einem die Leidtragenden schon jetzt leid tun können!

 

Thomas Lawall - Juli 2020

 

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