Literatur

Immerkalt

von Roman Klementovic


358 Seiten
© 2026 - Gmeiner-Verlag GmbH
www.gmeiner-verlag.de
ISBN 978-3-8392-8151-2



Normalerweise ist es ein einsamer Platz. Eigentlich ein Kinderspielplatz, doch recht ungepflegt und verwahrlost. Die Spielgeräte sind beschädigt, unbrauchbar und teilweise in einem gefährlichen Zustand.

Kaum noch jemand aus dem Dorf lässt sich hier blicken, doch heute ist der Teufel los. Der ehemalige Kriminalpolizist Schulz glaubt, das halbe Dorf hier versammelt zu sehen. Zudem ein wildes Durcheinander an Einsatzwagen, Autos der Dorfbewohner/innen und Traktoren.

So hat sich Norbert Schulz die Rückkehr in Grundendorf nicht vorgestellt. Er ist noch nicht einmal richtig angekommen, obwohl er dieses "gottlose Dorf" eigentlich nie mehr betreten wollte, und schon bricht das Chaos los.

Er folgte dem dringenden Hilferuf eines Bekannten, den er einst zu Unrecht des Mordes beschuldigte, aber er ahnt nicht einmal ansatzweise, was ihn hier erwarten würde ...

Auch in "Immerkalt" fällt auf, wie in meiner Besprechung des in 2025 erschienenen Thrillers "Dunkelnah" bereits erwähnt, dass einzelne "Kapitel", die oft nur zwei bis drei Seiten umfassen, die Handlung, meist völlig unnötigerweise, unterbrechen.

So werden knapp 360 Seiten in 94 Kapitel regelrecht zerrissen und man darf sich vielleicht fragen, weshalb? Wird Leserinnen und Lesern tatsächlich eine derart kurze Aufmerksamkeitsspanne unterstellt, oder handelt es sich um simple typografische Tricks, um den formalen Umfang des Buches zu strecken?

Die "Leicht-zu-lesen-Fraktion" wird jedenfalls ihre Freude haben und warum auch nicht. Anspruchsvolle zwischenmenschliche Beweggründe oder existenzielle Lebensbetrachtungen stoßen in Buchform, wie auch im wahren Leben, nicht unbedingt auf breites Interesse.

Unterstrichen wird das auch durch Roman Klementovics untrüglichem Gespür für einfachste Dialoge, wobei es erlaubt sein mag, am Sinn derselben zu zweifeln. Herrliche Beispiele hierfür, die einer gewissen, womöglich unfreiwilligen, Komik nicht entbehren, sind:

"Nein."
"Sicher nicht?" 
"Sicher nicht!"
"Hm."
"Was?"
"Glaube ich nicht so ganz."
"Warum?"

oder

"Nein, leider. Aber…"
"Was?"
"Ach nichts, ich..."

Trotzdem oder gerade deswegen, muss der Rezensent schon zugeben, läuft "Immerkalt" schlicht und einfach "rund". Spannungsaufbau und -gestaltung besitzen irgendwie einen drehbuchartigen Charakter und Beschreibungen aller Art klingen wie Regieanweisungen. Sicherlich können nicht wenige Passagen des Buches fast 1:1 in eine Verfilmung umgesetzt werden. Samt dem sicher publikumswirksamen Epilog.

Entsprechende Bilder und Szenen entstehen vor der geistigen Leinwand sofort. Das könnte man als Nachteil sehen oder einfach als das, was "Immerkalt" ist: Alles in allem ein passabler Thriller der unterhaltsamen Art, der einfach macht, was von ihm erwartet wird. 

Und, so viel sei verraten, am Ende geht er sogar noch etwas über das Erwartete hinaus.

 

Thomas Lawall - November 2026

 

 

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