|
Dunkelnah
von Roman Klementovic
340 Seiten © 2025 - Gmeiner Verlag GmbH www.gmeiner-verlag.de ISBN 978-3-8392-0869-4
Das gut gestaltete Cover und der Klappentext versprechen hier einiges, was aber leider (zunächst) nicht gehalten werden kann. Wir begleiten Simon Winter an seinem neuen Arbeitsplatz, einem heruntergekommenen Hotel, welches nach einer Generalsanierung alsbald wieder geöffnet werden soll.
Gleich zu Beginn, nach dem spektakulären Prolog, fällt auf, dass sämtliche Aktionen ewig in die Länge gezogen werden, was zweifellos die Spannung erhöhen soll, es aber keinesfalls tut. Zudem gestaltet sich die Ich-Form holprig und seltsam blutleer heruntergeschrieben:
"Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich nicke."
Die Schwierigkeit, sich selbst zu beschreiben, driftet nicht selten ins Lächerliche:
"Ich wollte eigentlich wütend klingen, weil ich das ja schließlich auch bin."
Lustig auch, wenn er bemerkt, dass seine Augen "plötzlich ganz groß" werden oder seine extremen Stimmungsschwankungen:
"So schnell, wie die Wut gekommen ist, ist sie auch wieder verpufft." Dumm nur, wenn er dann nur eine Seite später schon wieder "unfassbar wütend" ist. Ja wie denn nun?
Simon erzählt die Geschichte selbst, und derart verdrehte Beschreibungen der eigenen Handlungen und Empfindungen finden sich zuhauf. Er tut dieses, dann jenes, dann will er etwas herausfinden, zweifelt aber pausenlos daran. Die ganze Story scheint hinten und vorne nicht zu passen, obwohl der Autor sehr bemüht ist, diese voranzutreiben.
Das gesamte Hotel ist marode und taugt eigentlich nur noch zum Abriss. Ausnahme ist ein Barbereich, der, wenn auch unbeleuchtet, an den Glanz vergangener Tage erinnert. Die ganze Szenerie erinnert irgendwie an den Horrorfilm "The Shining" von Stanley Kubrick, nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King. Jenes Hotel war allerdings tatsächlich unheimlich.
Eine solche Stimmung entsteht zu keiner Zeit, auch wenn Roman Klementovic diese ständig zu erzeugen versucht. Die entsprechenden Adjektive hier zu verwenden und gerne zu wiederholen, reicht einfach nicht. Dass in diesem Gemäuer etwas nicht stimmt, muss sich Leserinnen und Lesern nicht dadurch offenbaren, indem sie ständig darauf hingewiesen werden.
Ärgerlich ist, wenn die Hauptfigur ständig mit völlig sinnfreien Aufgaben betraut wird und sich, sowie die der Verzweiflung nahe Leserinnen und Leser, mit den daraus resultierenden Dialogen auseinandersetzen muss. Diese dehnen die Handlung ebenfalls, insbesondere jene mit dem stets schräg argumentierenden Besitzerehepaar.
Die Langeweile grüßt an jeder Ecke, und zusätzliche Fragezeichen stellen die zahlreichen Kapitelübergänge dar, da sie zum großen Teil gar nicht notwendig wären, da sie die Handlung 1:1 weiterführen. Außer einer weiteren Textdehnung gibt es hier keinen Grund.
Die Suche nach zwei vermissten Personen, insbesondere einer Frau, deren Foto Simon auf einem Tisch liegend fand, welches natürlich später verschwindet, stellt logische Rätsel, die eine sich sofort einstellende "besondere Beziehung" zur Verschwundenen zu begründen versucht.
Gar nicht erklären kann man sich aber seine relative Unverwundbarkeit. Jene stellt er nach einem Sturz aus "8-9 Metern" unter Beweis. Anschließend geht es noch durch eine Fensterscheibe und "vier Stockwerke" nach unten. John Wick lässt grüßen.
Der Wille zum Abbruch der Lektüre ließ sich nur dadurch verhindern, als der sichtlich frustrierte Rezensent dennoch in Erfahrung bringen wollte, wie und wann denn nun dieser ebenso konstruierte wie langweilige "Mystery-Thriller" endlich zu einem Ende finden könnte.
Das war auch ganz gut so, denn nach gut dreihundert Seiten wendet sich das Blatt. (So wie diese Rezension jetzt auch.) Wie der Autor das bewerkstelligt hat, kann hier natürlich nicht verraten werden. Es geschieht plötzlich, unerwartet und wiederum sehr ausführlich.
Und es klingt anders, insbesondere was den Showdown betrifft. So als ob das umfangreiche Vorspiel aus der Feder eines anderen stammen würde. Wie dem auch sei, erkennt man erst im letzten Viertel des Buches wieder jene Sprache, die man von Roman Klementovic gewohnt ist. Das ist so etwas wie eine Rettung auf den letzten Metern.
|