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Literatur

Hackes Tierleben


von Axel Hacke


88 Seiten
Neuausgabe 2018
© Verlag Antje Kunstmann, München 1995
www.kunstmann.de
ISBN 978-3-95614-298-7



Schon seltsam. Mit manchen Büchern kann ich auf Anhieb nicht viel anfangen. In diesem Fall ist es sogar besonders seltsam, da die Erwartungshaltung, verwöhnt durch "Die Tage, die ich mit Gott verbrachte", sehr groß war. Ein Fehler, wie sich herauszustellen scheint.

Michael Sowa, der sich wieder für die visuelle Abteilung verantwortlich zeigt, führte mich wohl in die Irre. Im positiven Sinne, versteht sich. Sein überaus schräges Titelbild lässt vor dem inneren Auge eine breite Auswahl an Interpretationsansätzen und -möglichkeiten regelrecht explodieren.

Man möchte einerseits die Geschichten dazu lesen und verschlingen und ertappt sich andererseits dabei, eigene zu erfinden. Schlägt man das Buch auf, ergeht es einem mit jenem "Mops", der sich in einer ebenso unabänderlichen wie endgültigen Zwangslage befindet, nicht anders. Der Künstler sieht das Sonderbare des Lebens, malt es, um es zu isolieren und festzuhalten und stellt gleichzeitig weitere Fragen.

Noch mehr Fragen stellt Axel Hackes Text. Was soll man damit anfangen? Da wird ein Sinn und Zweck zusammengeschraubt, gefaselt und gefachsimpelt. Soll man das ernst nehmen oder nicht? Brehm- und Grzimek-Zitate wohl schon, doch allenthalben wird es wieder höchst albern. Zwischen den Zeilen meint man die fehlgeschlagenen Bemühungen, etwas lustig-geistreiches zusammenzubasteln, erkennen zu können.

Der Funke springt einfach nicht über. Da können selbst Kakerlaken nichts ändern, die sich nach einer "erfüllten, liebevollen, angstfreien Sexualität" sehnen, Krokodile, die früher einmal ganz anders waren oder die Vermutung, dass es in der Nähe des Erdmittelpunktes eine "Regenwurmwelt" gibt. Auch der Bürgerwunsch (wie man aus "Gesprächen" weiß!?) nach dem Einsatz verkleinerter Elefanten bei "innerstädtischen Festzügen" entlockt nur ein gelangweiltes Gähnen.

Nun, geistreich mag es mitunter sein, lustig aber nicht. Eher ein defragmentierter Unsinn auf hohem Niveau, eine Art indirektuelles Gelaber, steril und gekünstelt. Texte wie "Das Huhn" oder "Die Kröte" wollen einfach nicht zu den großartigen Bildern passen. Diese nämlich sprechen ihre eigene Sprache und erzählen ganz andere Geschichten. Hackes Parabeln passen einfach nicht dazu. Der Bezug auf reale Fakten, Gesellschaft und Politik ist unverkennbar, wirkt aber stets bemüht und wäre in einem anderen Kontext sicher besser aufgehoben. Biologielehrer fänden das sicher unterhaltsam.
 
Schmerzlich ist aber auch, dass man seine Phantasie nicht selten auf weitere Hürden einstellen muss, was dann schon wieder unlogisch sein mag. Denn wenn man schon kritisiert, dass Texte nicht zu den Bildern passen, kann man doch nicht auf das Nichtvorhandensein derselben hinweisen. Doch genau dies passiert beispielsweise auf den Seiten 17, 18, 49 oder 67. Zu gerne würde man doch diesen Kakerlak, die "Abkömmlinge einst braver Posttauben", oder jenen deutschen Mann mit Geweih einmal anschauen dürfen, auch wenn die Darstellungen dann vermutlich wieder nicht zum Text passen würden.

Seltsam ist das alles. Wie das Leben selbst und überhaupt. Und manchmal sieht auf den zweiten Blick alles anders aus. Die Sache mit dem Pinguinsex zum Beispiel und der Vergleich mit den Flaschen ... DAS ist lustig!

 

Thomas Lawall - August 2019

 

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