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Literatur

Funkenmord

von Volker Klüpfel und Michael Kobr


490 Seiten
© 2020 by Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
www.ullstein.de
ISBN 978-3-550-08180-4



Einmal mehr freut sich Kommissar "Klufti" Kluftinger auf seine "Montags-Kässpatzen", umso mehr, als er sich in einer langsam zurückkehrenden Normalität wähnt. Wie er sich irren sollte, denn die aktuellen Ereignisse gestalten sich, sowohl auf beruflicher als auch privaten Seite, alles andere als unkompliziert.

"Kluftingers neuer Fall" ist so neu nicht ganz, denn nun heißt es, eine Zeitreise anzutreten, um das aktuelle Geschehen möglicherweise mit jenem in Bezug zu setzen, das sich vor dreißig Jahren abspielte. Ein waschechter Cold Case liegt dem Kemptener Kommissar also schwer im Magen, zumal er dem damals fälschlich Beschuldigten versprach, den wahren Mörder Karin Kruses, der sechsundzwanzigjährigen Lehrerin, dingfest zu machen.

Nicht nur mit seinem Vater, welcher sich jahrelang unbemerkt an gewissen "kriminalistischen Führungen" beteiligte, muss er ebenso heftige wie lautstarke Auseinandersetzungen austragen, sondern sich insgesamt auf massive Änderungen im häuslichen Bereich einstellen. Erika ist krank. Die Ereignisse um den Angriff auf ihren Mann und den Tod dessen Kollegen Strobel (Band 10 - "Kluftinger") setzen ihr psychisch zu, so dass sie für diverse Hausarbeiten fortan ausfällt. Weitere Katastrophen sind somit vorprogrammiert ...

Beruflich könnte die Situation ebenfalls nicht komplizierter sein, denn der fehlende Kollege riss ein Loch, das zunächst nicht gestopft werden kann, zumal es ein spezieller Kollege mit der Trauerarbeit reichlich übertreibt. In dieser schwierigen Situation fällt Kluftingers Anliegen, den alten Fall neu aufzurollen, auf wenig Gegenliebe. Auch eine Verschiebung der Zuständigkeiten und eine Änderung auf der Hühnerleiter, zugunsten des Kommissars, sorgt für Verwirrung. Bleibt nun überhaupt noch Zeit, sich auf die aktuellen Fälle zu konzentrieren? Zu allem Überfluss gesellt sich nun auch noch eine ebenso neue wie vorlaute Kollegin in die eingespielte Männerrunde.

Volker Klüpfel und Michael Kobr starten Band elf der Reihe sehr komplex, nicht zuletzt durch die Tatsache begründet, die Geschichte direkt an den Vorgänger angeschlossen zu haben. Hierbei gehen sie allerdings sehr geschickt vor, indem sie einerseits Neulinge der Serie rückblickend informieren, andererseits Kenner der Materie nicht langweilen. Dennoch dürfen sich beide Fraktionen erst einmal auf eine breit gefächerte Story einlassen, bevor die "Besonderheiten" der Figur des beliebten Kriminalbeamten wieder so richtig greifen!

Auf Seite sechzig beginnt dann jenes, was in den vorangegangenen Kapiteln nur andeutungsweise aufblitzte: Kluftis ungeheures Talent, in alltäglichen Belangen und Situationen ständig über die eigene Naivität zu stolpern. Dies findet zunächst Ausdruck im Bedienen einer Waschmaschine und der vorab zu sortierenden Schmutzwäsche. Das kriminaltechnische Superhirn erfindet hierzu selbstverständlich eine ausgesprochen individuelle Verfahrensweise! Doch das ist erst der Anfang ...

Die Lage ist ernst aber sehr lustig. Wo andere Trottel endlos nerven, bleibt Kluftinger stets liebenswert. Und das Schöne ist: Wir befinden uns jetzt im Hause des Kommissars, ganz unten in der Waschküche. Es klingelt und schon droht eine weitere, generationenübergreifende Problematik. Sohn und Enkel stehen vor der Tür. Was daran schön ist? Ganz einfach: Es sind noch über 400 Seiten zu lesen!

Und mehr wird nicht verraten. Nur so viel und als Fazit: Hochspannung und Gaudi sind gleichermaßen garantiert. Und ja, es ist (wieder mal) der beste Kluftinger!

 

Kommissar Kluftinger

 

Thomas Lawall - Dezember 2020

 

 

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