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Literatur

Kluftinger

von Volker Klüpfel und Michael Kobr


480 Seiten
© 2018 by Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
www.ullstein.de
ISBN 978-3-550-08179-8



Bingo! Die Nummer zehn der Kluftinger-Reihe ist vollbracht. Ein Jubiläum und ein kleines Wunder zugleich. Dem Rezensenten bleibt nichts anderes übrig, als sich zu wiederholen. Irgendwelche Abnutzungserscheinungen gibt es auch im aktuellen Band nicht. Keine Spur von jeder Art literarisch-bedeutungsloser Füllspachtelmasse. Die beiden Autoren und Witzbolde landen einen Treffer nach dem anderen. Die Person des Kluftinger, dem leitenden Hauptkommissar der KPI Kempten und Tolpatsch in Person, ist einfach nicht "tot" zu kriegen ...

... obwohl dies offenbar (mindestens) eine Person gerne sehen würde. Die Sache mit dem Holzkreuz und der entsprechenden Botschaft gibt Rätsel auf und schleicht sich als Dauerbelastung ins Bewusstsein des Hauptkommissars und bringt dessen heile Welt ordentlich durcheinander. Normalerweise ist er selbst derjenige, der sich in Sachen privates Chaos zuständig zeichnet - nun mischt ein anderer mit. Beispiel: Das Kreuz muss weg, doch wie sich diese Angelegenheit entwickelt, ist dann wieder eine Lachplatte und ein tiefer Griff in die Klamottenkisten der Autoren Klüpfel und Kobr.

In diesem Zusammenhang kommt auch die Allgemeinbildung nicht zu kurz. Welche Kleidungsstücke es beispielsweise ermöglichen, die "emotionale Bindung zum Arbeitsplatz" zu fördern, und die Antwort auf die weltbewegende Frage, weshalb im Allgäu gerne samstags Jauche auf die Felder ausgebracht wird.

Durchaus anspruchsvoller wird es in "Kluftinger" durch eine ganze Reihe ausführlicher Rückblenden, welche den Rahmen der Haupthandlung ständig, aber notwendigerweise unterbrechen. Dort befinden sich nicht nur Beweggründe, die einen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart bedeuten oder Szenen aus dem frühen Stadium seiner Karriere, sondern auch und besonders einige wiederum recht unterhaltsame Episoden aus Kluftingers Jugendzeit.

Schon damals als Siebzehnjähriger fiel er aus jedem Rahmen, sowohl was Freundeskreis als auch sein Elternhaus betraf. In der "Clique" war er eher der besonnen-zurückhaltende Typ, zu Hause der Rebell, insbesondere in Verbindung mit seinem schulterlangen Haar. Man stelle sich den guten alten Klufti mit langen Haaren vor! Zum Glück dachte Kluftingers Mutter mit und besorgte ihm in der Drogerie eine Handvoll Haargummis, damit er sich einen Pferdeschwanz binden konnte ...

Wie es am Anfang mit Erika gelaufen ist, wissen wir nun auch. Selbstverständlich war die Vorstellung bei Kluftingers Eltern eine Katastrophe. Höchst erbaulich sind auch Situationen, in welchen man Personen als Kinder trifft, die als Erwachsene in der fernen Gegenwart eine maßgebliche Rolle spielen. Beispielsweise einen gewissen Doktor Langhammer, der im Laufe eines Streitgesprächs mit Kluftinger Senior seinem Sohn "Martin" allerwichtigste Ratschläge fürs Leben erteilt.

Und noch etwas. Ein Geheimnis ist gelüftet, soll aber trotzdem an dieser Stelle denjenigen nicht verraten werden, die sich noch immer auf der Suche nach Kluftingers Vornamen befinden. Das Rätsel ist gelöst. Man lese und staune. So auch über eine bitterböse Überraschung, die einem als Leser eine eiskalte Gänsehaut über den Buckel kriechen lässt. Herrlich, wie die Autoren hier mit Worten spielen, um Leserinnen und Leser auf abgründige Fährten zu locken.

Der zehnte Band der Reihe ist ein Rundumschlag in Sachen guter Krimi-Unterhaltung. Deftige Hausmannskost und ein ebenso tiefer wie überzeugender Einblick in die Familiengeschichte Kluftingers. Das Ende der Geschichte gestaltet sich völlig anders als erwartet. Gleichwohl lassen bestimmte Umstände keinen Zweifel zu, dass es dereinst einen elften Band geben muss.
 
"Duziduzidu ..."

 

Kommissar Kluftinger

 

Thomas Lawall - Juli 2018

 

 

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