NetZähler

 

Literatur

EspressoProsa
Klein. Stark. (Manchmal) schwarz.


von Markus Walther


124 Seiten
© ACABUS Verlag, Hamburg 2012
www.acabus-verlag.de
www.din-a4-story.de
ISBN 978-3-86282-126-6



... und das ist mit diesem Büchlein nicht anders, um einmal nahtlos an meine Rezension des kongenialen Vorgängers "Kleine Scheißhausgeschichten" anzuknüpfen. Die Konsequenzen, die sich nach einer Bettlektüre in Sachen Nacht"ruhe" ergeben können, kann ich inzwischen mehrfach bestätigen. Mitunter träumt man noch absonderlichere Geschichten (und ein ums andere Mal frage ich mich, wann ich die endlich aufschreibe).

Doch man sollte das Schreiben denjenigen überlassen, die es wirklich können. Und genau das hat Markus Walther mit "EspressoProsa - Klein. Stark. (Manchmal) schwarz." wieder einmal eindrucksvoll bewiesen. Gleichwohl bedeutet dies nicht, dass alle Storys (bei mir) gleichermaßen zünden. Mitunter lungern hier und da einige Zeilen herum, die ihre Wirkung nicht so richtig entfalten können. In "Der Wächter" zum Beispiel. Na ja, Friedwart der Nachtwächter hat Angst um seinen Sohn. OK, und weiter? Die "Symbolik" der nächsten Geschichte entzieht sich ebenfalls meinem Verständnis. Ähnliche Rätsel gibt mir die "Chaostheorie" auf ...

Macht aber rein gar nichts, denn schließlich kann nicht ein Highlight dem anderen folgen, zumal es in diesem Buch wahrlich genug davon gibt!

Da wäre in "Spiegelzauber" ein Vampir mit einem ganz speziellen Problem, der Gnom Thrion, der in "Die Umschulung" mit einer unorthodoxen ebensolchen dem grauen Alltag entfliehen möchte oder "Der Forscher" Charly, der in 150 Meter hoch aufgetürmten Schneemassen eine nicht gerade alltägliche Entdeckung macht.

Wir erfahren auch, wie einen ein gravierender Lesefehler zu einem Helden machen kann, nachzulesen in "Milch". Dass kein Kompliment, nicht einmal die allseits bekannte Abfrage des Ehemannes bei der Kleideranprobe, eine Frau mehr überzeugen kann, als ein Rock, der plötzlich zwei Nummern zu groß ist, beweist "Frauenlogik".

Manchmal wird es auch rabenschwarz, wie es der Buchtitel drohend vorwegnimmt. Den entsprechenden Humor vorausgesetzt, kommt man beispielsweise in "Asche zu Asche" oder "Auf der Türschwelle" - zwei meiner Lieblingsgeschichten - voll auf seine Kosten! Was für herrlich abgründige Pointen! In der "Vorhölle" gibt sich gar der Chef persönlich die Ehre und stellt ein paar Dinge klar. Und "Neulich, am Styx" ist auch nicht mehr alles, wie es einmal war ...

Spektakulär unspektakulär - je nach Sichtweise der Dinge - geht es wieder in den ganz kurzen Geschichten zu. Dazu gehört eindeutig ein gewisses "Training", eine fein beobachtete Zeit(abschnitts)studie oder "Zacharias im Waschsalon", welcher alten Zeiten nachtrauert. Hach war das schön, als es für gewisse Arbeiten noch Personal gab ...      

Die richtig genialen Geschichten fehlen ebenfalls nicht. "Endspiel" ist so eine. Udo trifft Vorbereitungen für das anstehende Länderspiel. Die Chips und das Bier stehen bereit, die Bude ist geschmückt, der Mehrkanalkopfhörer eingestöpselt, und schon kann es losgehen ...! Einfach nur grandios ist "Der Sinn des Lebens". Wer möchte diesen nicht ergründen? Prima, wenn Gelegenheit besteht, den Allmächtigen einmal persönlich in dieser Angelegenheit zu befragen. Er hat gerade etwas Zeit und beißt mit Genuss in einen Apfel ...

Also, wenn einem so viel Gutes wird beschert, dann ist das auf jeden Fall wieder den neuen Markus Walther wert. Diese Vielfalt ist unglaublich und der Reichtum an Ideen ungebrochen. Der Autor liefert einmal mehr ein Kaleidoskop an Geschichten ab, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Dabei bedient er sich sämtlicher vorhandener Klischees zwischen Himmel und Hölle, Mann und Frau, Sinn und Unsinn, Glückseligkeit und blankem Entsetzen, und dem ganzen Sammelsurium an Alltagskatastrophen sowie den kleinen Dingen und Episoden, die das Leben lebenswert machen.

Zwischen den Zeilen erfahren wir auch sehr viel über den Autor selbst. Zweifellos ist er (wie ich) kein Fan von Techno und anderen musikalischen Irrwegen, outet sich mit einem einzigen Adjektiv als Fan der Zurück in die Zukunft-Reihe (bin auch einer), deutet an, wer zu Hause das Sagen hat (ich ebenfalls nicht), und beweist mit seinem aberwitzigen Humor, dass man gefälligst trotzdem lacht!

Wie auch immer, ich mag diese originellen Geschichtensammlungen, die sich irgendwie immer in Nachttischnähe schummeln. Vorwitzige Bücher eben, die keine Ruhe geben, bis sie (immer wieder) gelesen werden. Hier findet man etwas, dort findet man etwas und anderswo hat man etwas übersehen - und genau dies lässt sich dieses Buch gar nicht gefallen!

In diesem Fall bleibt nur ein Ausweg: Rasch einen Espresso brühen und schleunigst zurückblättern!

 

Thomas Lawall - Oktober 2012

 

 

Für Fragen, Kritik und Anregungen steht unser Forum zur Verfügung

Home News Literatur Gedichte Kunst Philosophie Schräg Musik Film Garten Küche Gästebuch Forum Links Impressum