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Literatur

Es regnet im Radio

von Herman van Veen


204 Seiten
© 2021 Knaur Verlag
www.knaur.de
ISBN 978-3-426-21485-5



Auf seine ganz spezielle Art erzählte Herman van Veen in seinem letzten Buch "Solange es leicht ist" Geschichten übers Älterwerden. In gewisser Weise ist es ja hoffnungslos, denn besiegen kann man es nicht, das Alter. Besingen aber sehr wohl.

Kaum ist ein Jahr vergangen, dürfen wir uns über ein weiteres Buch freuen, und, wie soll es auch anders sein, es dreht sich alles um Lieder. Groß an der Zahl und so verschieden, wie sie nur sein können. Gar so viele, dass es einer Playlist und einem Quellenverzeichnis bedarf.

Dass in der erlesenen Auswahl nicht nur Namen wie Edith Piaf, Jacques Brel oder Maria Callas eine maßgebliche Rolle spielen, sondern auch und besonders John Lennon, Louis Armstrong, Michael Jackson oder Chubby Checker, mag zunächst erstaunen.

Hätte es Brel nicht gegeben, wäre Herman van Veen, wie er selbst schreibt, nicht der Sänger, der er heute ist. Was ihm die Kolleginnen und Kollegen bedeuten und in welchen Zusammenhängen sie zu seinem Werdegang stehen, erklärt er im Zusammenhang mit seinem schier unendlichen Repertoire an Lebenserinnerungen.

Nicht selten gerät er dann vom Hundertsten ins Tausendste, ob es sich nun um aktuelle Tagesereignisse im allgemeinen oder "Kadaverfauna" im Besonderen handelt. Nebenbei erinnert er an die systematische Zerstörung natürlicher Kreisläufe, bringt es aber wie eh und je fertig, dies ohne erhobenen Zeigefinger zu tun. So weiß er beispielsweise die Rückkehr des Wolfes durchaus zu feiern, denn "ein Fahrrad ist gefährlicher".

Seine Liederreise beginnt er 1945, fast pünktlich zu Kriegsende. Es waren zuerst die Lieblingslieder seiner Mutter und dann diejenigen, die aus einem wundersamen Gerät tönten. Es war die Zeit, als man noch "Radio guckte". Und als Kinder dachten sie damals, dass "das Wesen des Radios" durch jenes geheimnisvolle "Auge" zurückschauen konnte.

Apropos Auge: Wie stets, gibt es ein lachendes und ein weinendes. Lustig wird es, wenn der Autor erklärt, was und wer alles schlauer ist als seine Couchgarnitur oder welche seine mit der Dynamo-Taschenlampe gelesene "Untergrundliteratur" einst war. Traurig wird es, wenn er, den letzten großen Krieg im Blick, eine zartklingende und doch fürchterliche Vision in "Wenn's nun anders ausgegangen wär'" anklingen lässt, und sich am Endes des Liedes selbst mit einbezieht:

"Und ich, ich sänge auch nicht mehr
wenn's anders ausgegangen wär' ..."

Ein versöhnliches Ende findet das Buch im letzten Kapitel "Die guten Dinge". Um ein paar schöne Worte in dieser Sache bat einmal eine niederländische überregionale Tageszeitung. Es sind nicht einmal drei ganze Buchseiten, doch alleine für diese Worte lohnt sich das Lesen dieses Buches!

 

Thomas Lawall - Juni 2021

 

 

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