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Literatur

Die Diamantschwert-Saga
Die Abenteuer von Bandath, dem Zwergling


von Carsten Zehm


312 Seiten
© ACABUS Verlag, Hamburg 2011
www.acabus-verlag.de
www.carstenzehm.blog.de
ISBN 978-3-941404-80-9



Rette sich, wer kann - der nächste Mehrteiler vom Acabus Verlag! Dies hatte ich gar nicht erwartet und erst bei der ersten Durchsicht des Buches registriert. Reingefallen, Thomas! Eine Trilogie soll es werden ... und mir verging erst einmal die Lust, das Buch überhaupt anzufangen. Da ich aber den ersten Roman des Autors "Die Chroniken der Reisenden - Staub-Kristall" noch in überaus angenehmer Erinnerung hatte, siegte in Bezug auf sein zweites Werk eine gewisse Erwartungshaltung und meine Neugier. Diese sollte dann auch die Verantwortung dafür tragen, dass sich gleich auf den ersten Seiten alle Vorbehalte in Luft auflösten und fortan nie mehr gesehen wurden! Der Vorhang ging auf und ich war umgehend und einmal mehr in dem von Carsten Zehm erschaffenen Szenario gefangen! An eine Umkehr war jetzt nicht mehr zu denken ...

Eigentlich müssten sie ja froh und glücklich sein, das Diamantschwert wieder in ihrem Besitz zu wissen.  Damit ist die Macht über den Boden, die Früchte und Kräuter der Flussniederung wieder auf ihrer Seite, doch so, wie es aussieht, ahnen die Elfen etwas. Aus diesem Grund haben sie die beiden "talentierten" Kopfgeldjäger "Claudio Bluthammer" und "Sergio die Knochenzange" angeheuert. Die beiden sollen herausfinden, wer seit langer Zeit das Schwert immer wieder entwendet, denn es ist nicht das erste Mal, dass Zwergling Bandath das Schwert wieder zurückbringen muss.

Seit Hunderten von Jahren tobt nun dieser Streit um das magische Schwert. Wie sich jedoch die Macht des Schwertes erklärt und begründet, konnte bis heute niemand herausfinden. Es bleibt vorerst ein Rätsel. Festzustehen scheint nur, dass es einst von den Dunkel-Zwergen an die Trolle und Elfen verschenkt wurde. Es sollte dabei helfen, das fruchtbare "Umstrittene Land" zu beherrschen, das seit eh und je Streitpunkt zwischen Elfen und Trollen gewesen war. Beide Seiten streiten noch heute um das Land, doch keiner konnte bisher dort siedeln, da wilde Tiere, Überschwemmungen und eine magische Hecke, die nicht überwunden werden kann, dies verhindert.

Immer wieder gab es Krieg und keiner weiß heute mehr, wer ihn damals begonnen hat. Bis zu hundert Jahre befand sich das Schwert nach verlustreichen Kämpfen jeweils im Besitz des Gegners. Und so ging das immer weiter, bis eines Tages Bandath, der Zwergling, kam. Sein erstes Angebot richtete er damals an die Elfen. Er könnte das Schwert den Trollen stehlen und alleine zurückbringen. So könnte man einen Krieg vermeiden. Die Elfen waren einverstanden, doch in schöner Regelmäßigkeit wurde das Schwert wieder von den Trollen gestohlen und umgekehrt ... oder sollte man den Dieb ganz woanders suchen?

Die Wahrheit ist, dass Bandath ein doppeltes Spiel treibt, das jetzt aufzufliegen droht. Leider sind das nicht die einzigen Komplikationen, die sich anbahnen, denn weitaus Schlimmeres kündigt sich an. Ein heftiges Erdbeben, bei dem das Haus von Bandath schwer beschädigt wird und sein Heimatdorf Drachenfurt fast dem Erdboden gleichmacht, ist leider erst der Anfang. Schließlich bricht noch ein Vulkan aus und die weiteren Ereignisse bedrohen das ganze Land.

Der Autor nimmt sich sehr viel Zeit für die Beschreibung seiner Hauptfiguren, ihre Beweggründe und Charaktereigenschaften. Land und Leute bzw. Nebendarsteller sind ebenfalls nicht unwichtig. Die Handlung wird nicht ständig vorangetrieben - man darf ruhig einmal stehenbleiben und sich im "Troll-Land" oder den "Riesengras-Ebenen" etwas umschauen! Dem Zwergling Bandath, Sohn eines Zwerges und einer Halblingsfrau - was damals ein Skandal war - spendierte Carsten Zehm eine Vergangenheitt und somit ein klares Profil. Das Mitglied der Magiergilde, einst der jüngste Magierlehrling aller Zeiten, gewinnt somit nicht unwesentlich an Glaubwürdigkeit. Und da er sein letztes Hemd für die Bedürftigen ohne Wenn und Aber zu geben bereit ist, vergibt man ihm auch gerne seine Gaunereien.

Großen Wert hat Carsten Zehm dieses Mal auch auf die Namensgebung seiner Figuren und Schauplätze gelegt. Ich glaube in der Art und Weise der Formulierungen eine gewissen Ironie dem Genre gegenüber erkennen zu können. Es ist allerdings eine sehr sanftmütige und humorvolle Ironie, die man auch als liebevolle Hommage deuten könnte. Da haben wir zum Beispiel Waltrude Birkenreisig, die Bandaths magische Begabung schon in seiner Kindheit entdeckte. Sie war die Haushälterin seines Vaters und eine Liebhaberin von Ordnung und Sauberkeit, was ihr Nachname unschwer erkennen lässt! Logisch ist dann geradezu, dass sich Theodil, der Zimmermann in Bandaths Heimatstadt Drachenfurt, mit Nachnamen "Holznagel" ruft.

Nicht ohne Grund heißt auch, wie schon erwähnt, das fruchtbare Land am "Ewigen Strom", um welches seit Jahrhunderten gestritten wird, "Umstrittenes Land". Die ebenfalls schon zitierten Kopfgeldjäger "Claudio Bluthammer" und "Sergio die Knochensäge" unterstreichen mit ihren Namen eindrucksvoll ihre beruflichen Aufgaben, verleiten aber andererseits den Leser zum Schmunzeln. Gerade hierin vermute ich einen Kunstgriff des Autors, der damit nicht den gleichen Fehler machen will, wie ihn beispielsweise deutsche Filmregisseure und -produzenten immer wieder gerne machen: Die Handlung verliert an Farbe, Fahrt und Glaubwürdigkeit, wenn der selbstironische Blickwinkel vernachlässigt wird oder gar völlig fehlt.

Bei Carsten Zehm ist das kein Thema. Er scheut sich nicht, sich auch einmal etwas locker oder fast etwas flapsig auszudrücken. Hierbei driftet er aber niemals in seichte oder gar platte Gefilde ab, sondern bewahrt seinen eigenen Stil sowie seine erzählerischen Standpunkte. Oft darf die Geschichte und die Dramatisierung der weiteren Ereignisse etwas in den Hintergrund treten, um den Figuren weiteren Raum zur Entfaltung zu geben. Es gibt sehr viele ernste Passagen in dem Buch, doch andererseits sind selbst laute Lacher möglich - spätestens wenn so überaus drollige Wesen wie beispielsweise ein "Ährchen-Knörgi" auftauchen und wenn sie sich dann auch noch "Niesputz" nennen. Wobei man die Knörgis auf keinen Fall verwechseln sollte, denn neben dem Ährchen-Knörgi gibt es auch noch winzige "Blüten-Knörgis" oder die sehr von sich eingenommenen "Bluteichel-Knörgis".

Selbst ein Running-Gag (wobei es eigentlich drei sind) darf nicht fehlen, denn Niesputz scheint nicht kapieren zu wollen, dass Bandath ein Magier und kein Zauberer ist und somit auf der entsprechenden Anrede besteht. Dies sorgt, selbst in sehr aktionsgeladenen Passagen, für eine ordentliche Portion Situationskomik!
Das Buch lebt von diesen Kontrasten und natürlich von der Geschichte rund um seine Hauptfigur Bandath dem Zwergling. Eigentlich ist er ja ein "Zwalbling" (halb Zwerg, halb Halbling), und sozusagen eine grundlegend neu definierte Mischung aus magischem Fantasywesen, Doppelagent und Robin Hood.
Doch Bandath ist nicht das einzige sehr seltene Mischwesen, denn im Laufe seines Abenteuers begegnet ihm Barella, die geheimnisvolle Verfolgerin. Sie ist eine "Zwelfe", eine Mischung aus Zwergin und Elf. Diese überaus haarsträubenden Familienverhältnisse sind nicht nur durchaus unüblich, sondern haben auch ungeahnte Folgen ...

Mit wahrhaft phantastischen Ideen verzaubert der Autor seine Leser, von welchen ich aber nicht unbedingt viel verraten will. Echte Höhepunkte sind z.B. die "Fernsicht-Magie" oder ein als sehr wirkungsvolles Verteidigungssystem herumfliegender "Messer-Bumerang". Eine sehr interessante Nachhilfestunde in Sachen Magie erhalten wir von Bandath, der sehr plausibel darlegt, warum man im Grunde nicht einfach etwas verschwinden lassen kann, und Baretta tauscht mit einem ziemlich prominenten Herrn gar Kochrezepte aus ...

Insgesamt beginnt die Bandath-Trilogie sehr vielversprechend ... und endet außerordentlich leserfreundlich! Das erste große Abenteuer von Bandath, dem Zwergling, ist abgeschlossen, doch gleichzeitig beginnt ein neues ...! Die Durststrecke bis zum zweiten Teil kann somit mühelos in Vorfreude umgewandelt werden! Zudem hat man Zeit, die Eindrücke des ersten Teils noch einmal zu reflektieren und nachklingen zu lassen.

Bandaths Heimat sowie das Land der Elfen und Trolle sind keine seelenlose Projektion phantastischer Fantasiewelten. Ganz im Gegenteil: Man scheint als Leser den Atem dieser Welt zu spüren!

 

Thomas Lawall - Juni 2011

 

 

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