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Literatur

Die Chroniken der Reisenden - Staub-Kristall

von Carsten Zehm


230 Seiten
1. Auflage
© ACABUS Verlag, Hamburg 2010
www.acabus-verlag.de
www.carsten-zehm.de
ISBN: 978-3-941404-04-5



Was normalerweise an den Schluss oder ins Fazit gehört, setze ich in dieser Rezension an den Anfang. Ich bin wirklich nicht derjenige, der dem Fantasy-Genre viel abgewinnen kann und konnte, dennoch muss ich zugeben, dass es hier Ausnahmen gibt. Der Fantasy-Roman "Die Chroniken der Reisenden - Staub-Kristall" gehört jetzt dazu. Und mit Nachdruck stelle ich einfach fest, eine überaus spannend erzählte Geschichte gelesen zu haben, die zu keiner Zeit abflachte oder unnötig gedehnt wurde. Seit sechs Jahren veröffentlicht der Berufsschullehrer Carsten Zehm Kurzgeschichten, wobei er den Schwerpunkt auf Fantasy legt, andere Bereiche wie Märchen, Krimis und Horrorgeschichten aber nicht aus den Augen verliert. Nach einem 2009 erschienenen Kinderbuch legt der in Oranienburg lebende Autor mit Staub-Kristall seinen Debutroman vor. Und er ist ein Volltreffer, um das Fazit ausnahmsweise einmal vorwegzunehmen!

Es ist nicht nur die ungewöhnliche Geschichte selbst, die den Leser sofort in "Gefangenschaft" nimmt, sondern auch die Art und Weise, wie sie von Carsten Zehm erzählt wird. Er hat eine unvergleichliche Art sich auszudrücken und erklärt dem Leser die jeweiligen Gemütsverfassungen seiner Protagonisten ungewohnt bildreich und nicht ohne Humor, was ich mit einem Originalzitat belegen möchte. Während dem Angriff eines "Tentakelhundes" wird Hauptdarstellerin Karen schwer verletzt. Es gibt weitere elf Schwerverletzte und vier tote Begleiter. Mihai, ihr Mann, sitzt neben ihr und wartet, bis sie schließlich aufwacht. Es geht ihr schlecht, obwohl ein großer Teil ihrer Wunden bereits durch die seltsame Mixtur des "Medizinmannes" über Nacht geheilt wurde. Trotzdem fühlt sie sich elend und beschreibt ihre rasenden Kopfschmerzen recht unkonventionell:

"Ich fühle mich, als hätte ich gestern mit meinem Schwiegervater zwei Liter Sliwovitz getrunken und wäre anschließend von einem Bus überrollt worden. Zu allem Unglück haben sich etwa zwei Dutzend Zwerge entschieden, hinter meiner Stirn eine Schmiede aufzumachen, und schlagen mit zentnerschweren Hämmern auf eiserne Ambosse." Alles klar? Dieses Gefühl kennen wir doch irgendwie alle ...

Erzieherin Karen und Lehrer Mihai geraten während eines Trekking-Urlaubs durch das Erzgebirge in ein völlig unerwartetes Abenteuer. Erstmals bin ich geneigt, von der phantastischen Story so gut wie gar nichts zu verraten. Obwohl mir dieses Buch sehr ans Herz gewachsen ist, werde ich mich in dieser Rezension am gebotenen Spannungsbogen und der bis zuletzt dramatischen Handlung deshalb irgendwie vorbeimogeln. Leider verrät der Klappentext schon viel zu viel, was einiges an Spannung - zumindest auf den ersten Seiten - nimmt.

Allein diese geheimnisvolle Felswand in der alten Silbermine macht neugierig. Die beiden verschwinden also darin und landen prompt in einer Parallelwelt der Erde. Sie werden irrtümlich von Echsenwesen, den Krex, gefangen genommen, da es bezüglich der an der "Schwelle" üblichen Formalitäten einige unvorhergesehene Komplikationen gab. Dies hat es noch nie zuvor gegeben, zudem ist die Funktion und die darüber hinaus existierende Dimension des Portals einfach ungeheuerlich! Dies dürfen und sollen die Leser aber selbst herausfinden dürfen ...

Die beiden Ahnungslosen erkunden einen rotbenadelten Urwald aus Kiefern, riesigen Bärlapp-Gewächsen, Laubbäumen mit gefiederten Blättern, baumhohen Grasbüscheln, rotem Schachtelhalm, Bäumen mit ledrigen essbaren Blättern, meterhohen Riedgräsern, filigranen Farnarten und Dornbüschen mit winzigen Blättern und orangefarbenem Gras. Insekten haben hier vier Beine und Säugetiere sucht man vergebens ... was wahrlich nicht die einzigen Überraschungen bleiben werden!

Karen und Mihai gelangten mit wenigen Schritten in eine vollkommen fremdartige Welt und können sich auf all dies keinen Reim machen. Weshalb und warum sind sie hier? Wer oder was hat sie hierher gelockt? Was ist das Problem der hier lebenden Wesen und wieso können sie es nicht selbst lösen? Zunächst gibt es keine Antworten. Doch eines wird im Laufe der sich anbahnenden Ereignisse immer klarer. Hier passiert etwas ganz Schlimmes und nicht nur die uns bekannte Welt ist in Gefahr ...

 

Thomas Lawall - Mai 2010

 

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