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Literatur

Abziehbilder in der Luft / Obtisky ve vzduchu

von Klára Hůrková


76 Seiten
© Edition Thaleia, St. Ingbert 2009
www.edition-thaleia.de
www.hurkovaklara.de
ISBN 978-3-924944-87-2



Etwas bedrückt ist man bereits vor der Lektüre von "Abziehbilder in der Luft", um einmal an meine Rezension von "Wende und Winkel / Zmĕny a zákoutí" anzuknüpfen. Das mag ein Nachteil sein ... was wiederum in den Vorteil mündet, vorbereitet zu sein! Schon deshalb lohnt sich ein Rückblick auf den 2009 erschienenen Vorgänger.

Themen sind Reisen in die Bretagne und ein Aufenthalt "an der Somme-Mündung", natürlich und immer wieder Impressionen aus Prag, der Geburtsstadt der Autorin, die Unvollkommenheit menschlicher Beziehungen und die ganze Welt zwischen den Zeilen.

Ein sehr zentrales Gedicht scheint mir "Erloschen zu sein", denn nirgendwo anders wird der Gedanke oder der Versuch, ein perfektes Individuum zu sein, gründlicher hinterfragt und endgültiger ad absurdum geführt:

"Wir alle sind
unechte Geschenke
an andere Menschen"

Wenn Worte zauben können, dann lehrt uns Klára Hůrková, wie es funktioniert. Selbst wenn sie schweigt, sagt sie etwas, denn es gibt ja zum Glück jene "geheimen Räume".

Über allem schwebt wieder dieser Hauch von Aussichtslosigkeit und einer scheinbaren Ohnmacht, die ihre Lebenskraft und Zuversicht allerdings aus genauester Beobachtung nährt:

"Der Tag ist
in der Luft
ein frisches Abziehbild"

... und schon deshalb täuscht der Buchtitel lediglich zu Beginn Rätsel vor, welche sich am Ende der Lektüre weitgehend aufgelöst haben. Die Worte der Autorin sind gleichsam wie auf Luftpostpapier skizzierte Impressionen aus den grauen Hallen des alltäglichen Einerleis. Sie hinterlassen Ahnungen von einer flüchtigen Gegenwart, für immer davonziehenden Stimmungen und der Vergänglichkeit des Augenblicks.

Die Unterstützung der Wortgebirge durch Illustrationen - die mehr ein Unterstreichen ist - gipfelt in diesem Titel in einer Ausnahme. Ein menschliches Antlitz hat man in "Wende und Winkel" vergeblich gesucht. Zu Beginn des zweiten Kapitels "Prager Spiegelungen" wird man dahingehend überrascht und ich darf unterstellen, dass es sich hierbei um ein Selbstportrait handelt. Es gestaltet sich nicht weniger eindringlich als die Worte der Künstlerin, wenn sie vom "Turm der Zeit" erzählt und ihrer "doppelten Bestimmung" ... "jenseits der Gedankenbalustrade".

Man liest diese Zeilen und es ist, als ob man träumt. Das Leben zieht vorbei und für einen Moment ist man dem Zeitstrom entflohen und schaut einfach nur zu. Ein schöner Platz ist das. Man möchte ihn nie mehr verlassen. Egal was da kommen möge. Traurig ist man und doch seltsam beglückt!

Und wenn gar nichts mehr ginge, bliebe wenigstens und immerhin die Hoffnung ... "die Welt mit Worten wiederherzustellen"!

 

Thomas Lawall - März 2013

 

 

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