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Schräg

Gymnastikball im Auto
Nie mehr Rückenschmerzen beim Autofahren


So, das wär's. Test bestanden. Die Rückenproblematik beim Autofahren, insbesondere bei längeren Trips, gehört nunmehr der Vergangenheit an. Nach sage und schreibe knapp 1500km Testfahrt bin ich von meinem Tagesritt zur "Isola del Sol" (Grado/Italien) wohlbehalten zurück...

Die Vorgeschichte kennt jeder, der es einmal mit einem intervertebral disc lesion zu tun gehabt hat. Was ist in diesem Falle zu tun? Nach der Krankengymnastik oder Operation kommt der Alltag wieder, und auf's Autofahren möchte man (vor dem drohend am Horizont stehenden Gang ins Altersheim) vorerst nicht verzichten. Teure Spezialsitze versprechen Abhilfe. Verschiedene Auflagen, teils mit knüppelharten Holzkügelchen, versprechen ebenfalls wahre Wunder. Leider halten diese Dinge meist nicht, was sie kosten - schon gar nicht, was sie versprechen...

Am Schreibtisch hilft der Gymnastikball, und auch im Schlafzimmer leistet er uns hervorragende Dienste (hüstel)! Auch am Esstisch wird zu den Mahlzeiten kräftig auf dem Bällchen gehüpft, was meiner lädierten spinal column wirklich mehr als gut tut. Nun lag der Gedanke nah, den gleichen Effekt einmal im Auto zu probieren.

Gesagt getan. Irgendwo hatte ich im Schuppen noch einen Gymnastikball verstaut, den ich bereits nach dreitägiger Suche schnell gefunden hatte. Mit wenigen Handgriffen war der Fahrersitz meiner japanischen Gehhilfe ausgebaut. Leider war der Ball viel zu groß, sodass ich einen großen Teil der Luft erst einmal wieder ablassen musste, um diesen überhaupt durch den Einstieg zu bekommen. An Ort und Stelle pumpte ich den Ball wieder auf, und los ging die erste Probefahrt.

Schon nach wenigen Kilometern fiel mir auf, dass mir nichts mehr auffiel...! Die Kreuzschmerzen waren weg!! So viel Spaß hatte Autofahren schon lange nicht mehr gemacht. Doch nun wollte ich es genau wissen und sattelte die Pferde zu einem La spontanara! Ein paar Butterbrote geschmiert, ging es los in Richtung Italien. Zack, zack nach München, weiter nach Kufstein, dann über den Großglockner und runter nach Villach, und über Udine schließlich nach Grado. 750 Kilometer in schlappen 9 Stunden. Gar nicht mal so schlecht. Ich erinnere mich nämlich noch an meinen Trip mit der blauen (Kasten-)Ente anno 1881. Da war ich doppelt so lange unterwegs. Hammer war der Aufstieg auf der Großglockner-Hochalpenstraße. Irgendwie bestaunten alle meine nigelnagelneue Ente... und der Stau hinter mir wurde immer größer. Sogar im Radio kam eine Durchsage, weil ich ein paar Tussis auf dem Parkplatz oben... öhm... wo war ich eigentlich...?

Ach ja... also das Auto am Hafen geparkt, schnell durch die Fußgängerzone gehechtelt, links an der Altstadt vorbei in Richtung Strand, rechts am großen Brunnen vorbei und schließlich ein Eis am Libido gekauft. Dann schnell noch eine 1,5l Kanne Loni und einen 1986er Agatha Christie als Mitbringsel für mein Spatzelchen besorgt und zwei Minuten die phantastische Aussicht am Strand genossen, alsdann ruckizucki wieder zurück zur Karre - die inzwischen von einer nicht unbedeutenden Menge von ebenso schwarzhaarigen wie schnuckeligen Carabiniere belagert wurde. Doch die Italiener nehmen's echt locker, und nach einem Smalltalk (mit Händen und Füßen) konnte ich unbehelligt die (Halb-)Insel wieder verlassen.
Die Österreicher verstehen da schon viel weniger Spaß. Ein Gendarm in der Nähe von Bad Ischl wollte mir einen Strafzettel verpassen. Dieser hatte eindeutig was am Dachstein, aber letztendlich sah er nach endlosem Palaver ein, dass es keinen Paragraphen gibt, der das Fahren auf einem Gymnastikball verbietet.

Ohne weitere Zwischenfälle kam ich dann nach 18 1/2 Stunden wieder zu Hause an und war froh, meine Vorgabe, die Reise in weniger als 24 Stunden zu schaffen, tatsächlich unterboten zu haben. Erschöpft fiel ich ins Bett, aber ohne jede Spur von Kreuzschmerzen!

Diese kehrten dann erst wieder am nächsten Tag zurück. 19 Stunden auf dem Ball sind anscheinend OK, aber schlappe 8 Stunden auf der Federgekernten ganz sicher irgendwann einmal mein Tod...  


Thomas Lawall - 1. April 2006

 

 

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