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CD-Review

THE LEGACY "Withering Blossom" (2000)

Gothic...Metal


"Withering Blossom" erreichte mich als ein Weihnachtsgeschenk von einem aufmerksamen Hanauer Zeitgenossen (Danke Jürgen!). Zunächst lag die CD wochenlang auf meinem Schreibtisch rum, denn zu diesem Zeitpunkt hörte ich im Dauerbetrieb ausschließlich die göttliche "Sombre Romantic" von VIRGIN BLACK und die Götterdämmerung von Richard Wagner (dem Erfinder der Heavy-Matal-Oper) - letztere als mentale Vorbereitung auf die Aufführung des "Ring der Nibelungen" im Januar. Für was anderes war der Kopf einfach nicht frei. Ich hatte das Gefühl, wenn ich mir jetzt noch was reinziehe, platzt mir die Birne. Vor allem, wenn die Scheibe auch noch gut wäre...

OK, die Walhalla brach zusammen, die Rheintöchter hatten ihr Rheingold wieder und überhaupt war das Event in Mannheim absolut sensationell. Somit hatte ich wieder jede Menge Platz auf der Festplatte.
Diesen Freiraum haben dann "The Legacy" aber sofort wieder ausgefüllt. Komplett! Es gibt ja Werke, die man einmal anhört und damit ist die Sache dann erledigt. Anders bei "Withering Blossom"...

Bereits das Intro hat es in sich! Ich liebe solche dramatischen Trauerzüge in Moll. (Schrecklich, wenn einem auf anderen Scheiben gleich zu Beginn der Dampfhammer in die Fresse geschleudert wird. Man sollte es schon etwas spannender machen.) Und wenn's mit Keyboard losgeht, ist das bei mir sowieso schon die halbe Miete. Dazu ein trauriger Akustik-Gitarren-Part und ich bin erledigt. Das alles lässt nichts Gutes ahnen...

Richtig geraten. "Withering Blossom I - Farewell My Beloved" fügt sich nahtlos an die Overtüre an und erzählt das Ende einer Beziehung und ein sehr dramatisches letztes Lebewohl an die Geliebte. Das Ganze kommt äußerst progressiv daher und zeigt gleich im ersten Stück die ganze Bandbreite von "The Legacy". Aggressive Gesangs-Parts wechseln sich mit sanften Female-Vocals ab. Und wann ich das letzte Mal eine Querflöte in dieser Qualität hören durfte, weiß ich nicht mehr. (Herr Anderson hätte seine wahre Freude dran.)

Und spätestens bei "...But The Circle Closes" dürfte dem letzten irritierten Hörer klar werden, dass die Flöte kein exotisches Beiwerk ist, sondern bei The Legacy eine wahrhaft tragende Rolle spielt.
Die Stücke sind alle derart abwechslungsreich, dass man schon eine Weile braucht, sich einzuhören. Das ist kein metallischer Einheitsbrei. Damit gibt man sich bei The Legacy nicht ab. Deshalb fällt es mir auch besonders schwer, einen Song besonders hervorzuheben.
Denn über jeden einzelnen könnte man viel schreiben. Alleine die Breaks in "Moonlightdance" haben es mir angetan. Tausend Jahre lang könnte ich mir den Wechsel in den Akustik-Teil und den göttlich, kultigen Hammond-Orgel-Sound anhören!!

Diese CD ist wie Tag und Nacht. Licht und Schatten. Sommer und Winter. Das wird noch einmal besonders bei "Withering Blossom 2 - Time Of Mourning" klar. Die musikalischen Ideen, die allein in dieses Stück eingearbeitet sind, würden anderen Gruppen für ein ganzes Album reichen. Zu allem Schmerz gesellt sich dann auch noch eine Violine... Das könnte man mühelos alles aufteilen und mindestens 10 Songs daraus basteln. Doch The Legacy haben genug Ideen und müssen deshalb nicht jede Linie endlos ausdehnen. So entsteht für jeden Song ein hochprozentiges Konzentrat. Großartig!

Am Schluss kommt noch eine Live-Version von Mistress Of The Dark. Das ist für mich persönlich sehr interessant, da ich sehr gerne zwischen Live- und CD-Versionen vergleiche.
Denn mitunter habe ich Probleme, wenn gefühlvoll leise Passagen in der Live-Version plötzlich als Düsenjäger daher kommen und in eine Stimmungs- und Mitklatsch-Orgie verwandelt werden. Anders bei Mistress Of The Dark. Hier wird auch bei der LIVE-Version an der richtigen Stelle das Gaspedal losgelassen und man kann "fliegen", wie auf der CD-Version!

Und jetzt noch was für die Schubladen-Denker, die einen Sound immer in jeweils schon vorhandene Kategorien einpressen wollen. Na ja, mitunter kann das ja recht nützlich sein, denn der potentielle Käufer möchte halt nun mal eine Orientierung haben. Bei The Legacy ist das aber schwierig. Man müsste einige neuen Schubladen erfinden. Etwa so: Gothic-XXL-Progressiv-Art-Metal.

Und dann noch etwas zu gewissen Ähnlichkeiten zu anderen Gruppen. Marcos größtes musikalisches Vorbild sind Anathema. Klar - das hört man hier und da - aber nur in Spurenelementen. Beispiel: Withering Blossom 2. Bruchteile erinnern manchmal an "Eternity".
Aber das spielt keine Rolle, denn ob die Ähnlichkeiten nun zufällig oder beabsichtigt sind - die Gruppe hat eine unglaublich eigenständige Dominanz, die jeden ernstgemeinten Vergleich mit anderen lächerlich erscheinen lässt...

Fazit: Kleinod aus längst vergangenen Tagen, das nicht untergehen darf!


Thomas Lawall - Mai 2001 (Überarbeitet im November 2004)
 

Nachtrag: Die Gruppe nennt sich seit 10.10.2003 OPALESSENCE.
 

 

Tracklist:

01: Intro
02: Withering Blossom I - Farewell My Beloved
03: Morning Dew
04: ... But The Circle Closes
05: Mists Of Grief
06: Mistress Of The Dark
07: Forelorn Hope
08: Moonlightdance
09: Withering Blossom 2 - Time Of Mourning
10: Mistress Of The Dark (Live)

Line-Up:

Marco Klein: guitars/vocals
Thomas Mandla: bass
Christoph Sandrock: guitars
Nina Roode. flute/vocals
Christian Lippman: drums

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