CD-Review

NEAL MORSE "One" (2004)

Erleuchteter Prog-Rock


Alt-Proggies aufgepasst! Stöpselt schleunigst den Platten- spieler aus und tut euch mal die neue von NEAL MORSE rein, falls ihr schon einen CD-Spieler habt. Wieso? Na weil ich mir kaum vorstellen kann, dass ihr schon Mal YES, (die alten) GENESIS und die ebenso legendären RETURN TO FOREVER gemeinsam musizierend erlebt habt, gell?
...Natürlich gibt's so etwas (leider) nicht, dennoch projizierte sich, aus den ersten Eindrücken beim Jungferndurchlauf von "One", spontan folgende surreale Formation an meine Stirnrückwand - und zwar in allen Einzelheiten:

Links an den Frickelhölzern stehen Steve Howe, Steve Hackett und Al DiMeola, in der Mitte befinden sich drei gewaltige Schießbuden, die mit Alan White, Phil Collins und Lenny White besetzt sind, rechts werden von Chris Squire, Michael Rutherford und Stanley Clarke die Bassteppiche geknüpft und ganz rechts außen sind drei Tastentürme plaziert, die von niemend geringeren als Rick Wakeman, Tony Banks und Chick Corea bedient werden!

Sangesmeister Jon Anderson und Peter Gabriel dürfen zu Hause bleiben (sorry!), denn mit "neuem Sänger" starten die Unglaublichen ein konzertales Event der permanenten Superlative. Alte Songs hört man keine, weil sich die Meisterspieler entschlossen haben, ihre antiquarischen Schätze wegzuschließen. Allerdings interpretieren ihre musikalischen Philosophien gleich zu Beginn mit "The Creation" einen einzigartigen Bilder- und Spannungsbogen. Doch damit nicht genug, denn der 18minütige Opener dient "lediglich" als Sprungbrett in völlig neue Gefilde... und nur in kurzen Erinnerungsfetzen flackern die alten Tage nochmals auf...

Waff, diese Seifenblase platzte schnell! Wer kann solche Bilder erzeugen...? Das vermag nur Neal Morse (Ex-Transatlantic und Spock's Beard) und seine kongenialen Mitstreiter Randy George und Mike Portnoy (Dream Theater).
Was dieses Triumvirat, unter Neals Federführung, und zahlreiche Gastmusikanten - von Streichelsaitern bis Blechblaseinheiten - auf die Beine stellen, spottet jeder Beschreibung und deshalb will ich es in diesem Falle auch gar nicht erst versuchen. Es wird immer schwieriger, derart komplexe Werke zu beschreiben. Man sollte eigens dafür eine neue Sprache erfinden! 24 Buchstaben sind einfach zu wenig!!!

Mangels Worte kann ich es also kurz machen... Halt, noch eins: Das christliche Textgebirge interessiert mich wenig...hmmmm... bei Bach geht's mir aber ähnlich. Für den einen ist es Beiwerk, für den anderen die Erfüllung... ach was soll's...

80 Minuten Musikstudium!!! Wie Schade, dass der Tag nur 24 Stunden hat... 

Fazit: Sehr aufregende Reise durch das Universum eines genialen Musikers - unter der Regie von ganz oben...! Danach hört man die Welt mit anderen Ohren...


Thomas Lawall - November 2004
 

 

Tracklist:

1. The Creation
   I. One Mind
   II. In a Perfect Light
   III. Where Are You?
   IV. Reaching from the Heart

2. The Man's Gone
 
3. Author of Confusion
 
4. The Sepearted Man
   I. I'm in a Cage
   II. I am The Man
   III. The Man's Gone (Reprise)
   IV. Something Within Me Remembers



5. Cradle to the Grave

6. Help Me / The Spirit and the Flesh

7. Father of Forgiveness

8. Reunion
   I. No Separation
   II. Grand Finale
   III. Make Us One

 

 


Line-up:

Neal Morse:
Keyboards, Guitars, Vocals

Mike Portnoy: Drums

Randy George: Bass

 

 

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