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Musik - Live

DOOMFEST
JUZ Mannheim, 01.12.2012
mit BLACK SHAPE OF NEXUS, CROWSKIN, DUST u. DARK THARR



Wurde echt Zeit, mal wieder die Pferde zu satteln, und bei dieser Gelegenheit erstmals einen unserer drei halbwüchsigen Gladiatoren zu einer abendfüllenden musikalischen Weiterbildung zu verpflichten. Mit einem gepflegten Bierchen konnte ich ihn mühelos ins JUZ Mannheim locken, wo ihm gleich beim Opener DARK THARR die Kinnlade bis zum Boden aufklappte (und offen blieb). Mir ebenso, denn was Koschka am Holz schon beim Soundcheck an kauzigem Getön locker vom Stapel gelassen hatte, war grottigster Toback. Zurückblickend fühle ich mich eh zu der Feststellung genötigt, dass die schmucke Damenkapelle incl. bärtigem Bassfundamentalisten Stefan dem Motto des Abends vielleicht in seiner reinsten Form huldigte. Anas assige Intonation im zarten Zusammenspiel mit dem kongenialen Orchester genügen
DARK THARR
sich selbst und dem Thema. Das war furztrockener Ur-Doom auf staubigem Gelände, ohne jede Ecken und Kanten oder elektronisches Brimborium. Slomo-Sabine hätte am Schlagwerk eine Schippe mehr Nachdruck implantieren können ... wenn es denn notwendigerweise der Gesamtsituation dienlich gewesen wäre. Dem war nicht so, weshalb Miss Coolness ihr Glück in vornehmer Zurückhaltung fand. Sauber!


Loffi von CROWSKIN zeigte alsdann ohne falsche Bescheidenheit, wie die Stöckchen etwas heftiger im Betrieb wirken bzw. wie schnell so ein Stick kaputtgehen kann. Das gab für den Winter wieder
CROWSKIN
jede Menge Anmachholz. Alter Falter - ich kannte die fidele Truppe bisher nur von der Split mit B.SON, sodass ich nicht unbedingt darauf vorbereitet war, was die Hardcore-Doomer hier aufs Brett planierten. Die ehrenwerte Frau von Bolz'n steht mit ihrem Mördersopran, welcher jeden Schneidbrenner alt aussehen lässt, sowieso jenseits von Gut und Böse, und während der Tieftonlord ein tödliches Fundament nach dem anderen verlegte, gaben die beiden hyperaktiven Guitarreros dem tobenden Mob den Rest. Einwandfreie Sache. Klare Aussage!


DUST waren mir dann völlig neu, kamen aber auf gewisse Weise wie alte Bekannte. Das fing schon mit dem Bierbäuchlein des Frontberserkers an, welcher mir beizubringen wusste, wie man ein solches
DUST
Attribut mit Stolz trägt! Obwohl es schon spät am Abend war, hatten die Herrschaften zehn satte Handgranaten im Gepäck. Mit "Back to light", "Smell the Burning" und "Dying to be" brachten sie drei wohlintonierte Zerstörer aus dem brandneuen fünften Longplayer "Distortion Empire" zum Vortrag, wobei sich die zuletzt genannte als echte Hymne herauszukristallisieren scheint. Die Stoner-Doomer machten dem aktuellen Albumtitel alle Ehre und bewiesen mit dem Hang zum psychedelisch-theatralischen Element eine überrraschende, jedoch angesichts des überdosierten Geräuschpegels beinahe überhörte Experimentierfreude. Diese Band ist ein Gerät!


Nachdem sich dergestaltige Events naturgemäß ziehen, bemühten sich erst gegen halb eins die Harmoniezerstörer von BLACK SHAPE OF NEXUS auf die Bühne. Entgegen schon des öfteren beobachteten Gepflogenheiten, krabbelten Malte und Ralf schon zu Beginn des Abriss-Gigs auf dem Fußboden herum, um diversen Knöpfchen und Hebelchen hektisch die erhofften Effekte zu entlocken. Die Mannheimer
BLACK SHAPE 
OF NEXUS
Tiefstapler pokerten diesmal gleich zu Beginn recht hoch - fast zu hoch, denn bereits nach halber Wegstrecke wussten sich meine Ohren in Notwehr irgendwie zurückzuziehen. Soundmäßig bewegten sich die Freidroner im Klangsprektrum eines abstürzenden Kampfjets, der mit dem agressiven Klangrausch einer wilden Horde rückwärts einparkender Hausfrauen fusionierte.


Das gemeine Volk quittierte die krachlawinierten Leistungen mit tosenden Beifallsbekundungen, die zusätzlich für den einen oder anderen von hinten hereinbrechenden, kapitalen Surroundtsunami sorgten. Noch eine Überraschung: Auch nach Ende des entzückenden Liederabends gegen 1.45 Uhr ging die Party weiter. Die schon während des Konzis wild herumtobenden Aufmischer von CROWSKIN sorgten für einen entsprechenden Bonus-Aufruhr, komplettiert durch einen finalen Mikrofonraub und exzessivem Gebrauch desselben. Keine Zensur am Mischpult? Wo war der Knabe? Eingeschlafen, im Koma oder bereits auf der Intensivstation? Was für ein Abend!

Ein Fazit sei mir noch erlaubt, auch wenn man mich kreuzigen möge. DARK THARR waren (für mich) das "Highlight unter den Highlights" des Abends, was womöglich auch daran gelegen haben mag, dass bis dahin die Lauscher auch noch ordnungsgemäß funktionierten. Weniger scheint mir (also auch in diesem Sinne) mehr zu sein. Back to the Roots - das Demo läuft ohne Pause. Man darf auf den ersten Longplayer mehr als gespannt sein.


Thomas Lawall - Dezember 2012
©Querblatt.com
Fotos: ©Thomas Lawall


blackshapeofnexus.com
myspace.com/crowskin
myspace.com/dustdoom
darktharr.bandcamp.com
juz-mannheim.de


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