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3. JAMAICAN-REGGAE-FESTIVAL 15.-17. Juni in Kandel
Bericht vom Samstag, den 17.06.2006


Aller guten Dinge sind drei. Richtig? Richtig! Das sympatische Festival in der Nähe von Karlsruhe hat nichts von seinem Charme verloren und weil es so schön ist, expandiert es auch noch...

Die Veranstalter wagten es und sie haben gewonnen... na ja, fast jedenfalls. Das Festival ist nicht nur das dritte seiner Art, sondern wurde auch noch auf satte drei Tage aufgestockt! Somit wurde ein solides Fundament für die Zukunft gelegt. So scheint es jedenfalls, denn am dritten Tag gab es Problemchen, die sich erst so nach und nach aufzuklären scheinen.

Am Samstag waren jedenfalls LILIAN GOLD & SHARP AXE BAND, JAHCOUSTIX & DUBIOS NEIGHTBOURHOOD, GROUNDATION und SIXTH REVELATION auf dem Programm. Um 16 Uhr sollte es losgehen... es tat sich aber nix. Und zwar ziemlich lange. Als gegen 18 Uhr immer noch die Musik vom Band lief, fragte ich erstmals an der Kasse nach. Dort erklärte man mir, dass zwei Bands abgesagt hätten und zwar JAHCOUSTIX und SIXTH REVELATION. Dies wäre jedem Besucher beim Einlass gesagt worden (mir aber nicht). Außerdem verwies man auf ein winziges Zettelchen (natürlich nicht auf Augenhöhe!), wo dann tatsächlich geschrieben stand, dass offenbar nur zwei Bands spielen: LILIAN GOLD und GROUNDATION. Beginn 19 Uhr...

Bei einer zweiten Nachfrage wollte ich dann ins Detail gehen. Bereitwillig gab man mir auch jetzt wieder Auskunft. Damit ich in dem ganzen Durcheinander nichts in den falschen Hals bekomme und Unrichtiges zu Papier bringen würde, ließ ich mir mehrmals versichern, dass die genannten Bands am Vormittag plötzlich abgesagt hätten. Den Veranstalter träfe somit keine Schuld. Und in dieser kurzen Zeit hätte man unmöglich Ersatz finden können. Ok, dachte ich, wenn das so ist - kein Problem. Besänftigt trabte ich zu Weib und Bier zurück und genoss einen völlig relaxten Abend und zwei tolle Bands. Na ja, eigentlich waren es sozusagen 2 1/2... und eine davon hat mindestens einen Superlativ verdient...

Im Nachhinein wird mir die gute Laune allerdings etwas getrübt, denn am 20.06.06 gab der Veranstalter eine Stellungnahme in seinem Forum ab. Auf die Fragen einiger Fans, warum die beiden genannten Gruppen denn nicht auftraten, gab es eine überraschende "Klarstellung". Diese haben nämlich gar nicht abgesagt, sondern sie wurden vom Veranstalter wegen "organisatorischen Gründen" kurzfristig ausgeladen! Und bei dieser Gelegenheit entschuldigte man sich dann auch. Völlig OK, aber leider etwas spät... und dann so nebenbei im Forum...

War man an der Kasse also falsch informiert, oder hat man mich/uns belogen? Sollte die zahlende Kundschaft nicht verprellt werden? Und warum gab es keine ausführliche Ansage auf der Bühne? Wieso kann man nicht einfach klipp und klar sagen, was Sache ist? Sind das "Positive Vibrations? Vielleicht sollten die Veranstalter die offenen Fragen klären...

... denn schließlich wollen wir ja alle das

4. JAMAICAN REGGAE FESTIVAL 2007!!!

Um 19 Uhr ging es dann tatsächlich los und LILIAN GOLD brachte den Platz umgehend zum Kochen. Zur Hand ging ihr dabei die SHARP AXE BAND, die uns irgendwie bekannt vorkam. War das 2005 nicht die Truppe von P.A.T. (Patrick Merchant) und seiner "We Remember Bob Marley Show"? Also zumindest der ultimative "Tieftöner" kam mir jedenfalls sehr bekannt vor.

 

 

Lilian Gold (links)

der 'Tieftöner'

 

 

Die kleine Frau mit der großen Stimme blickt mit erst 23 Jahren bereits auf reichlich Bühnenerfahrung zurück. So stand sie z.B. mit XAVIER NAIDOO, UDO LINDENBERG, NENA, NINA HAGEN, JAMAICA PAPA CURVIN und auf div. Festivals auf der Bühne. Ihr erste CD heißt "Wach auf" und 2005 kassierte sie bei den GERMAN REGGAE AWARDS einen REGGAE GRAMMY!

Trotz aller Professionalität fegt LILIAN GOLD mit einer unverbrauchten P.A.T. (Patrick Merchant)Leichtigkeit und Energie über die Bühne, und deshalb wirken nicht nur ihre Musik, sondern auch ihre Texte, die uns bewegen und zum Nachdenken anregen sollen, absolut glaubwürdig.

An diesem Tag hatte ich meine Uhr vergessen und somit sind meine Zeitangaben, was den späteren Verlauf betrifft, etwas ungenau. Wenn mich meine Bierchen nicht täuschen, war so gegen halb neun die gute Lilian nach langen Ovationen verschwunden, aber -oh Wunder- die Band machte weiter. Zuerst dachte ich noch, die sind dermaßen vertieft und haben noch gar nicht gemerkt, dass ihre Sängerin nicht mehr unter ihnen weilt...! Das Ganze war dann aber wohl als Lückenfüller gedacht, passte aber prima! Und noch viel besser, als sich Patrick Merchant völlig unangekündigt die Ehre gab. Oder habe ich da was verpasst? Jedenfalls sind derartige Kapazitäten, und dann auch noch als Überraschungsgäste, mehr als willkommen!

Nach einer langen Umbaupause und einem nervigen und ebenso viel zu langen Soundcheck kam das absolute Highlight des Abends (oder gar des gesamten Festivals?): GROUNDATION!

Die Band aus Kalifornien, 1998 gegründet, praktiziert eine wahrhaft abenteuerliche Mischung aus klassischem Roots-Reggae, Jazz und Dub! Diese ist ebenso einzigartig wie die hohe Stimme des Frontmanns. Der Gitarrist und Sänger Harrison Stafford Harrison Staffordzelebriert und improvisiert. Der studierte Jazzer kann keine Sekunde ruhig stehen. Und wenn er es doch schafft, muss sein unglaublicher Bewegungsdrang die verloren gegangene Zeit sofort nachholen! Stafford besteht zu 100% aus positiver Energie und genau das weiß er auch rüber zu bringen. Gut so, denn Reggae ist nicht nur Musik, sondern im Gegensatz zu anderen Musikrichtungen stets auch Botschaft!

GROUNDATION dürften mit ihrer Interpretation des Reggae eine Ausnahmestellung einnehmen, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals derart verwegene Songstrukturen gehört zu haben. Am klassischen Roots-Reggae orientiert, spielen GROUNDATION in ihrer eigenen Liga und improvisieren sich mit Dubfragmenten in jazziges Hochgebirge, um sich nicht selten in fast freejazzigem Gelände zu verlieren. Unvermittelt scheint das Chaos zu regieren, doch stets findet man zum Grundthema und damit auf den Boden der Tatsachen zurück. Nicht nur einmal war dies dem Publikum einen tosenden Zwischenapplaus wert! Genial! Eigentlich nur bei Jazz-Konzerten üblich...

 

Groundation

 

Ich weiß nicht, wann die Band angefangen hat, was letzlich auch egal ist. Die Zeit schien sich zu dehnen und dann war es doch wieder zu kurz. Überrascht waren wir dann doch, als es plötzlich halb eins war! So lange wollten wir eigentlich gar nicht bleiben. Auch nur eine einzige Sekunde von GROUNDATION zu verpassen, wäre aber eine Todsünde gewesen! Man kann nur hoffen, dass diese geniale Truppe, welche zur Zeit auf einer Europatournee (29.05.-13.08.2006) unterwegs ist, im nächsten Jahr wieder eingeladen wird!

Die Eintrittspreise blieben stabil (trotz der Verlängerung auf drei Tage!) und Camping war umsonst. Das unsinnige Verbot, Speisen mit auf den Campingplatz bringen, gehört ebenfalls der Vergangenheit an.
Das Essen auf dem Platz ließ Wünsche offen. Die Würstchen ertranken im Öl und die Hähnchen waren aus Leder. Nü ja, mit ein paar leckeren Bierchen intus konnte man darüber locker hinwegsehen, aber für nüchterne Zeitgenossen könnte man da doch einiges verbessern. Ein WM-Zelt gabs auch noch (das wir aber gemieden haben) sowie exotische Einkaufsmeilen, Biergarten und Kinderspielplatz...

...also wem es bei diesem Festival langweilig wird, dem ist nicht zu helfen!
Bands (off. Liste):
Culture (Jamaica), Vitamin X (Africa), Sixth Revelation (Jamaica), Jahcoustix (Germany), Jamaica Papa Curvin (Jamaica), Groundation (USA), Mystic Dan (Jamaica), Anthony Locks & Zolo Crew (Jamaica), House of Riddim Band (Austria), Lilian Gold & Band (Germany), Ruffhouse & KP Crew (Jamaica), Mellow Mark & Band (Germany), Jah Meek (Jamaica), Dubios Neightbourhood (Germany), Marlene Johnson (Africa), Roots IQ (Jamaica, Africa, Germany), Twan (France), Underground Sound, DJ King Kong (France)

Fazit: Trotz Schönheitsfehlern eine ganz klare Empfehlung für dieses Festival! Man sieht sich 2007!


Thomas Lawall - Juni 2006
Fotos: Mary u. Thomas


Weitere Bilder von den Künstlern bzw. vom Publikum
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