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Musik

Interview mit MACHETE - Oktober 2006


"Antithese" heißt das zweite Demo des Essener Hardcore-Orchesters. Nun sind MACHETE musikalisch nicht gerade leicht einzuordnen und bieten auch vom Gesang her eine echte Alternative zu konventionellen Hörgewohnheiten. Grund genug für TOM UND MARYS WEBZINE, hier einmal genauer nachzuhaken. Außerdem ist die aktuelle CD ein krasses Stück Tobak.

Thomas: Gratulation zum aktuellen Demo "Antithese". Bei uns hat das Teil wie eine Bombe eingeschlagen!

(Thomas, Stefan, Roland) Herzlichen Dank für das Lob, wir sind auch sehr zufrieden mit der CD.

Thomas: Bitte erzählt uns etwas zur Gründungsgeschichte der Band anno 2001.

(Stefan) 1999 sind wir gestartet als Mother of Pearl mit einer Sängerin und eher in Richtung Alternativ. Mitte 2000 ist dann die Sängerin ausgestiegen und Anfang 2001 ist dann der Roland zu uns gestoßen. Wir hatten auf der Arbeit Freundschaft geschlossen und da er schon mal Shouter bei diversen Hardcore- und Punkkapellen war, kam eins zum anderen.

Thomas: Der Bandname ist Programm. Wie seid ihr damals auf "MACHETE" gekommen? Beim letzten Urlaub am Amazonas etwa?

(Stefan) Ja klar, im Dschungel ist die MACHETE dein bester Freund (GRINS). Ne, im Ernst, das war die Idee von unserem Schlagzeuger (und Namensvetter) Thomas. Der wollte immer schon eine Band haben, die so heißt. Nach den ersten Proben, wo klar war, dass der Sound brachial werden würde, fanden wir den Namen sehr passend.
Rolands Idee war dann noch Tsunami, aber das fanden wir dann doch nicht so gut.


Thomas: Das "Demo 2004" fand durchaus ein positives Echo. Trotzdem hat es zwei Jahre bis zur nächsten Veröffentlichung gedauert. Für fünf Tracks eine lange Zeit. Hat die Produktion so viel Zeit verschlungen, gibt euch der Alltag den Rest oder gar beides?

(Thomas) Klar berufstätig sind wir schon und auch zeitlich recht gut ausgelastet, aber einer der Hauptgründe war die Geburt von Rolands Sohn Elijah.
Produktionsmäßig haben wir eigentlich nur 2 Tage gebraucht.
Wir haben aber auch eine hohe Durchfallquote von Liedern, die wir fertig stellen, und dann nicht für gut befinden. Qualität statt Quantität!


Thomas: Das fertige Ergebnis erklärt natürlich einiges, denn die Produktion begeistert ebenso mit Präzision wie mit Nachdruck! Wer zeigt sich hierfür verantwortlich? Das Booklet gibt (auch) in diese Richtung leider keine Infos rüber.

(Roland) Wir haben das Demo (wie auch das Erste) im Sonic Sound System Studio in Viersen beim Christian produziert. Grüße auf diesem Wege.
Grüße und Studiohinweise auf CDs haben wir noch nie mit einbezogen, das kommt immer so, als ob man sich profilieren müsste mit Bands und Studios die man kennt und das lenkt wiederum zu sehr ab.
Man soll ohne eine Ahnung einfach die Musik hören und wirken lassen.


Thomas: In Deckung, jetzt kommt die Schubladenfrage! Die Vielfalt eurer musikalischen Ausdrucksweise nötigte mich im Review zu einem längeren zusammengesetzten Substantiv. Könnt ihr die "Indie-Metal-Trash-Punk-Groove-Hardcore-Planierraupe" unterschreiben? (Ist nur eine "Antithese", also nicht Zutreffendes bitte streichen.)

(Thomas) Nenne sie wie du willst. Es passt alles, was nicht passt. Schubladen und Kategorien passen nicht zu MACHETE, das wäre viel zu leicht. Setzt euch damit auseinander.

Thomas: Euer Basswerfer ist VOR dem Studiotermin ausgestiegen, wie man liest. Aber wer hat dann das überaus kraftvolle Fundament gelegt? Gibt es inzwischen Ersatz?

(Stefan) Das habe ich als Gitarrist und Mitsongschreiber übernommen. Bass und Gitarre  sind  ja auch sehr  ähnlich zu spielen.
(Roland) Bis jetzt ist für Live-Auftritte noch für kein Ersatz gesorgt; heißt, wir suchen noch!


Thomas: Verschiedene Schreibsklaven haben offenbar große Probleme mit Roland an den Vocals. 1.: Schon aufgefallen? 2.: Geht euch das am Arsch vorbei oder trifft das dann doch? 3.: Was sagt Roland selbst dazu? 4.: Besteht Suizidgefahr?

(Roland) Haha…, klar ist aufgefallen, weil beabsichtigt.
(Thomas) Verstehe ich nicht und geht mir auch am Arsch vorbei.
(Stefan) MACHETE ist als Ganzes zu sehen, und da passt es.
(Roland) Und ich lebe noch (Grins)


Thomas: Also ich begreife es nicht. Besonders wenn jemand schreibt, er habe so eine Stimme noch nie gehört, bzw. dass ihm eine vergleichbare "Vokalleistung" noch nicht untergekommen wäre. Bingo, ganz meine Meinung, aber im positiven Sinne! Es gibt doch schon genug Abziehbilder am (Micro-)Ständer! Text, Stimme und die mitunter brachiale Intonation wirken wie aus einem Guss. Ein anderer Sänger ist aus meiner Sicht völlig undenkbar!

(ALLE) Der Meinung sind wir auch.

Thomas: Neben eurem ganz speziellen Sound spielen die Texte eine zentrale Rolle. Ihr habt euch für die deutsche Sprache entschieden und das hat sicher ebenso spezielle Gründe.

(Roland) Ein ganz wichtiger Punkt ist - man soll sie verstehen, schließlich ist sie ja unsere Muttersprache und das Medium unserer täglichen Kommunikation. Somit kann man auch in dieser Sprache am meisten sagen und am genausten.

Thomas: Tja, in Englisch kann man viele Floskeln und Allgemeinplätze verschlüsseln oder verstecken. Ihr müsst euch da schon etwas genauer ausdrücken, was sicher nicht immer einfach ist. Wer dies wagt, ist u.a. vor dem Vorwurf der Peinlichkeit ständig auf der Flucht, gell?

(Roland) Genau das. Ich habe manchmal das Gefühl,  daß man sich im Hardcore-/ Metalbereich (Schublade) ein wenig schwer tut, wenn man die Sprache versteht. Ist vielleicht aber auch ganz gut so, wenn man sich mal die Mühe macht und einige der Texte übersetzt.
(z.B. Break down the Walls…= Reißt die Wände ein…(Grins))
Aber klar, klischeefreie Texte in deutscher Sprache zu schreiben ist schwer und immer wieder eine Herausforderung.


Thomas: In "Antithese" bezieht ihr ja ziemlich klar Stellung bzw. zählt erst einmal auf, was ihr alles nicht wollt. Dann formuliert ihr Angriffe auf die Politik aber auch auf die Gesellschaft, denn "wer sehen will, der kann was sehen, wer fragen will, der kann verstehen" und dann sehr bemerkenswert "die Ware Mensch ist verderblich"!

(Roland) …und das Genom die Reserve. Gerade 'Antithese' ist auch der Aufhänger der ganzen CD und die Richtung die sie einschlägt. Es geht schonungslos und realitätsnah zur Sache.
(Stefan) Das Stück ist mir zu Hause auf dem Sofa eingefallen. Sprich, ich hatte die Instrumentierung komplett fertig, als ich in den Proberaum kam.
(Roland) Zufällig kam ich an dem Tag auch  mit dem kompletten Text zur Probe, den ich noch am Vorabend geschrieben hatte - weil mich wieder viele Sachen maßlos aufregten. Ich wollte meinem/ unserem Ärger Luft machen, und verbal ganze Straßenzüge in Flammen setzen. Die anderen Drei haben den Rest gemacht.
'Antithese' fordert demonstrativ zum Denken und Handeln auf.


Thomas: Wo sind die Quellen eurer Texte? Sie scheinen mir (nicht nur) auf der Straße zu liegen. Auch über die Grenze persönlicher Erfahrungen scheinen die Zeilen weit hinauszugehen ...

(Thomas) Die Texte schreibt Roland komplett alleine, werden aber von der Band gemeinsam besprochen und ausgearbeitet.
(Roland) Es reicht, mit offenen Augen und Verstand durch die Welt zu gehen und eine Vorliebe für Zeitgeschichte und Literatur, das ist das Rezept - und der Wille zur Veränderung.


Thomas: Welche Kapellen liegen euch besonders am Herzen und/oder gehören zu den Wurzeln eurer Inspiration?

(Stefan) Bei mir hat alles angefangen mit Beethoven und KISS, hinterher kamen dann Voivod, Carcass, Malmsteen, Miles Davis, David Bowie, und in letzter Zeit sehr viel Jazz dazu.
(Thomas) The Police, KISS, S.O.D., Drum 'n' Bass und Jazz
(Roland) Angefangen hat alles mit Slayer, Exploided, CroMags, Maiden, EA80, TonSteineScherben und The Smiths.


Thomas: Ihr seid über die Maßen wütend, aber die Hoffnung sollte man (solange es noch Bier gibt) trotzdem nicht aufgegeben, oder?

(Alle) AUF GAR KEINEN FALL !!!

Thomas: Mal ehrlich - hat die Menschheit noch eine Chance?

(Roland) AUF KEINEN FALL !!! (Grins) Na ja, vielleicht. Wenn mehr Respekt, Toleranz und ein Bewusstsein für die Umwelt unser Miteinander bestimmen, und zwar global.

Thomas: Sollten wir Männer nicht alle abdanken und endlich den Mädels das Ruder in die Hand geben? Oder wäre ein Tortenregime gar noch schlimmer???

(Thomas) Dummheit und/ oder Machtbestreben ist nicht geschlechterspezifisch.
Wir müssen endlich umdenken und einer anderen Gesellschaftsform entgegen streben.
(Roland) Alle sind gleich und keiner gleicher.


Thomas: Am 21.09.06 gabs euch ne schlappe Stunde im Radio Essen! Wie das?

(Stefan) Letztes Jahr hatten wir einen Auftritt bei einer Gedenkveranstaltung zur Reichsprogromnacht, der Veranstalter hat zufällig eine Sendung bei Radio Essen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, und so folgte eins zum anderen. Wir haben die Sendung genutzt um eine/n neue/n Basser/ in zu finden ... was aber leider bis jetzt erfolglos blieb.

Thomas: Eine neue Bandpage ist in Arbeit. Sie soll etwas interaktiver werden, worauf viele Fans sicherlich warten. Ich übrigens auch ...

(Roland) Die Seite ist in ca. zwei Wochen online, muss nur noch ein paar Texte abtippen. Habe wenig Zeit gehabt.

Thomas: Ein Deal dürfte ja in greifbarer Nähe sein. Der erste Longplayer somit auch. Was habt ihr für Pläne? Hoffentlich viele! Und wann und wo gibt es "live" was auf die Mütze?

(Stefan) Wer sagt das? (Grins)
(Roland) Was einen Deal betrifft, haben wir weder Ab- noch Zusagen, wenn man ehrlich ist, eigentlich gar nichts. Was mitunter daran liegen mag, dass wir noch zu keiner Plattenfirma eine CD geschickt haben.
(Thomas) Wir haben es in der Hinsicht auch nicht wirklich eilig, zuerst einmal brauchen wir einen vierten Mann/ Frau und dann sehen wir weiter.
(Roland) Was uns aber nicht daran hindert einen Longplayer zu machen.
(Stefan) Neue Songs sind in Arbeit und für Anfang des Jahres planen wir einen neuen Studioaufenthalt, mehr dazu dann auf der neuen Internetseite.
(Thomas) Bis dahin fällt auch das Live auftreten flach, leider.


Thomas: Na dann mal gepflegten Dank fürs Erste. Das letzte Wort gehört Euch.

(Alle) Wir haben zu danken.

(Roland) Lasst uns beginnen !!!



Thomas Lawall - Oktober 2006
(c) TOM UND MARYS WEBZINE
 

 

 

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