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Musik

Interview mit XING


© XING18 Jahre nach Bandgründung legt die Münchner Formation XING (sprich: CROSSING) einen ganz hervorragenden ersten Longplayer in Eigenregie vor. "Independence" wird unsere Dezember-Charts entern und zwar von Null auf Platz Eins! Die wuchtige Produktion und der Tiefgang der Melodic-Prog-Scheibe nötigten mich, umgehend Kontakt zur Band aufzunehmen und die (meist) üblichen Fragen zu stellen.

Thomas: Wie wars am 11.11. im Feierwerk? Stand München Kopf und habt ihr die Kollegen alle an die Wand gespielt?

Umberto: Na ja, Kollegen wie Dreamscape an die Wand spielen ist nicht einfach und nicht unser Ziel, sondern mehr unseren Stellenwert abzuchecken. Und da kann man getrost sagen, der scheint gegenüber den Kollegen doch sehr gut zu sein (leichtes Grinsen). Nein wirklich, war ein super Abend, mit einem fantastisch aufgelegten Münchner Publikum, was sich natürlich auf uns übertragen hat.

Thomas: Am Anfang war München wüst und leer, doch dann habt ihr dieses Foto mit diesem Hinweis auf diese Kreuzung gesehen ...

Umberto: ...Und endlich hatte unsere Suche ein Ende. Nach langem hin und her mit Bandnamen hatten wir mit XING (crossing) den wohl zutreffendsten Namen für unsere Musik gefunden, mit dem sich jeder in der Band identifizieren konnte.

Thomas: Doch vor dem Anfang entsteht ja (meistens) die Idee. Was geschah also VOR dem Foto?

Umberto: Vor dem Foto hießen wir noch Uncertain (ungewiss/unbestimmt). Ich denke, der Name sagt schon alles aus. Das heißt, wir haben aus "unbestimmten" Musikrichtungen einfach eine "Kreuzung" der Musikrichtungen gemacht :-)

Thomas: 1988 war sozusagen der Beginn eurer Zeitrechnung. Es sind inzwischen schlappe 18 Jahre vergangen, und der very größte Teil der Menschheit hat wenig von den gewaltigen Veränderungen der Bandstruktur mitbekommen.

Umberto: Uh, ob ich das alles noch so zusammen kriege?!?

Thomas: Keine Ahnung, ob sich das jetzt lohnt, die Veränderungen im Besetzungskarussell zu dokumentieren. Selbst auf der Bandpage habt ihr mit der "aktuellen Besetzung" irgendwann aufgehört - und zwar 1990, wenn mich nicht alles täuscht.

Ja, 1990-1992 hatten wir eine, für mich betrachtet, super Besetzung mit tollen Musikern. Ich glaube nur, dass wir damals weit der Zeit voraus waren mit unserem Sound. War sehr progressiv. Viel mit geslaptem Bass. Schwer zu beschreiben.
Danach hatten wir einen neuen Sänger, der leider nicht so progressiv dachte. Zwar gut, aber nicht extrovertiert genug. Nach einigen Gigs hatten wir uns auch getrennt.
Dann kam eine langjährige Sängersuche. Immer wieder ausprobiert, wieder rausgeschmissen usw. Das ging bis 1996, dann war die Luft raus. Die komplette Trennung kam.


Thomas: Die personellen Veränderungen waren sicher auch der Grund, weshalb es so lange bis zur Veröffentlichung des ersten Longplayers gedauert hat.

Umberto: Ja, mitunter. Es existieren zwar unzählige Demos von 1988-1992, die sehr gut sind. Speziell der von 1992. Ansonsten hatten wir von 1992-2000 eigentlich keine feste Besetzung mehr.

Thomas: Wie kam es zur aktuellen Besetzung, und seit wann existiert sie?
    
Umberto: Seit 1999 spiele ich mit der Tina und Uli zusammen, damals war noch der Claudio bei uns Schlagzeuger, der 2004 durch unseren jetzigen Drummer Tom Henzen ersetzt wurde.
2000 kam Thomas Keller als Sänger dazu. Endlich hatten wir eine Besetzung mit Bestand. Auch wenn es ca. 1,5 Jahre gedauert hat, bis wir uns endgültig gefunden hatten. Danach haben wir auch unsere EP awareness aufgenommen.


Thomas: Trotz unterschiedlichster musikalischer Herkunft zelebriert XING einen Einklang, der den Eindruck hinterlässt, als ob ihr schon seit Ewigkeiten zusammen seid.

Umberto: Natürlich sind wir schon eine Zeit lang zusammen und das wichtigste ist, die Richtungen zu generieren und dirigieren.

Thomas: XING steht für die Vereinigung ganz unterschiedlicher Musikrichtungen. Das gemeine Volk interessiert sich immer für die sog. Einflüsse, die da wären ...

Umberto: Den größten für mich erkennbaren Einfluss haben z.B. Faith no more, Marillion, alte Genesis, Queensryche und etwas Dream Theater. Alles in einem Mixer einschalten und dann kommt XING Geheimmixtur dazu und fertig.

Thomas: Im Review zu eurer ersten Langrille "Independence" erlaube ich mir weitergehende Interpretationen, indem ich weitere Seelenverwandtschaften zu VANDEN PLAS, KAIPA,  PLATITUDE,  PALLAS und ARENA einfach mal so in den Raum stelle.

Umberto: Oh, wie peinlich. Ich kenne von den ganzen Bands hier nur Vanden Plas. Aber wenn du sie kennst, gehe ich davon aus, dass es gute Bands sind. Danke dafür.

Thomas: Na ja, die Sesselpupser schießen ja nicht selten über das Ziel hinaus. Kein Wunder, denn wir können ja nur schreiben, und wenn man uns ein beliebiges Instrument in die Hand gibt, sehen wir sogar noch blöder aus. Eine reine Prog-Band seid ihr nicht, deshalb sollte ich vielleicht die Vergleiche mit denselben bleiben lassen und vereinfachend feststellen: Das was SAGA können, könnt ihr schon lange.

Umberto: Aua, auch da vielen Dank, aber das Kompliment ist schon zu groß. Das waren in meinen jungen Jahren eine meiner Heroes. Auch wenn man vielleicht auch da einige musikalische Parallelen bei uns entdecken könnte.

Thomas: Das schrille Cover führt ja fast auf eine falsche Fährte. Die gruslige Fratze erst recht. Aber ihr habt euch ja sicher etwas dabei gedacht.

Umberto: Diese Fratze ist mittlerweile eine Art Markenzeichen von uns geworden und ist schon auf unserer EP zu finden.
Ursprünglich sollte die CD den Titel "Scream" bekommen, somit hätten wir den Bezug zur Fratze hergestellt, aber wir haben uns dann doch anders entschieden.
Zum einen ist Independence ein Song aus der CD und Independence ist für uns bezeichnend für die musikalische Unabhängigkeit.
 

Thomas: Ist letztlich auch egal, wo, wie und weshalb, Hauptsache, es kommt ein eigener Weg dabei heraus. Und in dieser Hinsicht feiert ihr einen "Independence-Day" nach dem anderen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes!

Umberto: Das ist wohl wahr. Wir können bisher wirklich alles machen, was uns gefällt, ohne irgend jemand Rechenschaft abgeben zu müssen.

Thomas: Beim Songwriting gibt es bei euch eine klare Hierarchie?

Umberto: Hierarchie ist übertrieben, aber es ist so, dass ich zu 90-95% die Lieder schreibe. Das war schon immer so. Wobei die verbleibenden 5-10% wichtige Nuancen der anderen Bandmitglieder sind, die den Charakter von XING stark mit beeinflussen. Ansonsten ist es halt so, dass ich der Ideengeber bin, aber sicher nicht aus Egoismus, sondern weil in meinem Kopf tausende musikalische Ideen rumspuken, die befreit werden müssen.

Thomas: Im 8-seitigen Booklet habt ihr keinen Raum für die Texte gefunden. Schade eigentlich ...

Umberto: Ja, wirklich schade :-). Nein, wirklich, wir haben lang darüber philosophiert, ob ja oder nein, obwohl die Texte durchwegs gut sind. Der Ausschlag war der zusätzliche Aufwand, der dabei entstanden wäre, und da die Zeit drängte, haben wir uns dagegen entschieden. Ich denke aber, bei der nächsten werden wir die Texte mit abdrucken.

Thomas: Das Schöne am Leben ist ja, das es immer irgendwie weitergeht. Wie geht es mit XING weiter?

Umberto: Der Winter steht vor der Tür, es wird alles etwas gemütlicher und auch XING wird eine sehr kurze Pause einlegen.
Im neuen Jahr wird dann die Konzertplanung gemacht und an neuen Songs gearbeitet. Wir wollen nämlich Anfang 2008 mit der neuen CD starten. Bis dahin wollen wir die neuen Songs unserem Publikum immer wieder vorstellen, um die Reaktion zu sehen und abwägen, welche Songs auf die CD kommen und welche nicht.


Thomas: Das Schöne am Leben ist ja, dass nächstes Jahr GENESIS wieder auf Tour gehen. Wir kaufen uns aber nur Karten, wenn Meister Gabriel den Collins wieder an die Tretmühle kettet, oder?

Umberto: Ach, das wäre ein Traum, den Altmeister die Songs von z.B. The lamb lies down on Broadway singen zu hören. Wobei auch die ersten Scheiben mit Collins, z.B. A trick of the tail oder Wind and wuthering, wäre auch genial.
Bitte bloß nicht I can't dance. Ich denke ein Besuch zum Konzert ist trotzdem ein Muss!!


Thomas: Das Schöne am Leben ist ja, dass es bald eine Live-DVD von euch geben wird - oder ist das eher mein und das Wunschdenken anderer Fans ... ?

Umberto: Es wird auf alle Fälle eine Live-DVD geben, mit 4 Bands á 20 Minuten pro Band, vom letzten München-Gig. Ob wir eine eigene rausbringen, steht noch aus. Erst muss das Material gesichtet werden und dann entscheiden wir.

Thomas: Independence zeugt nicht nur von den Fähigkeiten der Truppe, sondern glänzt zudem mit einer für Eigenproduktionen sehr ungewöhnlichen Produktion. Da stimmt einfach alles!

Umberto: Vielen Dank für die Blumen. Wir feilen natürlich im Vorfeld sehr genau und kommen mit klaren Vorstellungen ins Studio.
Das Studio, mit dem wir zusammenarbeiten, ist auch topprofessionell und kennt unseren Sound und unsere Soundvorstellungen sehr genau.
Außerdem bin meistens ich mit dabei und verfolge die Produktion mit Adleraugen und Elefantenohren. Und meinen eigenen Senf kann ich mir auch nicht verkneifen :-)


Thomas: Wie sieht es eigentlich mit dem Interesse verschiedener Labels aus. Also mal ehrlich, die müssen doch Schlange stehen, oder was jetzt?

Umberto: Wir haben bisher nach keinem Label gesucht. Bisher lief der Vertrieb über verschiedenste Musik-Intenetportale, was eigentlich ganz gut läuft und über Konzertverkauf.
© XINGDer Gedanke über ein Label kommt nach und nach aber trotzdem jetzt hoch, da die Arbeit mit den Internetportalen nicht unerheblich ist, damit könnte uns viel Arbeit erspart bleiben.
Zusätzlich wäre die Verbreitung, vorausgesetzt es wäre ein gutes Label, auch höher. Hast Du einen Vorschlag?


Thomas: Tja, bei InsideOut natürlich ... ! Ganz herzlichen Dank für das Interview. Wenn ihr noch etwas loswerden wollt, könnt ihr dies jetzt tun, denn das letzte Wort gehört euch.

Umberto: Erstmal dir lieben Dank und für den Jahresabschluss fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch.
Ich kann nur den Leuten da draußen ans Herz legen, ein Konzert von uns zu besuchen oder sich eine CD zu bestellen. Uns würde es freuen, noch mehr Feedback zu bekommen und dass unsere Musik viel mehr Menschen zugänglich gemacht wird.
Also, auf ein rockiges Jahr 2007.


Thomas Lawall - Dezember 2006
© TOM UND MARYS WEBZINE

 

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