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CD-Review

MY EXTREME HOUR - Aspiration (2010)


Post-Core



Genau! Man sieht zwar vor lauter "Core" den Wald nicht mehr, zudem weiß man gar nicht mehr wohin mit all dem abgründigen Zorn und der apokalyptischen Wut, die da per gut gefüllten Eisenbahnwaggons permanent von den Bühnen dieser verkommenen Welt ins tobende Fußvolk abgeladen wird. Die 347ste Core-Definition passt aber auf die drei harten Jungs insofern wie die Faust aufs Auge, als hier amtlich die "Post" abgeht!

Die drei von der Krankstelle begnügen sich aber keineswegs mit mies gelaunter Richtungslosigkeit. Ungezügelt wurde schon so mancher Karren gegen die Wand gefahren. Gleich im ersten Song das Pulver zu verschießen und sich dann mit Wiederholungen über Wasser zu halten ist bei MY EXTREME HOUR nicht drin. Schon im melancholischen "Intro" wird klar, dass hier anderes Gelände beackert wird. "With closed eyes" bricht wie eine wahre Götterhämmerung auf die Matte und straft die scheinbare Idylle Lügen.

Zum Ausderhautfahren geil ist der Wechsel zwischen Tobsuchtsgeschrei und dem erholsamen "Cleangesang". Voll die Kante geben mir die progressiven Dinosaurierbreaks - Markus brilliert am Stolpergestänge, Bene bedient seinen Tieftöner mit brachialer Liebenswürdigkeit und Kratzmeister Chris röhrt wie ein druchgeknallter Hirsch. So bringt man jeden Wolkenkratzer mühelos zum Einsturz. Doch dies scheint keineswegs das Ziel des Münchner Krawall-Trios zu sein, und wie sie es schaffen, niemals die Bodenhaftung zu verlieren, ist schon ein kleines Kunststück. Immer wieder von melodischen Passagen unterbrochen, erleben wir hier eine wohldurchdachte und intelligent ausbalancierte Scheibe der nicht gerade alltäglichen Sorte. Auch ein leichtes "Augenproblem" rundet die Sache zusätzlich ab, denn zu keiner Zeit schielt man auf massentaugliche Eventualitäten!

Das ist original, das ist authentisch, das ist in jeder Sekunde ehrlich und nicht kaputtproduziert. Dennoch muss man dem Studiotier einiges an Lob hudeln, denn hier wurde nicht mit entsprechendem Nachdruck gespart. Was hier aus Main-Speakern und Subwoofer knallt, ist für eine Eigenproduktion auf gar keinem Fall selbstverständlich. Sauber! Und für alle Jünger aus dem Dumpf-Core-Lager eine wahre Bereicherung, ja Erleuchtung! Die dritte Scheibe nach dem "Demo 07" und "One step behind" (2009) ist in jeder Hinsicht ein Volltreffer und wenn die Band sich für das nächste Album vorgenommen hat, sowohl härter als auch eine Schippe komplexer zu werden, dann macht Zukunft wieder Sinn!

Fazit: Hypermoderner Prog-Core, der sich gewaschen hat. Nicht verpassen!

 

Bewertung: 11/12

Thomas Lawall - Januar 2011

 

 

 

Tracklist:

1. Intro
2. With Closed Eyes
3. Nothing To Regret
4. Everyone's Spirit
5. Another Day Another Time
6. You'll Be Mine
7. Fail Faith
8. A Little Piece Of Heaven
9. You'll Be Mine (Acoustic Version)

Line-up:

Chris: Gitarre und Gesang
Bene: Bass
Markus: Drums


www.myspace.com/myextremehour

 

 

 

 

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