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CD-Review

AUTUMNAL - Grey Universe (2006)

(Gothic-)Doom Metal



... oder so ähnlich und für mich die neue Referenz in Sachen Bremskraftverstärkung. Hier fallen mir nur noch Superlative ein und es handelt sich dabei keineswegs um erste spontan-unkontrollierte Höreindrücke - zumal das feine Teil schon vier Jahre auf dem Buckel hat! Ganz im Gegenteil, denn die Platte dürfte jetzt zum 50sten Mal laufen und ich erkenne nicht den Hauch einer Spur von Langeweile. Und ich bin mir ganz sicher, dass sich dies in den nächsten tausend Jahren nicht ändern wird. Leider habe ich erst kürzlich von der Gruppe erfahren (Mary sei Dank!), was bedeutet, dass ich vier Jahre meines Lebens verschwendet habe. Ich bitte um Vergebung - auch dafür, dass ich nunmehr mit 4 Jahren Verspätung die Platte ohne jeden Umweg auf Platz 1 unserer Charts stelle, ja stellen muss.

Achtung, jetzt kommt die Schublade! Kann sich jemand ANATHEMA (in der mittleren Schaffensphase) mit dem (imaginären) kleinen Bruder von Rowan London als Sänger vorstellen? Man könnte als vergleichende Parameter noch die alten PARADISE LOST und MY DYING BRIDE an den Start schicken. Mit in die zum Bersten gefüllte Lade könnte dann noch eine "gestrichene" Portion CELESTIAL SEASON passen. Vergleiche, die besser hinken, habe ich leider nicht gefunden.

1996 formierte sich der Trauerzug und hat sich bis zum Debut satte 10 Jahre Zeit gelassen. Das hat sich aber ganz fein gelohnt, würde ich mal sagen, denn die Platte ist schon fast zu schön um wahr zu sein. Die Spanier kommen zwar langsam, dafür aber umso intersiver zu Potte. Allein was Javier de Pablo an Intonationsvielfalt zu bieten hat, ist weit mehr als beeindruckend. Gleich im ersten Track stellt er unter Beweis, diametrale Kontraste perfekt zu beherrschen. "As soon as you die, kill me" beginnt unmittelbar mit Clean Vocals und vorerst hegt man nicht die Vermutung, dass sich dies ändern könnte, auch wenn im weiteren Verlauf die eine oder andere emotionale Daumenschraube leicht angezogen wird. Es folgt ein leicht schleppender Melodic-Saurier und ein gestrichenes Zwischenspiel, bevor sich genau bei 2.54 ein bodenloses Loch auftut. Ohne jede Vorwarnung legt der Mann Growls auf die Matte, dass es meinereiner sämtliche Brusthärchen aufstellt. Sowas kann allerhöchstes der Seidel von BLACK SHAPE OF NEXUS, wobei Javier de Pablo mühelos noch ein paar Schippen draufzulegen vermag. Das ist einer der geilsten Breaks, die ich jemals gehört habe. Allein dafür hat sich mein Leben gelohnt ...!

Doch nicht nur in den tiefsten Kellern fühlt sich sein Organ wohl, sondern weiß auch und besonders in höheren Lagen extrem zu faszinieren und zu bewegen. Hier brilliert er einmal mehr im zweiten Track und zwar genau hier:

"I've never felt such cold.
I've never slept so long. In me, something is gone."

Nur der schon zitierte Australier vermag eine solche Emotionalität zu intonieren. AUTUMNAL musizieren im gleichen Universum.
Doch die spanische Kapelle ist mit weiteren vier Hauptrollen besetzt. Das Schlagwerk wird von Ricardo de Pablo mit sehr viel Liebe zum Detail bearbeitet und Tieftöner Miguél Ángel Gutiérrez weiß, wie ein pechschwarzer Samtvorleger getrickt wird. Julio zieht mitunter recht weltferne Saiten auf und kehrt ansonsten sein Innerstes hemmungslos nach außen, wobei seine kongeniale Kollegin Maria Ingelmo dies am Cello (!) noch zu unter"streichen" weiß!

Selten so gehört und ich hoffe inständigst, dieses Trauergetöse einmal livehaftig erleben zu dürfen. Vorerst kann ich nicht anders, als die hier höchst unübliche Höchstnote zu vergeben, wobei ich um gepflegte Vergebung bitte, dass wir keine höhere Wertung besitzen. Diese müsste erst noch erfunden werden.

Ganz und gar nicht kann ich übrigens empfehlen, sich das YouTube-Video auf der Bandpage bei MySpace zu geben. Ich glaube nicht, dass sich die Band damit einen Gefallen tut, indem sie einen so erbärmlich aufgenommenen Musikmüll präsentiert. Möchte nicht wissen, wie viele potentielle Fans sie damit schon vertrieben haben ...

Fazit: Grandiose Tragödie.

 

Bewertung: 12++/12

Thomas Lawall - Januar 2010

 

 

 

Tracklist:

1. As soon as you die, kill me

The street of the largest city in a grey universe
 2. There is only one season in the way
 3. It lays over the leaves
 4. You left it, but there's no end

5. Cemetery of Screams
6. Today, tonight

Line-up:

Javier de Pablo: Vocals, guitar 
Julio Fernández: Guitar 
Ricardo de Pablo: Drums
Maria Ingelmo: Cello
Miguel Gutiérrez: Bass


www.autumnal.net
www.myspace.com/autumnaldoom

 

 

 

 

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