CD-Review

VAMPYRE EROTYCA - Demo "Vampyre Erotyca" (2008)

Heavy Metal



Also, ich muss schon sagen, dass die werten Kollegen Sesselpupser, was die vorliegende Demo betrifft, sämtliche Flinten etwas zu früh ins Korn geschmissen haben. Auch der gedruckten Presse entnahm ich ein holdes Review, welches sich in der Wortwahl auf unterster kabarettistischer Schiene bemüht. Das geht natürlich vollkommen in Ordnung, denn die Gedanken sind ja bekanntlich frei (und wer weiß, was passieren würde, wenn man derlei Gedankengut einsperren würde! LOL).

Nun macht mich aber solch überhebliches Gedöns ziemlich neugierig, und in diesem Sinne finde ich es dann schon wieder gut, wenn eine "dermaßen miserable" Band so wahnsinnig viel Aufmerksamkeit bekommt. Goil - oder wie der Amerikaner sagt: "Any publicity is good publicity!" Genau, und deshalb habe ich sofort auf der MySpace-Bandpage reingehört und gleich beim ersten Ton war klar, dass ich das Demo ordern werde ...

... was auch prompt eintrudelte. Zuerst ist aufgefallen, dass an Info-Material nicht gespart wurde. Sogar die Texte liegen komplett vor. Ein aktuelles Bandfoto (Jan/2009) gibts auch noch dazu ... (und ob das jetzt mit einem Nadel-, Tintenstrahl- oder Sonstwas-Drucker gezaubert wurde, geht mir an der Rückseite vorbei!). 

Ansonsten macht die Platte optisch nicht viel her. Na und? Mitunter ist mir eine handbeschriftete CD-R lieber als ein seelenloses Massenprodukt! Die Aufnahmequalität ist unter aller Kanonen, aber das war mir schon klar, als ich die Songs auf MySpace gehört habe. So gesehen, war es keine Überraschung. Mir aber ebenfalls furzegal, denn wer weiß, was dieses Teil später einmal wert ist, wenn der Kapelle die großen Bühnen dieser Welt langsam zu klein werden ...

Natürlich ist es kein Wunder, wenn die Scheibe bei der schreibenden Zunft nicht so dolle angekommen ist, denn wer hat schon Zeit, mal etwas genauer hinzuhören oder gar zwischen den Tönen etwas zu entdecken. Was nicht 100% glattproduziert ist, fällt sofort durchs Raster. Aber was solls, denn wer selbst kein Instrument spielen kann, muss halt darüber schreiben. Muhaha.

Ich gehe die Scheibe völlig anders an, denn zu allererst erinnert sie mich an gewisse Tage, die ich in Übungsräumen verbracht habe, mit zu Konzerten in div. Jugendzentren gefahren bin und an das erste Mal ... als ich eine Box tragen durfte! Verdammt lange her, aber ich erinnere mich sehr gut daran und an die Stimmung sowieso. Und genau diese ist es, welche VAMPYRE EROTYCA auf ihrem selbstgebastelten Tonträger festgehalten haben. Der unvergleichliche Charme der Unvollkommenheit, gepaart mit einer "naiven" Begeisterungsfähigkeit - völlig unverbraucht und einfach drauflosbretternd, spontan und unkontrolliert.

Ich höre das Teil nun schon im fünften Durchlauf und freue mich jedes Mal auf die Stellen, wo es eben nicht so genau passt. Bald kenne ich die unbeholfenen Übergänge, holprig-unsichere Breaks, Holterdiepolter-Schlagwerk, Dumpfbass und eine Sängerin, die Verabredungen mit bestimmten Tönen nicht immer unbedingt einhält, in und auswendig. Tja Leutz, es macht aber ungeheuren Spaß, durch diese musikalische Baustelle zu stapfen! Was macht das schon, wenn hier und da ein Eimer umfällt, ein paar Bretter vom Gerüst fallen oder eine Mauer zusammenbricht. Nach all den Jahren habe ich nicht vergessen, wie aus diesem oder jenem Chaos ein imposantes Gebäude entstehen kann und sich danach niemand mehr vorzustellen wagt, wie es einmal war, als die ersten Fundamente ausgehoben wurden.

Ich wurde gebeten, die Songs ruhig auseinander zu nehmen, aber genau das werde ich nicht tun. Das haben andere schon getan ... und ich bin richtig froh, diese arroganten Dichtungen nicht verpasst zu haben, denn immerhin haben sie einen ungemein hohen Unterhaltungswert.

Ich hingegen höre mir die Scheibe nun nochmals an. Lieblingsstellen habe ich auch schon. Moment ... wo war das ... ach hier ... "Dawn of War". Der Brocken dauert sieben Minuten und ist in vier Abschnitte eingeteilt: ", Dawn of War", "Rebirth", "Awakening", "Dawn of War". Ein echtes Highlight sind die ersten drei Verse von "Rebirth". In dieser ruhigen Passage zieht Elisa Böhme alle (momentan) verfügbaren Register. Ebenso zu Beginn des letzten Tracks "To Dust":

"Leave me be
Watch how everything dies
We fall to our knees
and pray for nothing ... "

Also wem DAS nicht unter die Haut geht, der ist schon tot!

Die Gitarrenfraktion hat ebenfalls noch ziemlich viele Asse im Ärmel. Was hier teilweise (und insbesondere am Ende des letzten Tracks) anklingt, gibt zu berechtigten Hoffnungen Anlass. Wehe wenn sich die Musikanten sortieren und endgültig koordinieren, dann gibt es, auf dem zweifellos ja schon vorhandenen gemeinsamen Nenner, ein granatenmäßiges Feuerwerk auf die Mütze. VAMPYRE EROTYCA stehen noch am Anfang, aber sie haben jede Menge Ideen, ein gemeinsames Ziel vor Augen, sind quicklebendig und voller Tatendrang. Das ist fürs erste schon mal die halbe Miete! Und wenn es im Sommer 2009 ins Studio geht, dann wird auf den Ihr-werdet-schon-sehen-Modus umgestellt.

Wir freuen uns drauf!

Fazit: They don't give a fuck. JAWOLL!

 

Bewertung: Vier voll fette Hoffnungspunkte!

Thomas Lawall - Februar 2009

 

 

Tracklist:

1. The Passion in her Eyes
2. Mirror's Tale
3. Sheol
4. Fuckin' Liar
5. Dawn of War
6. To Dust
 

Line-up:

Elisa Böhme: Vocals
Constantin Strobel: Bass, backing vocals
Sascha Böhme: Rhythm & lead guitars, backing vocals
Eric Böhme: Drums


www.myspace.com/vampyreerotyca

 

 

 

 

 

Für Fragen, Kritik und Anregungen steht unser Forum zur Verfügung

Home News Literatur Gedichte Kunst Philosophie Schräg Musik Film Garten Küche Gästebuch Forum Links Impressum