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CD-Review

YALLENCY BROWN "Under Fire" (2006)

Reggae


Da soll noch mal einer behaupten, in Niedersachsen wäre nix los. Na ja, bis 1999 war das ja tatsächlich so, aber dann begann eine andere Zeitrechnung: YALLENCY BROWN erblickte das Licht dieser Welt! Die Neugeborenen waren jedoch mitnichten unerfahrene Rookies, sondern in verschiedenen Bands und Projekten (DEEP ON GRASS, YOYO, PHOENIX, MIDNIGHT FLASH, PLACE IN SPACE) mehr als aktiv. Dennoch brauchte die Kapelle satte sieben Jahre bis zum ersten Longplayer! Jetzt muss natürlich der doofe Spruch folgen: Gut Ding will Weile haben! Ist aber im vorliegenden Fall wirklich so und nicht anders. Außerdem fehlte bis vor 1 1/2 Jahren noch eine Fachkraft am Keyboard. Würden sich andere Kapellen jedenfalls ähnlich viel Zeit lassen, würde sich das eine oder andere peinliche Debut sicherlich vermeiden lassen.

YALLENCY BROWN spielen Reggae ... wenn sich noch jemand erinnern kann, was das eigentlich ist! Also nix mit Dancehall, Ragga, Reggaeton oder gar Space-Reggae, sondern schlichte Ursprünglichkeit. So jedenfalls der rote Faden, was aber nicht heißt, dass nicht das eine oder andere Element aus anderen Richtungen und Strömungen zumindest angedeutet wird. So finden sich in "Killing fields" und "A toast please" Dub-Fragmente und in zuletzt genanntem Stück gar eine fundamentale Rock'n'Roll-Einlage! In Richtung Hard-Rock gehen Gitarrensoli wie in "Dead zone" oder "Nothing new", wobei derlei Ausflüge schnell abgehakt werden, um unmittelbar zur Tagesordung zurückzukehren.

Insgesamt noch ausbaufähig wirken Songs wie "Trough my eyes" und "Dark lines", was aber den Gesamteindruck nicht wirklich belasten kann. Zumal wiegen winzige Durchhänger starke Songs wie "Nightline" oder der grandiose Stampfer "Nothing new" mühelos auf. Ein wahres Fest!

Es herrscht eine klare Arbeitsteilung im Hause YALLENCY BROWN. Wenn ich richtig informiert bin, schreibt Bassfundamentalist Peter einen Großteil der Texte, Sänger Jojo setzt die Ideen musikalisch um und gemeinsam mit den kongenialen Kollegen Andreas an der Fellbearbeitung, Janine an den Zaubertasten sowie einem "Neuzugang" (s.u.), zelebriert das flotte Quintett dann eine Einigkeit, die so selbstverständlich erscheint, als ob es diese Band schon immer gegeben hätte!

Vergleichende Parameter werden ja immer wieder gerne gelesen, und deshalb will ich neben MARLEY, TOSH und THIRD WORLD vor allem GROUNDATION nennen. Annäherungen gibt es in "This way down", "A toast please" und ganz besonders im letzten Drittel von "One for the heat", wobei sich die Parallelen ausschließlich auf den Gesang beziehen.

Im Gegensatz zur fröhlichen Tanzbarkeit der musikalischen Ausrichtung steht ein Textgebirge im Gelände, was die Kapelle im ambivalenten Cover bereits mehr als deutlich andeutet. Eingängigkeit begegnet höchstem Anspruch und gemeinsam haben sie viel zu sagen. Das Chaos nimmt seinen Lauf und wir Menschen sind nurmehr Schatten unserer selbst. Betroffen und verstrickt in Terror, Gewalt, Kriege, religiösem Fanatismus und Rassismus scheint es keinen Ausweg mehr zu geben.

YALLENCY BROWN bieten die Lösung natürlich nicht an, denn eigentlich wäre dies ja viel zu einfach. Außerdem weiß es eh jeder! Ein wenig gesunder Menschenverstand würde genügen ... und endlich wäre Ruhe und Frieden auf dem blauen Planeten! Aber nein, da es halt nunmal nicht so ist, steigert sich die Band in aufrüttelnde Bestandsaufnahmen, die sich im Titeltrack "Under fire" bündeln und zu einem Höhepunkt steigern. Die, die noch immer schlafen, können vielleicht geweckt werden. Würde sich lohnen, denn jeder einzelne gestörte Dornröschenschlaf könnte, eine winzig kleine zwar, aber immerhin positive Auswirkung auf das sinkende Schiff haben ... !!!

Dem aufmerksamen Zuhörer mag nicht entgehen, dass die Band, neben ihren vier Hauptdarstellern, auch die "Nebenrollen" kongenial zu besetzen weiß! Marion, die Sängerin von CoZaDe, darf Songs wie "One for the heat", "Nightline", "Nothing new" und vor allem "Under fire" unterstreichen. Dies ist sicher mehr als eine Seelenverwandtschaft und hört sich nach mehr an. Inzwischen scheint sie fest mit an Bord zu sein, und nicht nur deshalb darf man schon jetzt auf die nächste Veröffentlichung mehr als gespannt sein. Und auf die anstehende Tour 2007 sowieso ...

Fazit: Reggae aus Niedersachen. Aufregendes Debut. Da bleibt keiner sitzen ... !!!

 

Bewertung: 11/12
("Under fire": 12/12)

Thomas Lawall - Dezember 2006

 

 

Tracklist:

01. Killing fields
02. Through my eyes
03. Dead zone
04. Under fire
05. Dark lines
06. One for the heat
07. This way down
08. Nightline
09. A toast please
10. Nothing new
11. Turning the stones
12. Under fire - radio edit

Line-up:

Janine Klages: Keys
Jojo Schulze: Vocals, guitar
Peter Meister: Bass
Andreas Brühler (Dschingis): Drums, backing-vocals
Marion Wichterich: Backing-vocals


www.yallencybrown.com

 

 

 

 

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