NetZähler

 

CD-Review

QNTAL  "Silver Swan" (2006) - Limited Edition

Neue alte Musik


Bevor man die Scheibe überhaupt erst einmal gehört hat, wird man von optischen Eindrücken fast erschlagen. Die Limited Edition treibt es dann auf die Spitze. Allein das 32-seitige Booklet sucht seinesgleichen. Man kann sich gar nicht sattlesen und -sehen. Das phantastische Artwork von Brian Froud, dem Designer der Fantasy-Epen "Der dunkle Kristall" und "Das Labyrinth", sprengt Sehgewohnheiten und Vorstellungskraft gleichermaßen. Schon bevor auch nur der erste Ton erklingt, taucht man in eine Welt voller Rätsel ein und verliert sich in einem geheimnisvollen Mysterium.

Die Zeiten werden immer lauter. QNTAL werden immer leiser und feinfühliger. 1993 gegründet, zog die Mittelalter-Elektro-Band aus, um anspruchsvolle Popmusik und Wave mit uralten Klängen bekannt zu machen und zu verschmelzen. Experientelle Schienen werden mit dem fünften Album endgültig verlassen. Weniger ist oft mehr, und so enstand eine neue Welt - ein zeitloses Märchen.

Die Musik von QNTAL kennt keine Grenzen. Sie überschreiten diese, als ob es sie nie gegeben hätte. Ein eigenartiger Zauber liegt über den zerbrechlichen Klangbildern, die weitgehend mit akustischen Elementen erschaffen wurden. Zum Einsatz kommen Laute, Ud, Fiedeln, Glasharfe, Flöte und Drehleier. Elektronische Klänge wurden zu Nebendarstellern degradiert. Hier regiert kein verschwenderischer Tastenbombast, sondern ein filigranes Klangwerk, das höchste Aufmerksamkeit mit einfachsten Mitteln erreicht.

Je mehr das Instrumentarium heruntergefahren wird, umso intensiver wirkt die Musik. Einen großen Anteil daran hat natürlich die entrückte Stimme von Syrah, die in ihrer Magie vielleicht mit LOREENA MCKENNIT zu vergleichen ist ... ja und überhaupt werde ich permanent an deren Album "the mask an mirror" erinnert. Das war 1994 ... aber Vergleiche hinken bekanntlich, und dieser erst recht. Macht aber nix, denn irgendwie muss sich sowohl der Schreiberling, als auch der geneigte Leser, in etwa orientieren können. Und im Mainstream-Music-Land wird das immer schwieriger.

Wo war ich? Bei der Reduktion, ach ja. "Von den Elben" beweist ebenso wie "Falling Star" und "Winter", dass, wie schon gesagt, weniger einfach mehr ist, verdammt nochmal! Der Schlüssel zu unserem Herzen ist sehr klein ... !
Der Titeltrack markiert das bittere Ende, und spätestens hier muss ich kapitulieren, denn "Silver Swan" hat im Grunde keinerlei Rezension nötig. Worte sind nur noch Schall und Rauch ... und ich frage mich, wo die Reise des silbernen Schwans enden wird. So wie es scheint, sind seine Tage gezählt. Schon hat er einen nebeligen Horizont erreicht und gleich wird sich seine Spur verlieren. Ich glaube, ich werde ihm folgen ...

Fazit: Vertonte Magie. Zeitloses Märchen. Ein Werk für alle Sinne.

 

Bewertung 12/12

Thomas Lawall - Oktober 2006

 

 

Tracklist:  

Disk: 1
01. Monsieur`s Departure
02. Amis Raynaut
03. Levis
04. Von den Elben
05. Lingua Mendax
06. Falling Star
07. The Whyle
08. Winter
09. Altas Undaz
10. 292
11. Silver Swan


Disk: 2
1. Von den Elben [Single Edit]
2. Levis [Half Light Mix]
3. 292 [A Darker Shape Mix]
4. Veni [Filthy Floor Mix]
5. Rot
6. Enhanced Part:
Von den Elben Videoclip & Brian Froud Gallery

Line-up:

Syrah: Vocals
Michael Popp: Vocals, Fidel, Saz, Shalmei, Ud, Tar
Fil: Keyboards, Vocals, Guitars, Programming

 

 

 

 

Für Fragen, Kritik und Anregungen steht unser Forum zur Verfügung

Home News Literatur Gedichte Kunst Philosophie Schräg Musik Film Garten Küche Gästebuch Forum Links Impressum