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CD-Review

OBSIDIAN VOICE "taste of night" (2003)

Piano Dark Wave


Also, das hat ja mal wieder eine Weile gedauert, bis ich zu dieser Scheibe Worte gefunden habe... aber es ist nunmal außerordentlich schwierig, sich profaner Worte zu entledigen, wenn man spätestens beim 2ten Track jeweils bloß noch Rotz und Wasser heult...

Das Glück hat viele Farben, und doch beginnt alles in der Dunkelheit. Pechschwarze Äonen prägen unser trauriges Weltall und die Sekunde der Menschheitsgeschichte. Die sinn-, grenzen- und zeitlose Leere der Unendlichkeit tötete schon vor Urzeiten das zarte Aufkeimen einer Idee von Göttern und Schöpfern...
Dies haben natürlich nicht alle kapiert (was vielleicht gar nicht so schlecht ist), aber es ist ohnehin ohne jede Bedeutung. Immerhin öffnete das launige Universum den Vorhang für einen Moment und der Bruchteil einer Sekunde gehört unserem blauen Planeten - und einem noch winzigeren Bruchteil eines Moments gehört die lächerliche Evolution unserer jämmerlich unbedeutenden Existenz!

Was ich damit sagen will, entzieht sich in letzter Konsequenz meiner Kenntnis, denn uns Unbedeutenden bleibt unter dem Strich lediglich das Fünkchen Leben, was uns der Zufall der endlosen Oper freundlicherweise zugedacht hat. Wir blühen kurz auf, um uns sogleich im endlosen Kreislauf wieder zu verlieren - und doch ist genau DIES unser Zweck, der Sinn unseres Lebens! (Hurra!) Danach verblühen wir schlicht und fallen zurück in die ewige Dunkelheit. Hoffnung gibt es keine...

... aber es wäre -zumindest für den Moment- schlecht, wenn wir nicht wenigstens so tun können, als ob es eine solche vielleicht, evtl. möglicherweise DOCH geben könnte.

Die Illusion genau DIESER Hoffnung gewährt uns Obsidia, und sie sei endlos bedankt dafür. Denn genau in diesen verlorenen Momenten, die sie uns für kurze Zeit zurückbringen kann, zeigt das Glück all seine Farben...!

Ein paar technische Daten dieser außergewöhnlichen Eigenproduktion seien für Rookies, Schubladensurfer und interessiertes Fußvolk noch angefügt. Zweifellos dienten Kammermusik und klassisches Liedgut als Quell der Inspiration für diese Außergewöhnlichkeit, die sich "taste of night" nennt. Es kann in diesem Zusammenhang übrigens nicht von einer Reduktion auf das Wesentliche gesprochen werden, denn Obsidia hat mitnichten etwas zu reduzieren. Eine gigantische Instrumentalisierung benötigt sie einfach nicht!


Wer sich auf der Reise ins ICH befindet, braucht nicht viel Gepäck...!!!

Es reicht ein Klavier, die Stimme und Worte, die eigentlich Gedichte sind. Obsidia vertont menschliche Emotionen und verbindet sie mit Erinnerungen an Vergangenheit und Zukunft...

Diese Platte wandert(e) ohne Umweg über die Charts in meine ewige Bestenliste. Und wenn ich dereinst gehen muss, dann nehme ich diese Töne mit auf die Reise...
Vielleicht habe ich ja das Glück, dass mir jemand vor dem Fall in das ewige Dunkel, den Tod aus dem Gesicht küsst...  

... und vielleicht weckt mich ja jemand auf, der sich von meinen Dämonen nicht schrecken lässt...!

Für einen Atemzug leg' ich die Waffen nieder... und ich schneide ein Lachen aus meinem Gesicht...!!!

Fazit: Wunderschöne Auswegslosigkeit. Nie hat sich meine Sinnlosigkeit mehr berühren lassen! Closer to God werde ich nie mehr sein!! Ich spreche diese Platte heilig!!!

www.obsidianvoice.de

 

Thomas Lawall - Juni 2005

 

 

Tracklist:

1. Out Of My Head
2. Sleeping Bride
3. Lullaby
4. Jesus
5. Requiem
6. Obe
7. Schatten der Vergangenheit
8. Schneezart (feat. Chiara Luna)
9. Embrace Me (feat. Boheme Farouk Martini)

Line-Up:

Obsidia: Piano & Vocals

Guests:
Chiara Luna: Piano
Boheme Farouk Martini: Guitar & Vocals

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