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CD-Review

NOCTE OBDUCTA  "Nektar Teil 1:
Zwölf Monde, eine Hand voll Träume" (2004)


Art-Black-Metal


So! Endlich!! Nun nehme ich mir Zeit für ein Juwel der anderen "Art"... denn nix als Kunst bedeutet dieses Werk. "Meilenstein" wäre ein schlapper Allgemeinplatz, doch einen besseren gibt es wohl kaum, und es tut so richtig gut, mal wieder angesichts eines solchen, die Worte schlicht und einfach zu verlieren...

Lange habe ich überlegt, wie ich etwas beschreiben soll, was im Grunde unbeschreiblich ist. Seitenweise Müll habe ich produziert und letztlich dem Wolf zum Reißen gespendet...  

Nun verlangt aber die mir selbstauferlegte Pflicht, doch wenigstens die Verbringung einiger weniger aber gleichwohl ausgesuchter Worte, die meine Sprachlosigkeit halbwegs auszudrücken vermögen...

Die Overtüre ist ein gewaltiger Keyboardteppich, der absolute Harmonie mit bösesten Vorahnungen zu legieren weiß! Mit (Avantgarde-) Black werden wir dann zunächst "erschreckt"... weil dies das Intro einfach nicht erwarten lässt. Trotz aller Härte wird mit Breaks in stille Wasser nicht gespart, bis gar geheimnisvolle Geräusche aus Wald und Flur und ein trommelnder "Eingeborener" uns wiederum auf Abwege führen... aber kaum hat man sich in diesem Wohlklang verloren, bricht wieder die Hölle auf dieses Idyll... jaaaaaaaaaaaaaaaa...
... diese entsetzliche Zeitlupenstudie ist in ihrer gnadenlosen Dramaturgie wohl nicht zu überbieten. NEVER!!! "Ein ferner Duft von Flieder als der Tod uns holt..."

Weiter geht es mit der stockdüsteren Lyrikphantasie "In einem Mittsommernachtsschatten/Nocte Obducta". So 'ne Art Doom-Black vom allerfeinsten bildet den Rahmen für diese Ode an die Dunkelheit des Sommers. Deutlichste Floyd-Anleihen veredeln das ohnehin schon mehr als anspruchsvolle Epos, und auch hier sind die Texte erlesen und wiegen das zähe Todesblei sehr fein auf. "Von einem jeden Baum fließt Finsternis dem Boden zu..."

Kaum zu ertragen (im Sinne von verkraften), doch dazu bleibt eh wenig Zeit, denn der musikalische Bilderbogen rund um's Jahr geht ebenso munter wie gnadenlos weiter. Und es wird noch schlimmer! "Lenkte einsam meinen Schritt" steht für den Herbst. Millionenfach fallen (tonnenschwere) Blätter von schlaftrunkenen Bäumen, die des Lebens müde sind! Slow-Motion-Black der wahrhaftigen Ein"druck" macht! "Wind schwoll an in kalten Chören..."

Mit den Worten "Der sinkenden Sonne letztes Licht..." beginnt das Ende. Jetzt ist alles aus! Und DAS tut jetzt R-I-C-H-T-I-G weh!! "Dezembermond" ist einer der ergreifendsten Tracks, die ich j-e-m-a-l-s vernommen habe!!!! "Es klingen in Stille die endlosen Weiten..." uuuuaaaaaaahhhhh... ich möchte laut schreien, während ich erfriere...!!!!
Dieser Winter hat etwas Endgültiges. Ist es der Grabgesang des letzten Weges? Über den Schnee der unschuldigen Reinheit, welcher sich langsam und unerbittlich rötlich färbt ... "Lenke einsam meinen Schritt ich..."

Eine der besten Platten dieser verdammten Welt!

Fazit: Zeitlos. Endlos. Fassungslos...!!!

 

Thomas Lawall - September 2005

 

 

Tracklist:

Einleitung: Zwölf Monde
Frühling: Des schwarzen Flieders Wiegenlied
Sommer: In einem Mittsommernachtsschatten / Nocte Obducta
Herbst: Lenkte einsam meinen Schritt
Winter: Dezembermond

Line-Up:

Marcel Va. Tr.: Gitarren / Vox
Matthias: Schlagzeug
Torsten, der Unhold: Vox
Steffen:Emanon: Keys / Vox
Martin: Bass
Thomas: Gitarre

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