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CD-Review

MACHETE  "Antithese" (2006)

Hardcore-Crossover


Aua, ist das ne kranke Mucke. Die Chaostheorie lebt! Auf den ersten Blick verspricht das wüste Durcheinander einen nicht unanstrengenden Hörgenuss, doch MACHETE begeistern umgehend mit einem Reichtum an Brachial-Breaks, dass einem schier die Eier am Boden schleifen. Das ist eine Indie-Metal-Trash-Punk-Groove-Hardcore-Planierraupe der Marke Allesplattmach!

Mit "Trauma" (!) brettern MACHETE sofort in die Vollen und machen dem Bandnamen alle Ehre. "Habe die Einöde satt - das gelebte deutungslos ... lauf ich doch in einem Rad." Hier wird keine künstliche Wut zelebriert, denn auch "Aeonen", Antithese, "Ex Golghata" und "Plusminusnull" überzeugen sowohl musikalisch als auch textlich auf der ganzen Linie. Im Haus MACHETE werden Emotionen gekocht und auf großer Flamme gehalten!   

Nix Neues? Doch, Herrschaften, denn die Manners aus dem Ruhrpott nehmen nicht nur das Maul gestrichen voll, sondern sie beziehen klar Stellung und tapezieren die Bude mit gesellschaftskritischer Rauhfasertapete von oben bis unten zu. Die extrem ausdrucksstarken Vocals rotzt die Kotze zudem nicht nur raus, sondern erfreut sich auch noch einer klaren Aussprache. Fast jedes Wort darf, soll und muss also verstanden werden!

Zur gepflegten Verbalschlacht gesellt sich ein Hammersound, der einem die Blutwurst vom Brötchen bläst. Der Meister am Bass darf das rauhe Gelände mit einem breiten Fundament zubetonieren, an der Gitarre beeindruckt er mit einem Kettensägenaufsatz und die Drums kommen mit der beängstigenden Präzision einer imaginären Kriegsmaschinerie. Die Songstrukturen sind einfach atemberaubend und lassen nebenbei völlig vergessen, wie man Langeweile buchstabiert!

"Aeonen" ist "Gift für meine Seele" und gleichzeitig Balsam für meine Öhrchen. Ja, genau so stelle ich mir einstürzende Wohnsiedlungen vor, die nicht anderes symbolisieren als hilflose Wut. "Das Wahre ist vergilbt, Aeonen vergehen ..."!
Links und rechts hinter die Ohren gibts (auch) in "Ex Golghata", einem groovigen Gebirge aus purer Ohnmacht. Und neben all der maßlosen Enttäuschung und wütenden Anklagen, fordern die Jungs auch durchaus heraus und werfen Nachdenkliches in den Raum: "... Säkular das Leid der ersten Welt, Welten gibt es eigentlich nicht ..."!

Die kreativen Berserker beenden ihr zweites Demo mit "Plusminusnull", und nachdem sie noch einmal alle Register gezogen haben, endet das Stück überraschend verträumt und fast jazzig verproggt. Oha, man höre und staune! Das kann nur bedeuten, dass es sich hier um eine Art offenes Ende handelt. Bei einem derartigen Ideenreichtum wird wohl das nächste Demo nicht lange auf sich warten lassen."Der Alltag gibt den Rest, ist das Leben nicht lächerlich. GLEICHWOHL GLEICHNICHT, GLEICHHEIT GLEICH NICHT" ...
Besser wäre natürlich ein Deal, den die Jungs mehr als verdient hätten. Ein Label erbarme sich!!

"Vielleicht ist alles zu spät, vielleicht auch nicht!"

Zu spät ist es auf keinen Fall für das Demo, welches auf der Bandpage für lächerliche 5 Euro (incl. alles) zu ordern ist. Niemand sollte sich das künftige Sammmlerstück entgehen lassen!

Fazit: Wutschnaubende Zornestränen. Traumatisiert, unbändig aber gnadenlos ehrlich!

 

Bewertung 11/12

Thomas Lawall - Oktober 2006

 

 

Tracklist:  

1. Trauma
2. Aeonen
3. Antithese
4. Ex Golghata
5. Plusminusnull

Line-up:

ROLAND N.: Vocals
STEPHAN: Guitar, bass
TOM: Drums


www.machete-inferno.de

 

 

 

 

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