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CD-Review

KAIPA "Mindrevolutions" (2005)

Art-Rock


Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln - weil ich's einfach nicht begreifen kann. Was ich nie ernsthaft auch nur ansatzweise in Erwägung zog, ist nun DOCH eingetroffen: Eine Band hat YES-Niveau nicht nur zitiert, gestreift oder sonstwie verwurstelt, sondern ERREICHT! Ja, ich kann's kaum glauben und doch wird es bereits bei den ersten (fünftausend) Tönchen des Acht-Minuten-Openers "The Dodger" mehr als klar! Lange nicht mehr so gestaunt! (Kaum habe ich die Scheibe von Herrn Bodin einigermaßen verdaut, geht das nun schon wieder los!)

Ein Full House nach dem anderen explodiert mir in den Gehörgängen. Gnaaaaade! ...Verletzungsgefahr besteht allerdings nicht, denn hier wird nicht scharf geschossen...

Bei dieser Platte bleibe ich in der genannten Schublade, denn da werde ich eh nie wieder rauskommen. Außerdem sind die zahllosen Querverweise derart überdeutlich - ob es nun Erinnerungen an die "Happy-go-lucky"-Gitarre von Steve Howe oder die Squire'sche Bassdominanz sind, spielt schon fast keine Rolle mehr.
KAIPA verstehen es auf eine geradezu wundersame Weise, den Art-Rock der 70er einerseits zu "leben" und andererseits würdevoll zu entstauben, völlig neu zu interpretieren und dabei so ganz nebenbei die verschiedenen YES-Epochen zu ganz erstaunlichen Berührungspunkten zusammenzuführen! Die ganz eigene Sichtweise von Zeit und Raum bildet den grandiosen Rahmen für dieses progressive Schwergewicht. KAIPA verschmelzen symphonischen Progrock mit Jazz-Rock-Passagen, erinnern hier und da auch an die heiter-seltsamen Strukturen der frühen Genesis und erfreuen uns mit den bezaubernden Leistungen von Sängerin Aleena...

Das Jahr neigt sich dem Ende - die Vöglein schwärmen aus...  Es wird auch für mich Zeit, mal wieder zu schwärmen...  

Endlich ist da wieder eine Scheibe, die permanent an schon so oft Gehörtes erinnert sowie zum Nachschlagen anregt (ja auf welcher YES-Platte hab' ich denn das schon mal gehört?) und auf der anderen Seite mit einer geradezu erfrischenden eigenen Note völlig neue Dimensionen öffnet!

Allein das schon angesprochene erste Stück ist ein YES-Potpourri-Fragment von "Topographic Oceans" (1974) bis... hmmm, na vielleicht "Talk" (1994)...? Grandios... und ich kann einfach nur mit dem Kopf schütteln... denn bei jedem Hördurchgang kann ich es kaum glauben, dass da noch NEUN weitere Stücke folgen...!!! 

Ach was soll's - das ist einfach ein verdammtes Überraschungs-Ei... und ich will und kann jetzt keinen Roman verfassen, denn das geht mir alles an Hörzeit ab...

Fazit: Ergreifende Wundertüte! Der Art-Rock lebt!! Schon jetzt ein Denkmal!!!

 

Thomas Lawall - September 2005

 

 

Tracklist:

01. The Dodger
02. Electric Leaves 
03. Shadows of Time 
04. A Pair of Sunbeams
05. Mindrevolutions 
06. Flowing Free
07. Last Free Indian
08. Our Deepest Inner Shore 
09. Timebomb
10. Remains of the Day

Line-Up:

Hans Lundin: Keyboards & vocals
Roine Stolt: Electric & acoustic guitars, percussion & vocals
Morgan Ågren: Drums
Jonas Reingold: Fretless & Yamaha custom basses
Patrik Lundström: Vocals
Aleena: Vocals

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