CD-Review

GROUNDATION  "Dub Wars" (2006)

Dub


Was ich jetzt damit anfangen soll, weiß ich nicht so genau. Kommt mir alles so bekannt vor. Und tatsächlich handelt es sich bei "Dub Wars" um neu arrangierte Songs von den Alben "Hebron Gate" (2002) und "We Free Again" (2004), wenn ich die (winzige) Info auf der Bandpage richtig verstanden haben sollte.
Absolut nicht lustig ist die Tatsache, dass man den Songs auch noch andere Namen verpasst hat. Sieht also auf den ersten Blick wie ein "neues" Album aus! Aus "Babylon Rule Dem" (Hebron Gate) wurde z.B. "Ruling Dub", "Weeping Pirates" heißt jetzt "The Dragon" und aus dem ausdrucksstarken "Silver Tongue Show" wurde ein kastriertes "Elements". Was soll das?

Dub ist zweifellos eine bedeutende Spielart des Reggae. Dieses Zerfleddern von Melodien und das Umsortieren zusammengemixter Bruchstücke empfand ich aber schon immer als außerordentlich ermüdend, auch in anderen Genres. Und dann dieser unsägliche Echokram. Nix passt hier letztendlich zusammen (wenn man die Originale kennt!).
Klar, die Geschichte des Dub ist nicht ganz uninteressant. In den 60er Jahren presste man auf die B-Seiten jamaikanischer Singles die stimmbereinigten Instrumentalversionen und erfand somit den Remix. War gar nicht so einfach, denn nicht einmal Vierspur-Bandgeräte gab es damals und von digitalen Faxen wagte erst recht niemand zu träumen. Die ersten Soundakrobaten KING TUBBY und LEE PERRY haben sich bis heute Kult-Status erhalten können ...

Sorry, für mich sind die Songs aber einfach nur auseinandergerissen und in einen neuen, künstlichen Zusammenhang gestellt worden. Die Songs wurden vergewaltigt und kaputt gemischt. Der ursprüngliche Zauber existiert nurmehr in Spurenelementen oder verliert sich in irgendwelchen Halleffekten.

Achtung! Die Soundqualität von "Dub Wars" ist allerdings überragend!!! Und letztlich geben die Tracks einen guten Einblick in die Song-Strukturen der Band bzw. legen deren Aufbau frei. Groundation sozusagen im zerlegten Baukastensystem. Als Bonus-CD wäre das Werk ein Schmankerl und für Insider und Tüftler ist sie ein wahres Eldorado. Für Otto-Normal-Rastaman und/oder solche, die ein grundlegend neues Studio-Werk erwartet haben (so wie wir!) aber ebenso langweilig wie enttäuschend, ja fast nervig.

Wie sang Melanie einst so ergreifend: "What have they done to my song..."

Fazit: Aufguss. Dub-Zaubereien. Nur für Freaks.

 

Bewertung 4/12
(Sound: 12/12)

Thomas Lawall - Juli 2006

 

 

Tracklist:  

01. Ruling Dub
02. Don's Intro
03. Elders Dub
04. The Dragon
05. Elements
06. Dub Rise
07. Dub Them Well
08. The Mountain
09. Feel Jah's Dub
10. The Seventh Dub

Line-Up:

Harrison Stafford: vocals, guitar, Nyabinghi, percussion
Ryan Newman: bass
Paul Spina: drums, percussion
Marcus Urani: organ, piano, rhodes, analog keyboards, melodica, percussion
David Chachere: trumpet
Kelsey Howard: trombone

 

 

 

 

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