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CD-Review

ESOTERIC "Epistemological Despondency" (1994 - Remastered 2004)

Ultra-Doom


Dunkel wars, der Mond schien helle, als ein Auto blitzeschnelle, laaaaangsaaaam um die Kurve fuhr ... ! In diesen düsteren Dezembertagen sollten wir in uns gehen und uns an Tage erinnern, die noch weitaus dunkler waren. Zwölf Jahre ist es schon wieder her, als ESOTERIC mit ihrem eigentümlichen Debut das trügerische Licht der Welt erblickten.

Spaciges Geräuschwerk á la HAWKWIND oder so ähnlich und die Tonleiter rauf und runter krabbeln kommt zwar auf die Dauer recht öde, aber zum (geistigen) Abschalten ist die DoCD dennoch gar nicht mal so schlecht. Auf Dauer aber leider zu langweilig. Doch das wäre zu einfach formuliert ...

Tief gestimmt ist nicht nur das Instrumentarium, sondern auch der Hass auf Gesellschaft, Monarchie, Politiker, Regierung ... und überhaupt auf jeden Idioten, welcher der sog. Autorität folgt, ohne die geringsten Fragen zu stellen ("Only hate"). Hier kriegt jeder sein Fett weg, aber die Herrschaften scheuen den Weg hinter die eigenen Kulissen nicht ("Lamented Despondency"), denn dort gibt es schon genug Schmerzen.

Doch oh Wunder: Nach dem Genuss der beiden Düster-Platinen ist man quasi geheilt und defragmentiert zugleich. Als ob einem eine schwere Last genommen wurde. Die Teile sollten deshalb in keinem Behandlungszimmer für Depressivheimer Dauergrübler fehlen. Nü ja - gewisse Risiken und Nebenwirkungen wären allerdings nicht ganz auszuschließen, denn wer dieses psychotisch-psychedelische Dramolett falsch versteht, könnte sich durchaus spontan die Klippe geben.

Also, ich empfinde ja den Sangesvortrag auch und vor allem so als die Krönung der Schallmatte. Greg "singt", als ob er eine fundamentale Zahnbürste im Maul hin und her schiebt und gleichzeitig mit einer Mundspüllösung gurgelt! Doch nicht nur das, denn das Zahnfleisch scheint sich rückentwickelt zu haben, und an manchen Zahnruinen ist auch noch die Füllung rausgefallen. Dies verursacht ein tierisches Kreischen, wenn Bürstchen und kaltes Wasser auf den Punkt treffen, und in Verbindung mit o.g. Intonationshilfen ergibt sich dann dieser unverwechselbare Sound.

Aber nicht nur Greg, sondern auch seine vier Kollegen sind nicht gerade sehr gut gelaunt, und gemeinsam hat man sich den tiefsten Keller zum Lachen ausgesucht. Die Birminghamer Tieftaucher haben mit "Epistemological Despondency" zweifellos ein Zeichen für die Ewigkeit gesetzt. Extremer Doom-Monumentalismus für Insider!

Fazit: Zeit- und hoffnungslos! Kultige Slow-Emotion!! Die reine Leere!!!

 

Bewertung: 10/12

Thomas Lawall - Dezember 2006

 

 

Tracklist:

(Disc 1)
1. Bereft
2. Only Hate (Baresark)
3. The Noise of Depression

(Disc 2)
4. Lamented Despondency
5. Eradification (of Thorns)
6. Awaiting my Death

Line-up:

Bryan: Bass
Gordon: Guitar, Synth
Greg: Vocals
Simon: Guitar
Stuart: Guitar
Darren: Drums

 

 

 

 

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