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CD-Review

ANTAGONIST "Demons" (2006)

(Prog-)Thrash


... oder was? Na ja, reichlich übertrieben ... aber zunächst mal ein anderes Thema. Ja, wird denn jetzt gute Musik schon verschenkt bzw. kann man sie "NUR" noch verschenken? Zwar verkauften sich die ersten drei Scheibletten der Bremer Stadtmusikanten gar nicht mal schlecht, inzwischen gibt's "New Zombie Dead" (MCD 2002), Perfect Human Comprehension (1999) und "Mosaik" (MCD 1992) aber für umme zum Runterladen!

Ebenfalls kaum zu fassen, dass der vierte Streich für schlappe 5 Euro (+2 Euro Versand) zu haben ist, Leute. Diese Breitseite gilt es aber schnellstens im Original zu ergattern, weil dieser Fels in der Brandung seinesgleichen (vergeblich) sucht! Das Teil geht ab wie mein Bollerwagen auf der Großglockner-Hochalpenstraße (Südhang), nämlich quer und kerzengerade durch die Rabatte abwärts!

Letztens waren wir auf den Dinkelsbühler Flugtagen, auch SUMMER BREEZE genannt, und nun ist mir endlich klar, was am Donnerstag gefehlt hat. Irgendwie starrte man zu später Stunde verwirrt auf die leere Bühne, und ich/wir haben uns deshalb einigermaßen unbefriedigt auf die Suche nach unserem Bärlingo gemacht. Heute sind wir schlauer, denn ANTAGONIST als Headliner wären der i-Punkt gewesen, und zwar gefälligst n-a-c-h KREATOR und KATATONIA!  Nü ja, was noch nicht ist, kann ja noch werden, gell? Denn "Demons" dürfte jetzt endgültig Zeichen gesetzt haben!!

Also Herrschaften, das hat jetzt null Komma gar keinen Sinn, hierdada einzelne Tracks aus dem Konsens zu heben, denn erstens gibt's den gar nicht und zweitens existieren keinerlei Durchhänger auf dem Klangwerk. OK, fast keine. Volle Punktzahl gibt es auf jeden Fall (in der Theorie). Ein Pünktchen Abzug stelle ich aber in Rechnung, denn der Meister an den furztrockenen (besonders in "The Next Killing Generation) Schepper-Drums arbeitet unter Wert bzw. kommt deutlich unter seinen Möglichkeiten rüber. Sicherlich nicht ganz im Sinne der Erfinder, letztendlich unterstreicht dieses produktionstechnische Manko(chen) aber den (noch vorhandenen) Charme einer waschechten Eigenproduktion. Das dürfte bald Vergangenheit sein ...

Inhaltlich gibt es nix zu meckern. ANTAGONIST zelebrieren eine Art 16:9-Thrash, der sich von einem Dinosaurier-Break zum anderen hechtelt. Die kreativen Death'n'Thrash Metaller haben so ganz nebenbei von Prog bis Proll alles im Tank, was man sich nur vorstellen bzw. zapfen kann. Man fährt Super Plus, überholt sich hier und da selbst, aber auch auf der mittleren Spur gibt's ordentlich Gummi. Die Herrschaften haben sich und ihre Agressionen voll im Griff. Es regieren Einfallsreichtum und Abwechslung ... und eine Riesenenttäuschung, wenn die Schruppscheibe schon nach 30 Minuten das Zeitliche segnet. Da hilft nur eins, nähmlich dem Wiederholzwang umgehend Folge zu leisten.

Überschaubar ist diese gnadenlose Heizmatte im ersten Moment nicht. Im zweiten auch nicht. So ohne weiteres folgen kann man den Nord-Germanen also keinesfalls, es sei denn, man schnallt sich einen kapitalen Geländewagen auf den Bauch!!! Wem das alles zu kompliziert ist, dem biete ich eine stark vereinfachte Formel an:

DESTRUCTION x KREATOR = ANTAGONIST

Die Techniker vor dem Herrn lassen absolut nichts anbrennen und kontrollieren ein unglaubliches Chaos! Wenn jetzt nicht umgehend ein Label anbeißt, dann versteh ich die Welt nicht mehr! Wer derart eigenständig bellt, den sollte man nicht mehr frei rumlaufen lassen. Zu guter Letzt will ich doch noch einen Track unterstreichen. "Mondblut" wird komplett in deutsch vorgetragen bzw. gerotzt. Das kommt derart gut, dass ich meiner inständigen Hoffnung Ausdruck verleihen darf, dies möge doch in Zukunft etwas ausgebaut werden. Die "saubere" Intonation in "Usurpation" sollte ebenfalls in diese Überlegungen mit einbezogen werden.

Also, jeder Krea-Tor ist gut beraten, sich zwei Pfund Rohrfrei in die Ohren zu stopfen, die Felle neu zu besohlen, und anschließend die Defragmenteuse sausen zu lassen. Damit wäre dann der Weg frei für eine abenteuerlich abstruse Reise vom "Silverstream", über eine Visite beim "Beastmaster", bis hin zum Ende der Menschheit und zur nächsten "friedlichen" Generation ... ! Same old Story? Kann schon sein. Macht aber nix - die Evolution ist halt in vollem Gange. Immer noch und immer wieder.

Fazit: Demons are the girls best friend. Schöner den Bach runter rennen mit ANTAGONIST!

 

Bewertung 11/12

Thomas Lawall - Oktober 2006

 

 

Tracklist:

1. Under A Silverstream
2. Incessant Rain
3. Civitas Dei
4. Beastmaster
5. Mondblut
6. Usurpation
7. The Fall Of Mankind
8. The Next Killing Generation

Line-Up:

Michael Simon: Vocals
Stefan Berenthal: Guitars
Thomas Kattwinkel: Bass
André Gertjejanßen: Drums


www.antagonist.info

 

 

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