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CD-Review

AHAB "The Call Of The Wretched Sea" (2006)

Doom Metal


Also, meine sehr verehrten Herrschaften, DAS ist jetzt endlich mal wieder eine Platte, die nicht nur permanente Gänsehaut garantiert, sondern mich auch noch zu meinem ganz speziellen Kopfschütteln veranlasst! Und das passiert mir bei nicht gerade vielen Platten, weshalb ich wieder einmal etwas weiter ausholen möchte.
Bei so Genialitäten wie z.B. YES, WAGNER, VIRGIN BLACK, IN VAIN,  NOCTE OBDUCTA, RIVERSIDE, FJOERGYN, THE TANGENT, OSI, SCAPA FLOW oder SHOCKWAVE RIDERS ging und geht es mir ähnlich. Hä? Wie das? Ganz einfach, denn das zitierte "Headbanging", welches sich in diesem Fall eher von rechts nach links bewegt, bedeutet nichts anderes als ratlose Fassungslosigkeit, gepaart mit einer vielleicht naiven Begeisterungsfähigkeit, die ich mir nach fast 50 Jahren Haft in diesem Leben, immerhin noch erhalten habe. Dieses unbeschreibliche "Das-darf-doch-nicht-wahr-sein-Gefühl" kenne ich seit meinem 16. Lebensjahr. In SWF3 spielten sie YES. Das war 1973. Im Laufe meines weiteren Lebens sollte ich erfahren, dass dieses Gefühl an keinerlei Musikrichtung gebunden ist! Keine einseitige Fixierung also. Die oben Genannten haben musikalisch nichts gemeinsam und doch eint sie etwas, was nicht unbedingt in (sinnvolle) Worte zu fassen ist. Meine Verehrung wäre ein Anfang ...!

100% Gänsehaut ist, wie gesagt, auch mit AHABs "The Call Of The Wretched Sea" garantiert! Das soll hier vorerst einmal genügen ...

Zur Sache: AHAB sind Christian Hector und Daniel Droste (MIDNATTSOL) sowie Stephan Adolf (ENDZEIT). In ihrem ehrgeizigen Projekt entwarfen sie mit "The Call Of The Wretched Sea" einen Soundtrack zu "Moby Dick" von Herman Melville. 1851 veröffentlicht, erzählt der Roman die Geschichte eines rachsüchtigen Kapitäns, der in wahnsinniger Selbstzerstörung einen weißen Wal jagt. Doch hinter der Story steckt weitaus mehr, denn sie entwickelt sich zu einem Symbol des Menschheitskampfes an sich, dem vergeblichen Wähnen, den wahren Sinn aller Dinge zu ergründen!

Doch die Fakten sagen nix aus, denn dieses deftige Konzeptalbum sprengt erstens den Rahmen der literarischen Vorlage, und zweitens dem mit offenem Maul dastehenden Zuhörer die Vorstellungskraft! Diese pechschwarze Fregatte ist zu 100% tiefer gelegt. Da gibt es fast keinerlei "Bodenfreiheit" mehr. Die offene Reling liegt nur wenige Zentimeter über der Wasserlinie - das kann unmöglich gut gehen. Längst hat die tobende See Schiff und Mannschaft dem Untergang versprochen. Vorbram-, Großbram- und Kreuzbramsegel sind zerfetzt, Klüverbaum und Besanausleger abgerissen und lange hält der Großmast den wütenden Naturgewalten ebenfalls nicht mehr stand. Der Mensch wird den Kampf gegen sich selbst letzlich verlieren ...

AHAB setzen neue Maßstäbe für den Funeral Doom. Die MIDNATTSOL Folk-Metaller fahren hier einen komplett anderen Kurs. Dieser kapitale Dreimaster segelt in Gebiete, die weder Gnade kennen, noch Zeugen flüchten lassen. Ein rabenschwarzes Loch hat sich aufgetan, und niemand wird entkommen (wollen, höhö!). Im Beipackzettel lese ich "ohne überflüssigen Bombast". Muahaha, da kann ich nur lachen, denn die gesamte Platte besteht aus Bombast pur! Mächtig verzerrte Gitarrenwände, welche die Eiger Nordwand wie einen Maulwurfshügel aussehen lassen, und ein entsetzliches Gurgeln locken und reißen alles in die Tiefe. Nicht nur das Schiff, die "Pequod", sondern die ganze Welt scheint zu Grunde zu gehen. Aber gaaaaaanz langsam bittesehr. Dieses knallharte, rabenschwarze Untergangszenario hat was. Man möchte sterben.

Aber nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder ...

Fazit: Schöner segeln mit AHAB! Grandioser Tief(see)stapler. Untergang in Zeitlupe.

 

Bewertung 12/12

Thomas Lawall - September 2006

 

 

Tracklist:  

1. Below The Sun
2. The Pacific
3. Old Thunder
4. Of The Monstrous Pictures Of Whales
5. The Sermon
6. The Hunt
7. Ahab's Oath

Line-Up:

Daniel Droste: Guitars, voices, synths
Stephan Adolf: Bass, background-vocals
Christian Hector: Guitars


www.ahab-doom.de

 

 

 

 

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