Literatur

Wir wollen nicht klagen
Sölden und Söldner in Bayerisch-Schwaben

Herausgegeben von Katharina Wischer und Ida Maria Vollmar
Schwäbisches Freilichtmuseum Illerbeuren


128 Seiten
© 2026 by Schwäbisches Freilichtmuseum Illerbeuren und
Verlagsbüro Wais & Partner GbR, Stuttgart

Kommission und Vertrieb
Gmeiner studio, Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch
ISBN 978-3-7801-1039-8



Der Untertitel des 4. Sammelbandes des Schwäbischen Freilichtmuseums Illerbeuren verwirrt zunächst, denn wie mögen denn "Söldner" mit der Fotografie eines bäuerlichen Anwesens in Zusammenhang zu bringen sein?

"Wir wollen nicht klagen" widmet sich einer Bevölkerungsgruppe, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Rasch zeigt sich, dass sich unter dem Oberbegriff "Bauern" dereinst auch Menschen eines anderen Standes befanden, die nicht selten ein Leben führten, welches heute, zumindest im westlichen Kulturkreis, kaum mehr vorstellbar erscheint.

Unter "Söldnern" verstand man Bewohner/innen einer "Sölde", einem einfachen Haus, die eine sehr überschaubare landwirtschaftliche Fläche, "Sölden" genannt, bearbeiteten, davon aber keinesfalls ihren gesamten Lebensunterhalt bestreiten konnten.

Um die Familie zu ernähren, waren zusätzliche Tätigkeiten als Tagelöhner, Handwerker oder Teilzeitbeschäftigungen auf größeren Höfen unabdingbar. In der sozialen Rangordnung standen sie "zwischen den wohlhabenden Bauern und den Dorfarmen".

Das Buch versteht sich als Beitrag zur Erweiterung historischen Wissens und rückt einzelne Häuser und das Leben der Menschen, die sie bewohnten, in den Vordergrund.

In Sachen Baugeschichte, unter besonderer Berücksichtigung der fortlaufenden Renovierungs- und Umbauarbeiten, nimmt das Buch in Teilen einen sachbuchartigen Charakter an, was das Allgemeinwissen der Leser/innen mitunter etwas überfordert, denn wer weiß schon, oder noch, um was es sich beispielsweise bei "Bundständern", "Gefache", "Staken" oder einer Frieszone" handelt.

Besonders interessant sind diese Passagen trotzdem, insbesondere dann, wenn sich die Mühen der Forschungen offenbaren, allein wenn es um eine Rekonstruktion verschiedener Innenanstriche geht. Hier kommt es vor, dass sich unter zentimeterdicken Anstrichen "bis zu 150 Kalktüncheschichten" verbergen, nachzulesen im Kapitel "Farbe braucht der Mensch - Die Wandgestaltung der Sölde Deiningen, 1660 bis 1992".

In jener Sölde sind vom 17. bis ins 20. Jahrhundert nachweislich 17 Besitzer eingetragen. Dies alles nachzuweisen und die entsprechenden Melderegister teilweise erst einmal zu finden und zu sichten, zeugt von einer aufwändigen Recherchearbeit, welche durch die zahlreichen Fußnoten Kapitel für Kapitel belegt wird.

Und diese bilden einen gewissen Spannungsbogen, denn nach den baulichen Forschungsergebnissen folgen jene, die das Leben der Menschen genauer beleuchten, von ihren mannigfaltigen Alltagsroutinen bis hin zu Belegen "protestantischer Glaubenswelten".

"Wir wollen nicht klagen" ist eine ebenso breit angelegte wie hochinteressante Spurensuche nach Leben und Menschen einer nahezu vergessenen Zeit.

 

Thomas Lawall - August 2026

 

 

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