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Literatur

White Line Fever
Die Autobiographie


von Lemmy Kilmister


368 Seiten
© 2002, 2016 by Ian Fraser Kilmister und Janiss Garza
© 2018 dieser Ausgabe
by Wilhelm Heyne Verlag, München
www.heyne-hardcore.de
ISBN 978-3-453-67727-2



Also gut Herrschaften. Wie gewöhnlich, habe ich mir während der Lektüre einige Notizen gemacht. Einige? Nü ja, eigentlich sind es sehr viele geworden. Ziemlich viele sogar. Mehr, als diese Rezension verkraften würde. Eingeteilt in Rubriken wie "Zitate", "Psychologie", "Lebensberatung", "Humor", "Sex" oder "Kurioses"...

Diese Zettelwirtschaft habe ich jetzt vor mir liegen und suche verzweifelt nach einem Anfang. Das Ende übrigens auch, da, ebenfalls wie gewöhnlich, Notizen und Entwürfe für das Fazit existieren. Hat aber wenig Zweck, denn eigentlich müsste man das komplette Buch zitieren (obwohl es an nicht wenigen Stellen alles andere als zitierfähig ist!). Besser noch: in ohrenbetäubendem Lärm vorlesen!

Warum? Na damit diese verdammte Autobiographie niemand verpasst oder überhört oder wie auch immer! Man muss nicht mal ein Motörhead-Fan sein, um seinen Spaß mit diesem Machwerk zu haben. Das ist alles original, kommt von Herzen, ist ungekünstelt und bodenständig ... na gut ... auf eine sehr spezielle Art selbstverständlich.

Zum Inhalt: Klar, dass Hotelzimmer mitunter recht gut beheizt sind. Besonders wenn die Matratze brennt. Songtexte müssen nicht unbedingt Sinn machen und ein Leben "fern von Gemüse" geht auch. Ein wenig seltsam wird es lediglich, wenn man ein Buch liest, "auf Seite 42" umblättert, jedoch plötzlich bemerkt, dass da gar kein Buch ist.

Okay, im Ernst jetzt, selbst Menschen, die dringend eine Partnerberatung brauchen, werden in dieser ganzheitlich orientierten Lektüre auf ihre Kosten kommen. Ach was, sie werden in einer Sekunde geheilt. Wozu elend lange Sitzungen in der Familientherapie oder beim Psychiater? Die Lösung ist einfach: Erst gar nichts gemeinsam anfangen, denn "eine Beziehung zu haben ist tödlich für die Beziehung".

Nun gut, das hat alles keinen Sinn mehr, eine ordentliche Rezension wird das hier eh nicht mehr, deshalb mal ganz was anderes. Ein Aufruf: Schmeißt eure Fernseher weg. Ihr habt Kinokarten? In den Müll damit. Den Besuch der Oper ebenfalls absagen. Den Urlaub stornieren. Bücher auf die Warteliste. Besorgt euch die ultimative Lebensgeschichte vom Meister der gepflegten Intonation. Man sollte Gott auf Knien "mit Tränen in den Augen" für dieses Buch danken (ursprünglich 2002 erschienen, aber um die traurige Wahrheit aktualisiert) - so wie Lemmy damals, als jenes junge Mädchen sich ihrer Klamotten entledigte.

Gut, man könnte auch etwas zum Schreibstil bemerken. Wie das die Blogtanten machen. So nach dem Motto "Gut zu lesen", "flüssig geschrieben" oder ähnliche Flachkonstrukte. Kann im Prinzip aber ganz schnell abgehandelt werden, denn "White Line Fever" hat weder einen Schreibstil noch einen Stil überhaupt. Es hat "Lemmy". Fertig.

Eine Autobiographie, die weit über das hinausgeht, was das Genre üblicherweise hergibt. Gesellschaftliche und politische Seitenhiebe sind ebenso voll integriert wie Lebens- und Partnerberatung, eine Generalabrechnung mit einer Plattenfirma, sowie ein Leitfaden für gesunde Ernährung. Und überhaupt:

Geschichten, die das Leben schrieb, sind immer gut. Geschichten die Lemmy schrieb - besser!

 

Thomas Lawall - November 2018

 

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