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Literatur

Wenn das Licht gefriert


von Roman Klementovic


346 Seiten
© 2020 - Gmeiner-Verlag
www.gmeiner-verlag.de
ISBN 978-3-8392-2770-1



"Es tut so weh". Monika scheint am Ende ihrer Kräfte zu sein. Auch wenn der gewaltsame Tod ihrer Tochter Anna bereits 22 Jahre zurückliegt. Eine Fernsehsendung, die sich mit unaufgeklärten Verbrechen beschäftigt, kippt zusätzlich Öl ins Feuer. Leider lösen die, wenn auch bekannten, Fakten einen so nicht erwarteten Flächenbrand aus ...

... der sich zunächst in der Familie von Annas bester Freundin Valerie entzündet. Deren Mutter Elisabeth glaubt zunächst, ihren Ohren nicht zu trauen. Ihr Mann leidet an der Alzheimerkrankheit, doch wenn er plötzlich Details einer Mordsache erwähnt, die er als vermeintlich Unbeteiligter eigentlich nicht wissen kann, macht er sich mehr als verdächtig. Wenn dieser Umstand aber bereits im Klappentext nachzulesen ist, kann es sich nur um eine falsche Fährte handeln. Oder etwa doch nicht?

Diese und ähnliche Fragen ziehen sich fast durch die gesamte Geschichte, da irgendwann in diesem Puzzlespiel mit verdeckten Teilen jeder jeden verdächtigt, denn Motive gibt es jeweils wahrlich genug. Allerdings werden selbige oft genug wiederholt und nicht selten verliert man den Überblick, wenn beispielsweise ein und dieselbe Szene aus anderen Blickwinkeln erzählt wird.

Unsicherheiten im Ausdruck oder genretypische Allgemeinplätze, wenn mehrfach "Schmerz explodiert" usw., stören gelegentlich, doch das Talent des Autors, Dialoge bis ins kleinste Detail auszubalancieren, gleichen die Minuspunkte nahezu wieder aus.

Im letzten Drittel des Buches hat man eh keine Zeit und Lust mehr, über Stilistisches nachzudenken und abzuwägen, da man aufgrund des sich rasant steigernden Erzähltempos befürchten muss, aus dieser Geschichte kopfüber herauszufallen, um sich sämtliche Knochen zu brechen. Man muss es jetzt wohl bis zum bitteren Ende durchziehen ...

Fazit: Perfides Spiel um Ausgelassenes und Unausgesprochenes, das am Ende ebenso gewöhnungsbedürftig wie unkonventionell eskaliert und mit einer zweiten "Schlusspointe" noch ein weiteres Ass aus dem Ärmel zieht.

 

Thomas Lawall - Oktober 2020

 

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