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Literatur

Warten auf ...
Zufallsinterviews


von Marcus Ertle


248 Seiten
1. Auflage Februar 2013
©opyright 2013 by Autor
www.unsichtbar-verlag.de
ISBN 978-3-942920-22-3



Worauf warten wir alle? Ich habe eigentlich keine Ahnung und schon deshalb kommt mir dieses Buch sehr gelegen. Im Moment warte ich zwar auf gar nichts, eher latent, so im Hintergrund vielleicht. Nicht (er)warten konnte ich allerdings, dieses Buch zu lesen. Wie mögen sich wohl "Zufallinterviews" anfühlen? Wie soll das gehen und wohin soll das führen?

Das Nichtwartenwollen hat sich gelohnt. Einiges an Erwartungen hatte ich schon, doch alle wurden letztlich übertroffen. Deshalb kann ich auch auf das Fazit dieser Rezension nicht warten und schreibe es in die Einleitung. Ich weiß gar nicht, ob ich dieses Jahr schon ein Buch gelesen habe, das mich mehr bewegt hat, als dieses. "Warten auf ..." kommt mir vor wie eine Antwort. Und dies in mehrfacher Hinsicht. Manchmal frage ich mich, was die ganze Leserei eigentlich soll. Diese ganzen Geschichten sind doch alle erfunden. Nichts ist echt. Leute erfunden, Story erfunden und Schauplätze erfunden.

Hier in diesem Buch finde ich Antworten. Sogar auf Fragen, die ich mir nie gestellt habe. Die Leute sind echt. Richtige Menschen, sogar mit Gesichtern. Zu jedem Interview gibt es eins. Na ja, fast jedenfalls. Die Geschichten, die diese Menschen erzählen, sind ebenfalls echt. Die Schauplätze ebenfalls. An- und Einsichten sind unmittelbar. Sie treffen, bewegen, berühren, machen glücklich und manchmal tieftraurig. Es ist das Leben, das Marcus Ertle eingefangen hat. Ungeschminkt und authentisch.

So wie Taxifahrer Mani P. beispielsweise, der sich "hobbymäßig" auf einem "philosophischen Trip" befindet und am liebsten in Casablanca in einem Café sitzen würde, um die Straße zu beobachten. Oder jener bezopfte LVA-Beamte, der am liebsten Schauspieler geworden wäre, Pferdewetten mag und keine Angst vor dem Tod hat.

Einfach nett kommt Französin Helene C. rüber, die unseren Umweltschutz "verrückt" findet und deren deutsches Lieblingswort ein schwäbisches ist. Aufschlussreich äußert sich ein Schriftsteller, für den jede Kunst aus Leiden geboren wird, und genauestens ausführen kann, was garantiert nicht der Sinn des Lebens ist. Sogar eine echte Begegnung der unheimlichen Art gibt es. Natalja R. stammt vom Jupiter und "eigentlich von überall"...

Na gut, nach dem Hauptteil, den ich gerne noch weitaus umfangreicher gestaltet hätte, muss
jetzt die Notbremse sowie halt doch noch irgendwie ein Schlusswort her. Da kann ich mich allerdings insofern relativ kurzfassen, denn "Warten auf ..." wartet nicht lange und spaziert schnurstracks auf den ersten Platz der Querblatt-Buch-Charts TOP 27 im August 2013.

Ein paar ausgewählte Schlussworte möchte ich einigen Interviewpartnern überlassen. Der linke Skinhead "Blub" möchte "nicht als Banker enden, sondern als Mensch". Der neunzigjährige Herr Jakobs war im Krieg Funker. Er erzählt von Gott und Himmel, die damals schwiegen. Heute weiß er, dass jeder seinen eigenen Sinn des Lebens braucht. Das Leben ist ein Traum "und irgendwann ist der Traum zu Ende". Ein kleines Mädchen sieht die Dinge ungleich anders, wenn auch in gewisser Weise nicht unähnlich. Laelia weiß, warum man lebt und wofür sie da ist: "Damit ich die Welt anschauen kann."

Wenn ich nicht falsch informiert bin, ist dieses Buch nicht nur eine Antwort auf alles Mögliche, sondern auch ein Anfang. Es soll noch weitere Interviews geben. Ich will aber gar keine Fortsetzung ... sondern viele! Eine Serie. Bitte. Danke!

 

Thomas Lawall - August 2013

 

 

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