Literatur

Waldgeheimnis

von Nicole Stranzl


316 Seiten
© 2026 - Gmeiner-Verlag GmbH
www.gmeiner-verlag.de
ISBN 978-3-8392-8000-3



Nikolas Novak sitzt in der Justizanstalt Graz ein. Der Gefängnisaufenthalt gestaltet sich ebenso eingleisig wie farblos. Ein Tag ist wie der andere, doch nicht für Novak. Er pflegt einige Briefkontakte mit Frauen, die sich, wohl aus einer seltsamen Mischung aus Vertrauen und Hilflosigkeit, hilfesuchend an ihn wenden.

Der Gefängnispsychologe Kai Hoffmann informiert sich über den neuesten Stand. Immer wieder ermutigt Novak Frauen, sich von ihren oft gewalttätigen Männern zu trennen, um damit endlich Konsequenzen, nach jahrelangen seelischen sowie körperlichen Misshandlungen, zu ziehen. Mit seiner vermeintlich empathischen Herangehensweise hat er Erfolg.

Kai Hoffmann beklagt die Doppelmoral vieler seiner Patienten, die sich scheinbar für die Belange völlig fremder Personen einsetzen, ohne dabei offenbar reflektieren zu können, was sich in ihrer eigenen Vergangenheit zugetragen hat. Novak tut dies zwar, indem er seine Taten bitter bereut, die Mädchen am liebsten wieder zurückholen würde, doch der Psychologe glaubt ihm kein Wort. Novak ist ein psychopathischer Serienkiller, der seinen Opfern Unvorstellbares angetan hat.

Derweil müssen sich LKA-Ermittler/in Alina Frank und Alexander Thaler mit einem bizarren Mord an einem Unternehmer beschäftigen, der mittels einer ungewöhnlichen Waffe umgebracht wurde...

Die deutliche Triggerwarnung zu Beginn des Buches verheißt nichts Gutes, wobei dies in einem Kriminalroman auch nicht unbedingt zu erwarten ist. Es gibt allerdings immer wieder Steigerungen, die den gewohnten Rahmen dann deutlich sprengen. (Der Klappentext verrät hier leider etwas zu viel.)

Prolog und das kurze erste Kapitel stellen Befindlichkeiten aus Tätersicht dar, wobei sich bereits hier erste Fragezeichen ergeben. Und dies nicht nur aus der Tatsache abgeleitet, dass es sich hier wohl um zwei Personen handelt. Entsprechend vielschichtig gestaltet sich der weitere Verlauf.  

Zunächst beginnt es wie in einem beliebigen Fernsehkrimi. Tatortbegehung, Vorstellung von Haupt- und Nebenfiguren, Opfer, dessen Ehefrau und Haushälterin, und das alles in einer vornehmen Villa. Das ändert sich jedoch bald, denn Nicole Stranzl eröffnet eine komplexe Geschichte, die sich aus vielen Puzzleteilen, welche sich gegenseitig überlagern, zusammensetzt.

Die Autorin beschreibt menschliche Abgründe und beschränkt sich hier keineswegs auf Andeutungen und Umschreibungen. Die Tätersichtweise und deren Ursprung spielt aber eine ähnliche Rolle, wie die der ermittelnden Personen. Auch hier können private Probleme fast massiver nicht sein. Die Auswirkungen sind ebenfalls mehr als deutlich.

Das Verfolgen der Spannungskurve, die sich auf verschiedenen Handlungsebenen entwickelt, verlangt viel Aufmerksamkeit und überraschende Wendungen sind keine Seltenheit. Die markanteste ist vielleicht eine Stelle, die sich lange vor dem Ende ergibt, und man sich berechtigt fragt, was denn da wohl noch kommen möge, da doch nun eigentlich alles klar ist...

Weit gefehlt, denn diese Art Showdown zieht sich, wenn man so will, über 100 Seiten! Diese raffinierte Geschichte endet "etwas" vielschichtiger. Es grenzt schon fast an ein Wunder, wie es Autorinnen wie Nicole Stranzl immer wieder erfolgreich gelingt, dem Genre neue, wenn auch recht makabre, Aspekte hinzuzufügen, um atemlose Spannung zu erzeugen.

 

Thomas Lawall - März 2026

 

 

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