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Literatur

Unternehmen Sagittarius
SF-Thriller


von Umbrella Brothers


362 Seiten
© Umbrella Brothers 2018
www.umbrella-brothers.de
ISBN-13: 978-1790848126



Wenn man mit Science-Fiction-Romanen groß geworden ist, hat man unter Umständen wenig Lust, sich Jahrzehnte später immer noch mit dem Genre zu befassen, zumal aus wissenschaftlicher Sicht ein Zusammentreffen mit einer außerirdischen Rasse so gut wie ausgeschlossen ist. Selbst ein überlichtschneller Antrieb würde nicht weiterhelfen, denn es geht weniger um die gigantischen Entfernungen als um die Frage der Zeit. Wir würden uns um Jahrmillionen verfehlen ...

Es gibt jedoch Ausnahmen, frei nach dem Motto: Wer einmal aus dem Blechnapf fraß. Wobei diese Bemerkung schon wieder einer von vielen Fettnäpfen sein könnte, die für den Rezensenten an jeder Ecke bereitstehen. Schon deshalb legt dieser Wert auf die Feststellung, dass der zitierte Blechnapf keine Rückschlüsse auf irgendwelche Bewertungskriterien zulässt, denn "Unternehmen Sagittarius" ist, was für eine angenehme Überraschung, richtig gut!

Der arbeitslose IT-Spezialist Alain Souchon konnte sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik fast erfolgreich beenden. Leider setzen sich die unerreichten Ziele auch im privaten Bereich fort. Sicher, Colette ist attraktiv, lieb und nett ... aber sie kann Raumschiffe nicht von Flugzeugen unterscheiden! Und dies ist noch nicht einmal der einzige Grund, warum Alain seine geliebte Sophie nicht vergessen kann.

Was das mit der Haupthandlung zu tun hat? Wenig. Aber ein Hauptdarsteller ohne private Probleme ist langweilig. Die eigentliche Story aber ganz und gar nicht. Martin Stottmeister, das Superhirn der Umbrella-Brothers-Gang, schreibt, wie amerikanische Mainstream-Regisseure drehen. Fetzig, mitreißend, frech und mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus.

Genau das ist es, was ihn von vielen Autoren unterscheidet. Er nimmt das, was er schreibt, nicht tierisch ernst und stolpert nicht selten regelrecht aus der Geschichte heraus, nimmt sich einen Stuhl und beobachtet die ganze Szenerie aus sicherem Abstand. Der Witz: Ausruhen kann er sich nicht unbedingt lange, denn sogleich zieht es ihn, ob er will oder nicht, in die Geschehnisse zurück, wobei ein ums andere Mal urkomische Situationen entstehen.

Selbstverständlich geht es (auch) um ernste Dinge. Ein Killer geht um. Die spezielle Art, mit der er seine Opfer "behandelt" brachte ihm den Namen "Iceman" ein. Auch der allgegenwärtige Terrorismus nimmt bizarre Formen an, die selbst vor einem Eiffelturm nicht halt machen. Und dann wäre da noch jenes gigantische Raumschiff, welches, wenn auch recht gemütlich, Kurs auf die Erde nimmt. Bestimmte Vorfälle lassen Böses erahnen.

All das verpacken die Umbrella Brothers in ein Gesamtpaket aus Hochspannung und Situationskomik. Die witzigen Dialoge sind auch so eine Marke. So kann beispielsweise die ernsthafte Diskussion über das mutmaßliche Aussehen der Aliens durch ein "Die Chips sind alle" unterbrochen werden. Auch in Bibelauslegungen kann Hauptdarsteller Alain glänzen. Man müsse nur etwas Phantasie aufbringen, um aus Gleichnissen "auch ein prima Rezept für Paella" ableiten zu können. Geradezu philosophisch wird es, wenn das Nichtvorhandensein bestimmter Bibelstellen verständnisvoll wie glaubwürdig begründet wird. Schließlich war "während der Erstellung des Manuskriptes die Erde noch flach".
 
Computerspieler kommen in diesem abgefahrenen Roman ebenfalls voll auf ihre Kosten. Warum? Ha ... das wird in dieser Rezi keinesfalls verraten. Nur so viel: DIESE Spielidee ist ebenso krank wie genial. Generell kann man sich auf weitere Überraschungen gefasst machen, die nicht nur Begleitumstände, sondern Grundlegendes der Geschichte selbst betreffen. Leicht schräge Veranlagungen gehören allerdings schon dazu, um damit zurechtzukommen.
                          
Fazit: Ein SF-Thriller für Fortgeschrittene und Querdenker. Spannend und zum Brüllen komisch. Für alle SF-Fans, die gerne einmal (weit) über den Tellerrand hinaus schauen. Ein echtes 4-Sterne-Buch, wobei noch ein Bonussternchen für herzerfrischenden Sarkasmus dazukommt!

 

Thomas Lawall - März 2019

 

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