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Tief
von Rebekka Moser
320 Seiten © Emons Verlag GmbH www.emons-verlag.de ISBN 978-3-7408-2849-3
Das Ungewöhnliche dieses "Bodensee Thrillers" beginnt ja schon bei den Kapitelüberschriften. Mit "VORBEI. Herbst. Ein Täter. Bodensee" geht es los. Durchaus konventionell erzählt, aber diese sich heimlich, still und leise heranschleichende Bedrohung ist nicht zu übersehen. Und die Vermutung, dass hier die Uhren anders ticken, wird sich bald bestätigen.
Kommissar Richard Heinzle sowie Kolleginnen und Kollegen sind "diese Art von Fällen" seit vielen Jahren nicht gewohnt, wenn man von den schon fast üblichen Mordfällen im einschlägigen Milieu oder den mehr oder weniger spontanen Tötungsdelikten im Rahmen privater Beziehungsprobleme einmal absieht. Die Tötung eines Kindes führt aber in andere Dimensionen.
Heinzle trifft es besonders hart, da er so ganz nebenbei mit einer schier unlösbaren privaten Last zurechtkommen muss und für den aktuellen Fall zur Zeit alles andere als bereit zu sein scheint. Jedenfalls nicht, bis er den Tod seiner Frau verarbeitet hat. Doch dafür bleibt im Moment keine Zeit.
Selbst die Rechtsmedizinerin Sissi Kirschbaum kommt an ihre Grenzen, doch es kommt noch schlimmer. Ebenfalls völlig anders als in anderen Kriminalfällen üblich ist das persönliche Erscheinen der Eltern am Tatort! Heinzle handelt gegen alle Grundsätze der Tatortsicherung, indem er den Eltern erlaubt, vor Ort Abschied zu nehmen. Rebekka Moser drückt es so aus:
"Die Beiden sollten alle Zeit der Welt haben in den ersten Momenten des Lebens, das ohne ihren Sohn weitergehen würde."
Das "Andere" dieses Romans manifestiert sich aber nicht nur an dieser Stelle. Allen voran die Charakterisierung der Person des Richard Heinzle, der sich zwischen sehr persönlicher sowie der fallbezogenen beruflichen Problematik auch noch mit den Herausforderungen im Zusammenhang mit der zunehmenden Verselbständigung seiner Tochter herumschlagen muss.
Neben einem massiven Generationskonflikt und einer schrägen Dreiecksbeziehung greift Rebekka Moser aber noch eine ganze Vielzahl weiterer Themen auf, die in anderen Kriminalromanen, wenn überhaupt, nur gestreift werden.
Denn wie es scheint, sind Rassismus, Migration, Terrorismus, Genozid, Remigration, Antisemitismus, Fanatismus oder Radikalisierung für die Gestaltung eines "unterhaltsamen" Kriminalromans nicht unbedingt auf der Tagesordnung. In "Tief" allerdings schon.
Wenig erfreulich gestalten sich dann auch die weiteren Verbrechen, deren Ausführung sich jenseits des Horizonts der ermittelnden Personen bewegen. Deren Vorstellungskraft reichte bis dato nicht aus. Die der Leserinnen und Leser wahrscheinlich ebenfalls nicht.
Das hört sich alles andere als nach einer leichten Lektüre an, aber neben all den dunklen Machenschaften lässt die Autorin den Blick auf landschaftliche Reize rund um Bregenz und den Bodensee nicht unerwähnt. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, und im Zusammenhang mit einem sehr bekannten weißen Hai oder einer "intergalaktischen Wahrheit" sorgt die Autorin hier für eine willkommene Abwechslung.
Alles in allem ein, trotz schwergewichtig angelegter Thematik, relativ unkompliziert konstruierter Thriller, der mit ebenso brisantem wie topaktueller Thematik an Tiefgang gewinnt.
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