Literatur

Ritter von der Rolandnadel

von Prinz Rupi


342 Seiten
© Charles Verlag, Hamburg 2025
www.charles-verlag.de
ISBN 978-3-910408-20-3



Das Motto einer "Persiflage auf den Standesdünkel des 19. Jahrhunderts" wirkt auf den Rezensenten wie ein Magnet, kann er doch in Sachen Humor nicht genug bekommen und ist stets offen und dankbar für jede neue Anregung.

Sobald aber die Rede von "Männerfreundschaften" ist, verabschiedet sich jener Humor augenblicklich. Von einem Männerbund ist hier also die Rede. Wie gruselig! Es geht aber noch schlimmer, denn Frauen haben hier in Sachen Mitgliedschaft keinen Zutritt, und wo diese nicht sein dürfen, mag auch der Rezensent nicht sein.

Die "Schlaraffia", ein Verein von Schauspielern, 1859 in Prag gegründet, war ihm bislang nicht bekannt, logischerweise auch nicht deren genanntes Motto, sowie deren Konzentration auf "Kunst, Humor und Freundschaft". Hört sich gut an, doch, oh Schreck, "Bruderschaft" dann gar nicht.

Der Buchtitel konnte zunächst auch nichts reißen, lediglich die übergroße Eule löste etwas in ihm aus, kannte er sie doch irgendwoher...! Die grandiose Aufmachung des Covers konnte auch nicht einfach übersehen werden, der Name des Autors auf den ersten Blick allerdings schon. Den hat er als Letztes entdeckt und dann fiel der Groschen.

Der ihm wohlbekannte und geschätzte Autor Prinz Rupi aka Ruprecht Frieling ist selbstverständlich ein Grund, sich dieses Buch einmal genauer anzusehen, um sich mit selbigem ausgiebig auseinanderzusetzen.

Schon hebt sich die Laune des Rezensenten, und mit ebensolchem Vergnügen dürften Leserinnen und Leser diesen ebenso gut informierten wie pointierten Ausführungen folgen. Na ja, Leserinnen vielleicht weniger, aber es scheint sich in diese Richtung etwas zu bewegen, da sich hierzu Kritik, auch in den eigenen Reihen, formiert. Neben der Gleichbehandlung von Frauen stehen auch "ein klares Bekenntnis gegen Fremdenhass und Deutschtümelei" auf der Tagesordnung.

Auch Prinz Rupi verleiht am Ende des Buches seiner Hoffnung Ausdruck, in der Präsenz von "Burgfrauen und Burgwonnen" ein "enormes Potential", bezüglich des Fortbestands des Vereins, zu entdecken.

Vorerst beschäftigt sich der Autor also mit der Vorstellung einzelner, meist langjähriger Mitglieder, die sich gemäß den Statuten um den Erhalt und das Brauchtum der Vereinigung verdient gemacht haben. Hierzu waren eine ganze Menge Interviews zu führen, welche die lockere Feder des Autors außerordentlich unterhaltsam in Szene zu setzen vermag.

Bemerkenswert sind mitunter die markanten Unterschiede zwischen den beruflichen Tätigkeiten der jeweiligen Mitglieder und deren Funktion im Verein, sowie die Geschichten einzelner Mitglieder generell, die sich teilweise ebenso abwechslungsreich wie reichlich schräg gestalten.

Da wären beispielsweise ein Jurist, der mehr über sich selbst, "als über die Schwächen der anderen" lacht, ein Schriftsteller, der zu faul fürs Gymnasium war und lieber 371 Bücher geschrieben hat, ein Historiker, der am Rosenmontag, selbstverständlich um 11.11 Uhr, geboren ist oder ein Unternehmer, der dem Dudelsackspiel verfallen ist.

Prinz Rupi macht sich die Mühe, auch die Lebensgeschichten der vorgestellten Herren etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die sich daraus ergebende Vielfalt unterschiedlichster Lebensabschnitte ist beachtlich. Hier reiht er Höhepunkt an Höhepunkt und stellvertretend für alle anderen, seien hier die Folgen eines Telefonanrufs eines 90jährigen erwähnt, welcher auf die Idee kam, einmal seine Jugendfreundin anzurufen...

Ein einheitliches Berufsbild zeichnet sich bei den Mitgliedern nicht ab. Berufe wie Zahnarzt, Maschinenschlosser, Zauberer, Datenhändler, Versicherungskaufmann, Unterhaltungskünstler oder Redakteur beweisen die Vielfalt im "Spiel".

Apropos, jene Vielfalt setzt sich in einer ganzen Reihe weiterer "Fachbegriffe" fort, welche die Sitten, Gebräuche, Rituale, Zeremonien, sowie die Vergabe von Ehrenzeichen und Symbolen der Gemeinschaft in geordnete Bahnen lenken. Schließlich gilt es, das Prozedere bis hin zum "Ritterschlag" zu regeln und zu definieren.

Sitten, Gebräuche, das damit verbundene Regelwerk, sowie die "karnevalesken Kostüme" (auch "Rüstungen" genannt), sind komisch bis urkomisch und sicher nicht jedermanns Sache, unterstreichen aber die gewollt schräge Selbstironie dieser unkonventionellen Truppe.

Und was das Ganze mit der im Titel zitierten "Rolandnadel" zu tun hat? Das herauszufinden ist Sache der Leser/innen, denn selber lesen macht schlau!

Der fehlenden weiblichen Präsenz zum Trotz ist dem Rezensenten das gewichtige Prachtexemplar auf jeden Fall eine bis mehrere Empfehlungen wert. Das, was Prinz Rupi hier präsentiert, und natürlich vor allem WIE er das tut, ist alles, außer gewöhnlich.

Denn was sie schon immer über die Schlaraffen wissen wollten, bisher aber nicht zu fragen wagten, wird schließlich von einem Mann präsentiert, der seit 50 Jahren recht erfolgreich gegen den Strom schwimmt.

 

Thomas Lawall - Februar 2026

 

 

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