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Literatur

Quick
Die Erschaffung eines Serienkillers


von Hannes Råstam


560 Seiten
Vollständige deutsche Taschenbuchausgabe 12/2020
© 2012 by Hannes Råstam
© 2013 der deutschen Ausgabe
by Wilhelm Heyne Verlag, München
www.heyne-hardcore.de
ISBN 978-3-453-67732-6



Eines der wenigen Bücher, die in der Aufmachung eines Thrillers daherkommen, aber mitnichten einer sind, auch wenn die beiden fettgedruckten Zeilen auf der Rückseite des Buchumschlags dies gerne suggerieren möchten. Das Cover ziert keineswegs etwa Täter und Opfer, sondern den Autor selbst, gespielt von Jonas Karlsson, und dessen Kollegin Jenny Küttim, dargestellt von Alba August, im 2019 produzierten Filmdrama.

"Die wahre Geschichte eines unfassbaren Verbrechens" ist in Wahrheit die Geschichte eines unfassbaren Justizirrtums und Behandlungsskandals im Schweden der Jahrtausendwende, und sie ist nichts anderes als ein Sachbuch. Geschrieben ist das Buch allerdings in einem durchaus mitreißenden Stil, der mitunter vergessen lässt, dass es sich nicht um fiktive Handlungen dreht, sondern um einen "Kriminalroman" mit völlig anderen Vorzeichen.

Natürlich fehlen, teilweise unvorstellbare, Verbrechen ebenso wenig wie akribische Ermittlungen, nur, hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Während die Morde meist real sind, gestalten sich die Ermittlungen in Bereichen, welche die Grenzen des Dilettantismus gleich mehrfach überschreiten.

Über dreißig Morde hat Sture Ragnar Bergwall, der sich von 1980 bis 2002 Thomas Quick nannte, gestanden ... und keinen einzigen davon tatsächlich begangen! 

Aufgrund mehrerer gewaltsamer Auseinandersetzungen mit Männern sowie einem skurrilen Banküberfall in einer psychiatrischen Anstalt im schwedischen Säter untergebracht, war er mit seinem Status als gewöhnlicher Patient außerordentlich unzufrieden. Als er sein erstes Mordgeständnis ablegte, änderte sich dies schlagartig. Der Grundstein für eine groteske Theatervorstellung war gelegt.

Plötzlich bekam er die Aufmerksamkeit, die er sich immer gewünscht hatte. Sein "Rang" stieg sowohl bei Ärzten als auch beim Pflegepersonal. Ferner sicherte sein damit verbundenes Verhalten eine Dauerversorgung mit hoch dosierten Medikamenten. Von Polizei, Justiz und Massenmedien wurde er allerdings ebenso schnell in vorgefertigte Schubladen gepackt. Ein neuer Serienkiller war erschaffen.

Neben halbherzigen Ermittlungsmethoden und skandalösen Gerichtsverhandlungen prangert dieser Fall auch die Armut falsch angewandter Psychologie und die damit verbundenen, völlig irrealen Interpretationsorgien an. Wie dies alles, wie ein gut geöltes Räderwerk, ineinander griff, dokumentiert dieses spannende Buch, indem es dieses unglaubliche Lügengebäude bis ins kleinste Detail ausleuchtet. Der Autor und Enthüllungsjournalist Hannes Råstam, der die endgültige Fertigstellung seines Buches nicht mehr erleben durfte, musste sich hierfür durch 50.000 Seiten Gerichtsprotokolle arbeiten!

Sein Werk könnte von unschätzbarem Wert sein, würde es nicht von den zuständigen Stellen, wie üblich und trotz entsprechendem Medienrummel, unter den Tisch gekehrt. Mit Sicherheit dürften es künftige "Mythomanen" dennoch schwerer haben, sich auf diese Weise erhöhte Aufmerksamkeit zu verschaffen.

 

Thomas Lawall - April 2021

 

 

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