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Literatur

Puppentod

von Katharina Winter


382 Seiten
© 2010 Diana Verlag, München
www.diana-verlag.de
ISBN 978-3-453-35480-7



Michael kann Lisa einfach nicht vergessen. Er hatte seinen Aufenthalt in der Dominikanischen Republik um einen Tag verlängert, um mit ihr einen längeren Ausflug zu unternehmen. Zuerst die Fahrt mit dem Auto, dann ritten sie zwei Stunden durch den Regenwald, bis es langsam bergauf ging. Schließlich erreichten sie das Naturschauspiel, das man einfach gesehen haben muss, bevor man die Insel verlässt. Schließlich gilt der Salto del Limón als der schönste Wasserfall der Karibik. Er kletterte mit ihr die Schlucht hinab und unten nahmen sie ein Bad in dem von den herabstürzenden Wassermassen gebildeten, natürlichen Becken. Das Wasser war glasklar und man konnte bis zum Grund sehen. Der Jungunternehmer erinnert sich auch an den Vorabend in Margeritas Fisch- & Cocktailbar, sein erstes Rendezvous mit der bezaubernden Lisa.

Eigentlich hatte er ihr sein Leben zu verdanken. Lisa M. Ebert war seine Tauchlehrerin. Beim ersten Tauchgang bekam Michael Westphal in acht Metern Tiefe eine Panikattacke, woraufhin seine Lehrerin abbrach, um mit ihm sofort aufzutauchen. Am nächsten Tag besuchte er sie in ihrem Büro, um sich noch einmal zu bedanken ... witterte aber eine Chance, ihr etwas näher zu kommen. Schließlich lud er sie zum Essen ein und sie sagte sofort zu.

Doch jetzt dieser Abschied. Den hatte er sich anders vorgestellt, zumal ihm mit seinem Vater einiger Ärger bevorsteht. Wichtige Termine in der Firma hätten auf dem Programm gestanden und er beabsichtige, seinen Urlaub in der Karibik ohne Absprache einen Tag zu verlängern, und das auch noch wegen einer Frau. Doch genau diese verhält sich nun etwas unerwartet. Mehr als ein "mach's gut" weiß sie beim Abschied nicht zu sagen und nicht einmal ihre Telefonnummer will sie Michael überlassen.

Dabei will er sie doch wiedersehen - demnächst, in Deutschland. Seit drei Monaten lebt sie in der Dominikanischen Republik, doch ein letztes Mal will sie demnächst in ihre alte Heimat aufbrechen, um ihre verbliebenen Habseligkeiten zusammenzupacken, um dann endgültig alle Brücken abzubrechen. Als Yogalehrerin kümmerte sie sich früher um ebenso gutbetuchte wie frustrierte Damen aus gehobenen Kreisen, die allerdings eher Interesse an Gesprächstherapie als an Yoga zeigten. Irgendwann hätte sie die Lust verloren und da kam jene Stellenanzeige der Tauchschule in der Dominikanischen Republik gerade recht. Wie es der Zufall will, wohnt Michael zu Hause ganz in ihrer Nähe und somit wäre ein Wiedersehen kein größeres Problem.

Ohne weitere Bezugspunkte muss Michael abreisen, doch als Unternehmersohn hat er erstens seine Kontakte und zweitens gibt er nicht so schnell auf. Es gelingt ihm, Lisas Maschine nach Deutschland zu ermitteln, um sie am Flughafen abholen zu können. Lisa scheint sehr überrascht zu sein, so als ob sie nicht wirklich mit ihm gerechnet hätte. Er lernt ihre bescheidene Wohnung kennen und verabredet sich mit ihr für den nächsten Tag zu einem Essen. Für ihn läuft alles wie in einem Traum, doch im Lokal taucht ein erstes Fragezeichen auf. Ein vorbeilaufender Kellner hebt eine Karte auf, die Lisa offenbar heruntergefallen ist. Lisa steckt sie dankend in ihre Tasche, während Michael gerade noch den Schriftzug "Happy Birthday" erkennen kann. Er spricht sie darauf an und erfährt, dass morgen ihr Geburtstag sei, worauf er sie einlädt, mit ihm den Tag zu verbringen. Nur ganz kurz fragt er sich, wie die Karte auf den Boden kam, denn ihre Tasche war verschlossen ...

Sein Freund Erik bringt ein weiteres, aber größeres Fragezeichen ins Spiel. Der Scheidungsanwalt reiste gemeinsam mit ihm in die Karibik, eine Reise, die sie bei Sport Hülfinger gewonnen hatten. Nun traf Erik kürzlich den Geschäftsführer eben jenes Unternehmens, der ihm glaubhaft versichern konnte, eine Karibikreise niemals verlost zu haben! Bleibt die Frage, woher Flugtickets und Hotelgutscheine kamen ...

Nun gut, in diversen Buchforen und Literatur-Magazinen wird neben weiteren bekannten Floskeln sicher wieder zu lesen sein: "Gut zu lesen" und/oder "sehr flüssig geschrieben". Das mag bei diesem Buch tatsächlich der Fall sein - wie bei vielen anderen Veröffentlichungen natürlich auch -, denn es ist auf einen ganz bestimmten Leserkreis zugeschnitten. Ich würde mal sagen, das alles kommt etwas dünn daher, die Charaktere zeigen meist nur aufgesetzte und diffuse Gefühle, während eine sehr überschaubare und vorhersehbare Story geradezu abgespult wird.

Ich sage aber dennoch: nicht unspannend! Ich empfand es als eine Erholung, insbesondere nach den Texten, die ich in jüngster Vergangenheit gelesen habe, ein Buch zu lesen, welches rein der Unterhaltung dient. Wieso nicht einmal entspannen, abschalten und sich für wenige Stunden einfach mal treiben lassen? Denn langweilig ist diese Story auf keinen Fall, und am Ende nimmt sie sogar richtig Fahrt auf ...

 

Thomas Lawall - Dezember 2010

 

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