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Literatur

Mycrofts Auftrag
Ein Sherlock Holmes-Krimi


von Beate Baum


© by Beate Baum
www.beatebaum.de
eBook, Seitenanzahl: 148
ISBN: 978-3-7380-2170-7



John Watsons Verlobte steht mit Holmes im Treppenhaus und verhandelt mit zwei Polizisten. Mary versucht, sie zu beschwichtigen, doch sie zeigen sich wenig beeindruckt. Ganz im Gegenteil: Sie wollen Sherlock Holmes sofort festnehmen, schließlich läge ein Haftbefehl vor. Dieser zeigt sich seinerseits wenig beeindruckt und entscheidet sich für eine spontane Flucht über die Terrasse.

Vielleicht ahnte er auch, was ihn in dieser Nacht erwarten würde. Dr. Watson hatte ihm Diazepam gegen seine Schlaflosigkeit verordnet, doch genau jene hatte er nicht genommen, da er womöglich wieder ein paar Schritte im Voraus gedacht und geplant hatte. Doch diesmal sieht es schlecht aus. In seiner Wohnung wurden Drogen gefunden. Früher "experimentierte" Holmes bekanntlich mit Kokain, doch seine "zunehmende Toleranz gegenüber Betäubungsmitteln" nötigte ihn, es einmal mit Heroin zu probieren.

Offenbar konnte John nicht alle Verstecke finden und ausräumen, bevor die Polizei eintraf. Holmes erklärte ihm, dass er das Heroin brauchen würde, um seine Schlafstörungen zu behandeln. John Watson findet es allerdings in nicht unbeträchtlichen Mengen, welche für einen abhängigen Junkie immerhin einen guten Wochenvorrat bedeuten würden.

Sherlock Holmes versucht ihm zu erklären, dass er gar nicht anders konnte, was den Kauf dieser Menge Heroin betrifft. Es wäre notwendig gewesen, um seine Tarnung zu wahren. Dummerweise sind das nicht die einzigen Komplikationen, die jetzt auf ihn hereinbrechen. Neben der Drogensache liegt nun eine weitere Anzeige vor. Ein Junkie behauptet, der Detektiv hätte von ihm im Austausch mit Dope sexuelle Gefälligkeiten verlangt.

Dass Holmes an einem Fall arbeitet, scheint klar zu sein. Doch um was es genau geht, will er zunächst nicht verraten. Erst einmal geht es nach Parkside und in einen Wohnkomplex - "Fantastillardären-Palast" - der Reichsten der Reichen am Hyde Park. Dort würden sie sich als Lord William Michael Escott und als Dave Taylor ausgeben, um ihr Interesse an einem Wohnobjekt der gehobenen Sonderklasse zu bekunden. Sie treffen den griechischen Reeder und Milliardär Adrianós Morakis. Das "Spiel" kann beginnen ...

Beate Baum konstruiert mit "Mycrofts Auftrag" einen modernen Sherlock Holmes-Krimi, so modern, dass es dem wohl berühmtesten aller Ermittler sogar erlaubt ist, ein Smartphone zu besitzen. Gleichzeitig muss man auf die gewohnten Eigenschaften und Fähigkeiten des britischen Superhirns nicht verzichten. Scharfsinn und Menschenkenntnis beweist er nicht nur in seiner eigentlichen Aufgabenstellung, sondern auch in seinen beiläufigen "Herleitungen", beispielsweise jene, die eine junge Taxifahrerin betreffen oder jene, die eine blitzschnelle Analyse eines Tathergangs erlauben. Details, die andere weder sehen noch deuten können.

Einmal mehr spielt die Ortskenntnis der Autorin eine maßgebliche Rolle und verleiht dem Roman einen authentischen Rahmen. Die Geschichte selbst zeichnet sie gleich zu Beginn recht verschachtelt, doch so nach und nach lichtet sich der Nebel, wie der sprichwörtliche in London, um die überraschenden Wendungen des Romans Schritt für Schritt freizulegen.

Auch und besonders in "Mycrofts Auftrag" bleiben die Konflikte zwischen Sherlock und seinem älteren Bruder Mycroft nicht aus, dennoch ist und bleibt es ein besonderes Band, welches die beiden verbindet. Immerhin kann die Rivalität der Beiden Sherlock wieder zu Höchstleistungen animieren. Zwei weitere Erwartungshaltungen der Sherlock Holmes-Fangemeinde kann Beate Baum ebenfalls locker erfüllen. Das trickreiche Finale und natürlich, trotz zur Verfügung stehender modernster Technik, die gute alte Lupe.

 

Thomas Lawall - März 2016

 

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