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Literatur

Mount Copenhagen

von Kaspar Colling Nielsen


208 Seiten
© 2010 by Kaspar Colling Nielson
© 2021 der deutschen Ausgabe by
Wilhelm Heyne Verlag, München
www.heyne.hardcore.de
ISBN 978-3-453-27171-5



So ein Berg ist nicht gerade preiswert, und wenn er satte 3500 Meter hoch ist und eine Grundfläche von knapp 600 Quadratkilometern besitzt, schon gar nicht. Selbst die Planungsphase verschlang Unsummen und nicht zuletzt die ursprüngliche Landschaft rund um Dänemarks Hauptstadt. Aber dafür hat man ja nun einen imposanten Hausberg, der nicht nur Kopenhagens Stadtbild, sondern das des ganzen Landes auf ein ganz anderes Niveau hebt.

Auch für Wirtschaft und Tourismus brach ein neues Zeitalter an, als nach zweihundert Jahren der "Mount Copenhagen" endlich fertiggestellt war. Aufschwung und unbegrenzte Möglichkeiten regieren seither die Region, die nie mehr so sein würde, wie sie vorher war. Auch und besonders auf die Bevölkerung zeigt diese monumentale Veränderung eine enorme Wirkung und diese Menschen stellt uns der dänische Autor Kaspar Colling Nielsen in seinem bereits 2010 erschienenen Debüt vor.

Beispielsweise lernen wir den Arzt und Hobbyornithologen Jan Peter Lassen und seinen (entsetzlichen) Werdegang kennen. Nicht minder dramatisch gestaltet sich die Fertigung eines besonderen Tennisschlägers für Herrn Stig Andersen. Damit wäre die Auswahl an merkwürdigen Persönlichkeiten noch lange nicht vollzählig. Auch mit dem am "Extremlauf Copenhagen X" teilnehmenden Pastor Allan Jørgensen oder jenem Edvard, also der mit den Budweiserdosen auf dem Beifahrersitz, wäre die Besetzungsliste nicht vollzählig, geschweige denn die höchste Eskalationsstufe erreicht.

Für wen dieses Buch geeignet ist? Schwer zu sagen. Die wichtigsten Grundvoraussetzungen sind sicher, mit einem gerüttelt Maß an skurrilem Humor gesegnet und in keinem Fall ein Katzenliebhaber zu sein.
 
Was das Ganze zu bedeuten hat, bleibt, zumindest bei oberflächlicher Ansicht, erst einmal offen. Das Buch könnte streckenweise, wenn man so will, in die Randgebiete der Science-fiction- und/oder Fantasy-Literatur einzuordnen sein. Bizarre Situationen, sehr weit hergeholte "technische" Weiterentwicklungen, sowie haarsträubende gesellschaftliche Tendenzen geben sowohl den einzelnen Geschichten als auch dem Gesamtzusammenhang aber einen satten satirischen Anstrich, so dass "Mount Copenhagen" nicht wirklich in irgendeine Schublade passt.

Die einzelnen Geschichten können (und wollen?) natürlich auch als Allegorie verstanden werden. Ein gigantisches "Was-Wäre-Wenn", welches die Folgen ebenso massiver, wie grundlegender Eingriffe des Menschen in die Natur (und sich selbst!), in sehr krasser Art und Weise schildert. Schräger können die Sackgassen nicht sein, in welche sich menschlicher Geist leider allzu oft verirrt. Aber der Anfang ist ja längst gemacht, und wenn hier die absurden Resultate unzähliger Fehlentscheidungen und -entwicklungen, die sich in einem etwas größeren Rahmen bewegen, dargestellt werden sollen, dann ist dieses satirische Experiment gelungen.

Jenes lässt uns durch die Kunst der Übertreibung die absurden Auswüchse des "normalen" Alltags wieder klarer erscheinen. Vielleicht ist auch die Eskalation der Seltsamkeiten eine schräge Hommage an jene Rätsel dieser Welt, die niemals verstanden oder gar gelöst werden können.

 

Thomas Lawall - März 2022

 

 

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