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Merano Infernale
von Elisabeth Florin
336 Seiten © Emons Verlag GmbH www.emons-verlag.de ISBN 978-3-7408-2518-8
Kollegen können wahrlich gemein sein. Alle haben sie unterschrieben, um Amadeus Emmeneggers ehemaligen Kollegen in der Mordkommission, Guido Brunthaler, loszuwerden. Nun fällt Polizeichef Claudio Branga nichts besseres ein, als den "selbstverliebten und zartbesaiteten Schwachkopf" einmal mehr dem Ispettore an die Seite zu stellen.
Der weiß und glaubt nicht, wie ihm geschieht, doch er findet zunächst in den speziellen Anweisungen seines Chefs Trost, da jener dem ungeliebten Kollegen eine vierwöchige Probezeit verordnet hat. "Emmi" ist sich somit sicher, dass sich Möglichkeiten ergeben werden, die nächsten vier Wochen "beinhart und gnadenlos" zu gestalten.
Bereits auf den ersten Seiten des Kriminalromans kristallisiert sich dessen Struktur klar heraus, denn hier wird nicht nur mit harten Bandagen gekämpft, sondern auch mit humoristischem Augenzwinkern. Den tatsächlichen Ernst der Lage vermag dieses Element unschwer etwas zu entschärfen, was auch bitter notwendig ist...
Neben einem grässlichen Mord, mitten in Merans Altstadt, gibt es jedoch eine ganze Reihe weitere Nebenkriegsschauplätze, welche dem Fall, zumindest zeitweise, den Schrecken zu nehmen wissen. Was die ersten Seiten versprechen, wird also mühelos gehalten.
Das können private Komplikationen sein, sowie Indifferenz auf behördlicher Ebene und handfestes Kompetenzgerangel zwischen den Abteilungen und deren Aufgabenstellungen. Mitunter wirkt dies etwas konstruiert überspannt, eine gewisse Lebensnähe bleibt aber durchaus erkennbar.
Insbesondere wenn es sehr privat wird, zieht die Autorin alle Register. Eva Marthaler und Amadeus Emmenegger haben als ehemaliges Traumpaar der Mordkommission dem Weg zum Traualtar gefunden. Für das große Glück bleibt zunächst wenig Raum, begründet nicht nur durch den aktuellen Fall selbst, sondern auch durch Evas Ernennung zur Leiterin der Carabinieri-Station Meran-Mitte.
Nach und nach entrollen sich weitere, völlig überraschende Wendungen in alle Richtungen, wobei sich das Thema falsche Fährten mitunter etwas ziehen kann. Zum Glück fangen dies Passagen der schon erwähnten humoristischen Art wieder auf, ob es nun ein bestimmter Klingelton ist, oder die Sache mit der "Wackelkopfpuppe". Für Unterhaltung sorgen auch Charaktere, die Handlungen der besonders schrägen Art einfügen. Hierzu gesellen sich auch die Personenbeschreibungen einiger Nebendarstellerinnen und Nebendarsteller, wie beispielsweise jenem Paul, Mitglied des Meraner Stadttheaters, oder der trinkfesten Gerichtsmedizinerin Editha Klausner.
Ebenfalls in ungewohntem Gewand gestalten sich die speziellen Modalitäten, die zur Auflösung des Falles führen. Dergleichen liest man selten. Elisabeth Florin hält nach dem Ende auch noch einige Zugaben bereit, die insgesamt alle etwas mit Meran zu tun haben
Für den Rezensenten stellt es ein besonderes Schmankerl dar, wenn ihn das Rezensionsexemplar nur einen Tag vor einem zweiwöchigen Urlaub in Meran erreicht! Des späten Abends durch Meran zu schlendern erscheint dann plötzlich in einem völlig anderen Licht.
"Merano Infernale" ist aber gleichwohl für alle daheimgebliebenen Krimifreunde ebenfalls bestens geeignet. Ganz besonders für jene, die eine wahrlich haarsträubende Geschichte im Gewand eines unkomplizierten Kriminalromans der unterhaltsamen Art zu schätzen wissen.
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