Literatur

Mein Leben als Zitronenbaum
Die Lemon Tree-Story: Fools Garden, der Welthit und ich

von Peter Freudenthaler


298 Seiten
1. Auflage 2025
© Charles Verlag, Hamburg 2025
www.charles-verlag.de
ISBN 978-3-910408-16-6



Damit eins vorweg klar ist: Ich war und bin kein Fan der Band, kenne ihre Alben nicht, den Song, um den es hier geht, aber sehr wohl. Meine nachfolgenden Loblieder sind also keinesfalls mit dem Blick durch die rosarote Fanbrille entstanden oder zu begründen.

"Lemon Tree" hob sich von den meisten anderen Angeboten des Mainstream-Radios derart positiv ab, dass sich hier für mich wohl ein fast selbstverständliches Interesse an einer entsprechenden Buchveröffentlichung entwickelte.

Zudem lese ich gerne gute Geschichten und eine solche in dieser Veröffentlichung bereits im Vorfeld zu vermuten, erwies sich als absolut richtig. Wie SEHR sie das tun würde, konnte ich aber nicht voraussehen, und warum sie sich so gut liest, weiß ich auch nicht.

Da mir Sachbücher, insbesondere Biografien, ganz und gar nicht unbekannt sind, muss ich das Erstaunlichste an diesem Buch erst einmal hervorheben, denn es vermochte mich von Anfang an zu fesseln. Doch dazu im Fazit mehr.

"Ihr seid 20 Jahre zu spät", bekamen "Fool's Garden, seit 2003 "Fools Garden", immer wieder zu hören. Die oft von ebenso witzigen wie kompetenten Damen und Herren besetzten Radiostationen, die Manager Steffen Koch einst abklapperte, erkannten eine gewisse Beatles-Verwandtschaft, ohne dabei dem Zeitgeist Beachtung zu schenken, der sich im Zitronenbaum, damals noch in vornehmer Zurückhaltung, versteckte.

Ganz anders sah es aus, als "Lemon Tree" 1995 bei SWF 3 gespielt wurde und satte 100 Leute den Sender anriefen, um den Namen des Songs in Erfahrung zu bringen. Den Song, der nur testweise lief, ins weitere Programm aufzunehmen, war dann so etwas wie ein "Startschuss", doch es sollten noch eine ganze Vielzahl weitere folgen, bis 1996 sämtliche Erwartungen explodierten und sich permanent mit sich selbst multiplizierten.

Schon für mich als Leser begann sich die Spannung ins Unendliche zu dehnen. Wie muss das erst für die Band gewesen sein! Es lag etwas in der Luft und geriet in Bewegung, und als zusätzlichen Knalleffekt stelle man sich vor, dass die Nachfrage zwar endlich da war, es aber nirgendwo eine entsprechende CD zu kaufen gab!

Wie weit war der Weg von den ersten Gehversuchen mit den alten Formationen "Demian" (1982) und "The Stitch" (1983-1986) sowie den damit verbundenen Träumen und Wunschvorstellungen, und dem Abzweig in eine Lehre als Klavierbauer.

Auf weitere private Details müssen eingefleischte Fans verzichten, da Peter Freudenthaler auf "zu viel Persönliches" verzichten wollte. Das stimmt insofern nicht ganz, denn einen ausführlichen Rückblick in seine Kindheit und Jugend gewährt er Leserinnen und Lesern dann doch. Ein weiterer Beweis für seine bodenständige Bescheidenheit.

Einen tiefen Einblick in sein Seelenleben vermitteln zudem nicht nur seine Songs, wenn auch auf verschlüsselte Art und Weise, sondern auch und besonders außerordentlich bewegende Zeilen, die er zum Abschied und Tod seiner Eltern zu formulieren wusste. Allein diese verdienen das Prädikat "besonders wertvoll"!

Sicher ist "Lemon Tree" DER Höhepunkt in der Bandgeschichte, sowie das verrückte Jahr 1996, was jedoch nicht heißt, dass es nunmehr steil bergab ging. Auch die weltweiten Folgen sind spannend, sowie weitere Höhepunkte wie beispielsweise die 100.000 Fans bei einem Konzert im russischen Kaliningrad, oder den 100 Millionen Fernsehzuschauer/innen in China anlässlich eines Konzertes in Chongqing, das unter besonderen Umständen stattfand.   

Die ganze Vielzahl von kleinen Geschichten in der großen ist eine der vielen Besonderheiten dieses Buches, was zu einem großen Teil die ungeheure Spannungskurve dieses Buches erklärt, welches sich stellenweise wie ein Kriminalroman liest! Man kann, um möglichst rasch den Ereignissen folgen zu können, die sich quasi immer weiter zuspitzen, kaum ein vernünftiges Lesetempo einhalten.

Stilistisch fallen ausdrucksstarke Metaphern, wie jener "durchgetaktete Ausnahmezustand", die "Greenhorns im großen Zirkus Musikgeschäft", oder Peters selbstkritische Art, "mehr Kuhstallluft als Stadionnebel" eingeatmet zu haben, auf.

Wer jetzt immer noch nicht neugierig geworden ist, sei noch auf eine "verstörende" Begrüßung in einer TV-Show in Taiwan, auf einen vergessenen "Bambi" oder auf jenen Vorfall mit dem Opel Kadett der Eltern hingewiesen.

"Mein Leben als Zitronenbaum" belegt den ersten Platz in der Rangliste der bisher von mir gelesenen (Auto-)Biografien. Es ist die prall gefüllte Dokumentation eines Mannes, der selbst nach den größten Erfolgen das Staunen nicht verlernt hat. Leute, schmeißt eure Krimis und/oder True-Crimes weg. Das hier sind Aufzeichnungen aus dem wahren Leben - aufregender und spannender geht es kaum.

 

Thomas Lawall - März 2026

 

 

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